Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.06.2015

15:29 Uhr

Parteitag der PS

Orkan Valls fegt über Frankreichs Sozialisten

VonThomas Hanke

Die französischen Sozialisten sind in Katerstimmung. Doch Premier Valls schafft es mit einem bemerkenswerten Auftritt, den Kleinmut wegzublasen. Damit bringt er sich bereits als Hollande-Nachfoger in Stellung.

Der Premier hat das Feuer seiner Partei wieder entfacht. Reuters

Manuel Valls in Poitiers

Der Premier hat das Feuer seiner Partei wieder entfacht.

ParisMit einer geschickten und emphatischen Rede hat Frankreichs Premier Manuel Valls am Samstag die Stimmung auf dem Parteitag der Sozialisten (PS) gedreht. Obwohl er in der Partei nicht von allen geliebt wird, erhielt er gleich mehrere stehende Ovationen. Valls wendet sich gegen die von der Rechten geschürte Islamophobie und erinnert an die Geschlossenheit der Franzosen nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo vom Januar, ruft seine Parteifreunde dazu auf, die „Partei der Nation zu sein, die Partei des Volkes im Herzen der Nation“.

Die Herzen der Delegierten gewinnt er damit: Während vorher eine Katerstimmung wegen der Konflikte zwischen Reformern und Linken über dem Parteitag hing, blies der Orkan Valls den Kleinmut weg und gab den Delegierten Gelegenheit, „stolz zu sein auf das, was wir geleistet haben, stolz zu sein darauf, links zu sein und stolz auf unser schönes Land.“

Parteitage in Frankreich: Politik in Zeitlupe

Parteitage in Frankreich

Premium Politik in Zeitlupe

In Frankreich herrscht Dauerwahlkampf. Das ist schlecht für die europäischen Partner. Denn er wird die Modernisierung des Landes lähmen, weil politische Führer die Befindlichkeit ihrer Parteien pflegen. Ein Kommentar.

Valls‘ rackert sich auf der Bühne des Kongresses in Poitiers ab wie Gerd Schröder zu seinen besten Zeiten: Er dampft und transpiriert, der Schweiß trieft ihm in Rinnsalen von der Stirn, die Stimme röhrt durch den Saal. Sein Auftritt ist jedoch in Wirklichkeit kühl durchdacht und könnte als ein Beispiel für eine rhetorische Meisterleistung in die Geschichte des Fachs eingehen. Er bringt das Kunststück fertig, seine „völlige Loyalität zu Präsident Franҫois Holande“ zu beschwören und die Delegierten zu einem begeisterten Applaus für ihren Präsidenten anzuregen, zugleich aber so zu reden, als sei er selber schon der Vater der Nation. Nach diesem Auftritt ist klar: Muss Hollande, der 2017 gerne wieder antreten will, wegen Chancenlosigkeit auf die Kandidatur verzichten, dann wird Valls sich nicht erst warm laufen müssen. Sein Motor dreht schon mit hohem Tempo.

Schon als Valls unter den Klängen rhythmischer Musik in den Saal einzieht ist klar, welche Art von Rede er halten würde. Völlig unüblich für einen Parteitag der Sozialisten kommt er mit Krawatte und dunklem Anzug, nicht wie gewöhnlich in Hemdsärmeln. Und so sprach er dann auch: als Staatsmann, der nicht nur die Partei, sondern die Linke, ja das ganze Land einen will. Diese Pose erleichterte es ihm, den Gegenspieler Nicolas Sarkozy in die Schranken zu weisen. Der fällt durch eine übermäßig aggressive, ich-bezogene und parteitaktisch-kleinkarierte Rhetorik auf, eine Steilvorlage für Valls: „Man macht keine Politik, um persönliche Rechnungen zu begleichen, Nicolas Sarkozy schadet schon in der Opposition dem Land genug.“ Ein kurzer, aber harter Schlag, dem im Stillen wohl sogar viele Anhänger der Konservativen applaudieren.

Mit seinen parteiinternen Gegnern hat Orkan „Manuel“ leichtes Spiel. Seit sie bei der Abstimmung über die konkurrierenden Leitanträge nur 30 Prozent der Stimmen erhalten haben, während die Motion pro-Reformkurs 60 Prozent bekam, haben die Linken an Energie verloren und beigedreht. Christian Paul, einer ihrer Sprecher, sagte am Samstag, die Partei sei „geeint, es gibt keinen Konflikt zwischen Revolutionären und Reformern, sondern nur eine Diskussion zwischen zwei Reformkräften.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×