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08.05.2016

09:16 Uhr

Parteitag in Nordkorea

Kim Jong Un entdeckt die Planwirtschaft neu

VonMartin Kölling

Nordkoreas Führer will die Wirtschaft des Landes entwickeln, um die Macht der Partei und das Atomwaffenarsenal zu stärken. Dazu belebt er ein altes Mittel der Planwirtschaft neu: den Fünf-Jahresplan.

An seiner Macht gibt es keine Zweifel: Nordkoreas erster Mann Kim Jong-Un auf dem Parteikongress. dpa

Der große junge Boss

An seiner Macht gibt es keine Zweifel: Nordkoreas erster Mann Kim Jong-Un auf dem Parteikongress.

TokioNordkoreas Führer Kim Jong Un bleibt auf dem ersten Kongress der Koreanischen Arbeiterparteitag seit 36 Jahren seiner Marschrichtung treu. Die bisher veröffentlichten Reden zeigen deutlich, dass er unter dem Motto „byungjin” zwei Dinge gleichzeitig verfolgen will: die Entwicklung der Wirtschaft und des Atomarsenals.

So stellte er erstmals seit der Zeit seines Großvaters, des „ewigen Präsidenten“ Kim Il Sung, einen Fünf-Jahresplan vor. Zwar sind die Ziele noch vage. „Der Plan ist notwendig, um die Stärke der politisch-ideologischen und militärischen Macht weiter zu verstärken,“ erklärte Kim den Delegierten. Doch immerhin übernimmt er damit im Gegensatz zu seinem Vater mehr Verantwortung für die ökonomische Entwicklung. Sein Vater hatte ohne die Verlautbarung dieser im kommunistischen Staaten üblichen Entwicklungspläne regiert.

Darüber hinaus feierte Kim Nordkoreas Aufstieg zur Atommacht, den die internationale Staatengemeinschaft dem Land untersagt. Doch Kims einziges Zugeständnis an die Uno, die sein Land seit dem vierten Atombombentest Anfang des Jahres mit verschärften Sanktionen noch stärker isoliert hatte, war rhetorisch und nur eine Wiederholung bisheriger Verlautbarungen.

Pjöngjangs Weg zur Wasserstoffbombe

2002

Oktober: Washington wirf Pjöngjang vor, insgeheim waffenfähiges Uran zu produzieren und damit gegen das atomare Abrüstungsabkommen von 1994 zu verstoßen.
Dezember: Nordkorea enthüllt seinen Reaktor Yongbyon, in dem Plutonium hergestellt wird, und wirft die Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA aus dem Land.

2003

Januar: Der kommunistische Staat kündigt den Atomwaffensperrvertrag auf.
August: Die sogenannte Sechsergruppe aus Nord- und Südkorea, den USA, China, Russland und Japan trifft sich zu ersten Verhandlungen über den Atomkonflikt.
Oktober: Die UNO verhängt Wirtschafts- und Handelssanktionen gegen Nordkorea.

2005

Februar: Pjöngjang verkündet, Atomwaffen zu Verteidigungszwecken gebaut zu haben.
September: Pjöngjang akzeptiert den Stopp seines Atomprogramms und die Rückkehr zum Atomwaffensperrvertrag, bekommt im Gegenzug Sicherheitsgarantien und die Zusage von Energielieferungen.
November: Eine weitere Verhandlungsrunde scheitert am Widerstand der USA, eingefrorene Konten Nordkoreas in Macau freizugeben.

2006

Oktober: Erster nordkoreanischer Atomwaffentest

2007

Februar: Pjöngjang verspricht ein Mal mehr die Aufgabe seines Atomwaffenprogramms und will wieder IAEA-Inspekteure ins Land lassen - im Gegenzug für eine Million Tonnen Treibstoff und die Streichung von der US-Liste der Terror-Staaten.
Juni und Juli: Die Treibstofflieferungen werden aufgenommen, die IAEA-Kontrolleure bescheinigen Pjöngjang, den Reaktorkomplex in Yongbyon dichtgemacht zu haben.
Oktober: Der kommunistische Staat verspricht, sein komplettes Atomprogramm bis Ende des Jahres zurückzufahren.

2009

April: Nordkorea testet eine Langstreckenrakete. Der UN-Sicherheitsrat verschärft daraufhin die Sanktionen. Pjöngjang verlässt die Sechsergruppe, verkündete die Wiederaufnahme seines Atomprogramms und beendet die Zusammenarbeit mit der IAEA.
Mai: Nordkorea verkündet einen zweiten „erfolgreichen“ unterirdischen Atomwaffentest.

2013

Januar: Nach einem weiteren Raketentest verschärft die UNO ein weiteres Mal die Sanktionen.

Februar: Dritter Atomwaffentest, diesmal mit einem Mini-Sprengsatz.

August: Einem Satellitenfoto zufolge hat Nordkorea nach sechs Jahren seine Atomanlage Yongbyon wieder hochgefahren, die wichtigste Quelle für waffenfähiges Plutonium.

2015

Mai: Pjöngjang verkündet die Fähigkeit, Mini-Atomwaffen zu produzieren, eine entscheidende Etappe auf dem Weg zu Atomsprengköpfen für Raketen.
Dezember: Machthaber Kim Jong Un lässt durchblicken, sein Land habe eine Wasserstoffbombe entwickelt.

2016

Januar: Pjöngjang verkündet einen ersten Test mit einer Wasserstoffbombe.

Als „verantwortungsbewusster Atomwaffenstaat“ werde sein Land Atomwaffen nicht einsetzen, solange die Souveränität des Staates nicht durch eine aggressive feindliche Macht mit Atomwaffen verletzt würde. Nordkorea werde „seine Obligation für eine Nichtverbreitung erfüllen und nach einer globalen atomaren Abrüstung streben“, sagte Kim.

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