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29.10.2012

10:24 Uhr

„Patriotischer Raub“

Kosovo kostet Serbien ein Milliardenvermögen

Serbien lässt sich die Unterstützung seiner Landsleute im Kosovo jährlich bis zu 300 Millionen Euro kosten. Die Gelder kommen nicht den wirklich Bedürftigen, sondern wenigen Privilegierten zugute.

Polizisten aus dem Kosovo konfiszieren eine serbische Nationalflagge. dpa

Polizisten aus dem Kosovo konfiszieren eine serbische Nationalflagge.

Belgrad„Patriotischer Raub“, heißt die mehrteilige Dokumentation des Belgrader TV-Senders B92, die in den vergangenen Wochen ausgestrahlt wurde. Es geht um den Verbleib von umgerechnet knapp drei Milliarden Euro, die Serbien in den vergangenen zwölf Jahren an seine Landsleute im Kosovo gezahlt hat. Von dem Geld sehen die schätzungsweise 200.000 serbischen Kosovo-Flüchtlinge praktisch nichts, wiesen die Journalisten nach. Den Schnitt machen nur wenige Privilegierte, die sich zu allem Überfluss auch noch von der verhassten Kosovo-Regierung in Pristina zusätzlich bezahlen lassen.

Der „patriotische Raub“ funktioniert einfach. Aus dem serbischen Haushalt werden alle Landsleute bezahlt, die auf dem Papier in staatlichen Betrieben, Schulen, Krankenhäusern, in der Justiz oder Kommunalverwaltungen arbeiten. Nur: Seitdem NATO-Bomben die serbischen Militärs und Paramilitärs 1999 aus dem Kosovo vertrieben hatten, gibt es fast nirgendwo mehr Serben. Geschweige denn Beschäftigte in serbischen Firmen und Verwaltungen. Doch die Zahlungen für die einstigen Angestellten, die das Kosovo längst verlassen haben und in Serbien leben, gingen trotzdem weiter.

So bezahlt die Regierung Monat für Monat zum Beispiel 359 Mitarbeiter im Krankenhaus der Kosovo-Stadt Prizren, obwohl in der gesamten Gemeinde praktisch kein Serbe mehr lebt. In der Hauptstadt Pristina stehen im Krankenhaus und in der örtlichen Apotheke sage und schreibe 647 Personen auf der staatlichen Gehaltsliste. Doch auch hier gibt es längst keine Serben mehr. Mehr noch: Die Regierung in Belgrad zahlte ihren Landsleuten Straßen und Gebäude, die nie gebaut wurden.

Im Nordkosovo, wo rund 40.000 Serben die örtliche Mehrheit bilden, treiben es 1300 Personen noch toller, fanden die Journalisten von B92 heraus. Die Beschäftigten in den vier serbischen Gemeinden, im örtlichen Kreisgericht, im Krankenhaus und in einigen Schulen erhalten nicht nur Monatsbezüge aus Belgrad, die von der Regierung mit Hinweis auf die armen Landsleute sogar großzügig verdoppelt werden. Darüber hinaus kommt ein drittes Gehalt von der albanisch kontrollierten Regierung in Pristina, die seit vielen Jahren von Serbien bekämpft und boykottiert wird.

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