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25.01.2010

14:47 Uhr

Paul Volcker

Der die Wall-Street-Banker das Fürchten lehrt

VonAstrid Dörner

Paul Volcker ist mit der Idee zur Neugestaltung der Finanzmärkte zu Obama durchgedrungen. Der erfahrenste Wirtschaftsberater des US-Präsidenten wird damit zum Schrecken großer Banken.

Paul Volcker: Lange Zeit blieben seine Ideen im Weißen Haus ungehört. Quelle: ap

Paul Volcker: Lange Zeit blieben seine Ideen im Weißen Haus ungehört.

NEW YORK. Nach langer, zäher Arbeit ist Paul Volcker seinem Ziel ein großes Stück näher gekommen: Leicht nach vorn gebeugt steht der Zwei-Meter-Mann zur Rechten des US-Präsidenten Barack Obama und strahlt. Obama fordert endlich das, wofür Volcker schon so lange kämpft: eine Trennung des klassischen Bankgeschäfts vom Investmentzweig in den Großbanken.

Seit Monaten wirbt der erfahrenste Wirtschaftsberater des Präsidenten für sein Konzept, das in Washington und an der Wall Street schlicht „Volcker-Rule“ genannt wird. „Eine Bank, die einen Großteil ihrer Einnahmen aus dem Handel erzielt, sollte gar keine Banklizenz bekommen“, fordert er. Die Regierung solle das Sicherheitsnetz nur für Geschäftsbanken aufrechterhalten und die Kapitalmärkte sich selbst überlassen.

Lange Zeit blieben seine Ideen im Weißen Haus ungehört. Volcker werde in Sachen Finanzreform isoliert, hieß es in Washington hinter vorgehaltener Hand. Finanzminister Tim Geithner schien sich mit seiner Version einer deutlich milderen Reform durchgesetzt zu haben. Doch das hielt Volcker nicht davon ab, mit seinem Konzept auf Tour zu gehen. In London und in Deutschland warb er dafür und warnte, dies sei nicht die Zeit, zum Tagesgeschäft zurückzukehren.

Die für die Demokraten verlorene Senatswahl in Massachusetts macht Volcker dann doch noch zum Gewinner. Die Regierung favorisiert plötzlich das radikalere Reformkonzept. Volcker feiert seinen großen Durchbruch und verbannt Finanzminister Geithner ins Abseits. „Man hat den Eindruck, Volcker sei unser neuer Finanzminister“, ätzt Moderator Jim Kramer auf dem Börsensender CNBC. Die Volcker-Rule hat binnen weniger Stunden sowohl Washington als auch die Finanzwelt gespalten.

Mit seinen 82 Jahren kämpft Volcker immer noch unermüdlich für seine Überzeugungen. 2008 unterstützt er Obama im Präsidentschaftswahlkampf. Heute leitet er ein 16-köpfiges Gremium zur Reform der Finanzmärkte und hat sich zudem mit einem Konzept zur Steuerreform befasst.

Der Mann mit der tiefen, rauchigen Stimme ist ein Freund klarer Worte und prägnanter Aussagen. Erst kürzlich sorgte er mit dem Satz für Aufsehen: „Die größte Innovation der Finanzindustrie in den letzten 20 Jahren war der Geldautomat.“ Er verurteilt wie Obama die Exzesse an der Wall Street, prangert jedoch auch die Missstände in Washington an. Der politische Prozess in den USA sei genau so kaputt wie das Finanzsystem. Volcker hat Obama im Wahlkampf unterstützt, weil er ihn für den Mann hielt, der Dinge verändern könnte. „Aber ist ihm das schon gelungen? Es sieht nicht so aus“, kritisiert Volcker Ende Dezember in einem Interview mit dem angesehenen Talkmaster Charlie Rose.

Dass Volcker radikale Schritte nicht scheut, hat er bereits in seiner Zeit als Chef der Federal Reserve bewiesen. Von 1979 bis 1987 ist er der oberste Notenbanker des Landes. Kurz nach seinem Amtsantritt hebt er die Leitzinsen stark an, um die Inflation zu bekämpfen. Dafür nimmt er eine Rezession Anfang der 1980er-Jahre in Kauf. Es gelingt ihm, die Preissteigerung einzudämmen und für weniger Volatilität in den Märkten zu sorgen.

Der verwitwete Vater einer Tochter und eines Sohnes wird in Kürze wieder heiraten. Zu Thanksgiving Ende November hielt er um die Hand seiner Assistentin Anke Dening an. Dening, die Verwandte in Deutschland hat, werde auch weiterhin seine Assistentin bleiben, hieß es. Denn Volcker wird auch in Zukunft viel zu tun haben. Sein Reformkonzept kann erst umgesetzt werden, wenn es die nötigen Mehrheiten im Kongress bekommt. Und das ist noch längst nicht garantiert.

Doch Volcker gibt sich optimistisch. „Glauben Sie, die Politiker im Kongress werden Ihre Ansichten teilen?“ fragt Charlie Rose. „Am Ende schon“, meint Volcker. „Man muss sie nur noch ein bisschen mehr überzeugen.“

Vita

1927
wird er in der Kleinstadt Cape May in den USA geboren.

1949
beendet er seinen Bachelor in Princeton und 1951 das Masterstudium „political economy and government“ in Harvard.

1974
beginnt er ein Jahr ander Princeton University zu lehren.

1975
wird er Präsident der New Yorker Federal Reserve Bank.

1979
wird er Zentralbankchef in den USA. Er leitet die Fed bis 1987.

2008
ernennt Barack Obama ihn zum Vorsitzenden des „President’s Economic Recovery Advisory Board“.

Kommentare (1)

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Manfred Harry

27.01.2010, 12:18 Uhr

Es ist nur hoffen, dass sich seine fundamental richtigen Vorschläge hinsichtlich des bank-Managements auch global auswirken.

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