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09.04.2015

07:53 Uhr

Peking und das Wachstum

EU-Unternehmen kritisieren Chinas Hauptstadt

Peking wächst und wächst. Chinas Hauptstadt soll mit den umliegenden Regionen zu einer Metropole mit mehr als 100 Millionen Menschen verschmolzen werden. EU-Firmen mahnen, dass Probleme wie Smog gelöst werden müssen.

Stau auf einer sechsspurigen Hauptverkehrsstraße in Peking: Chinas Hauptstadt soll immer weiter wachsen. dpa

Peking

Stau auf einer sechsspurigen Hauptverkehrsstraße in Peking: Chinas Hauptstadt soll immer weiter wachsen.

PekingChinas Hauptstadt Peking soll zu einer riesigen Metropolregion mit mehr als 100 Millionen Menschen anwachsen. „Das Wachstum muss nachhaltig sein“, forderte Mats Harborn, Vizepräsident der EU-Handelskammer, am Donnerstag in Peking. Er sieht bei der Integration der chinesischen Hauptstadt mit der Hafenstadt Tianjian und der angrenzenden Provinz Hebei in den kommenden Jahren gute Chancen für die dort aktiven europäischen Unternehmen. Allerdings müsse Peking dringend seine Probleme angehen, damit das Mega-Projekt erfolgreich sein kann.

China plant in gewaltigen Dimensionen. Peking soll mit Tianjin und Hebei zu einer Metropolregion auf etwa 216.000 Quadratmetern verschmolzen werden. Die Fläche entspricht in etwa der Größe Rumäniens. Das Gebiet käme mit einer jährlichen Wirtschaftsleistung von umgerechnet 820 Milliarden Euro in etwa auf die wirtschaftliche Stärke der Türkei oder Indonesiens.

Die größten Herausforderungen in China

Hintergrund

Die deutsche Auslandshandelskammer in China hat im Jahr 2014 rund 400 deutsche Unternehmen befragt, welche Herausforderungen sie in China sehen. Bei der Umfrage waren Mehrfachnennungen möglich.

Platz 10

49,1 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass Bürokratie eine Hürde in China sei.

Platz 9

Für 50,2 Prozent stellte die bevorzugte Behandlung lokaler Unternehmen ein Problem dar.

Platz 8

Protektionismus empfinden 54,5 Prozent der deutschen Unternehmen in China als Hindernis.

Platz 7

Ein großes Thema ist auch Korruption. 56,1 Prozent der in China tätigen deutschen Unternehmen halten dies für eine Herausforderung.

Platz 6

57,7 Prozent der Unternehmen haben das Gefühl, dass der Schutz des geistigen Eigentums in China schwierig ist.

Platz 5

Auch mit der Kommunikation gibt es Probleme. 58,7 Prozent halten das langsame Internet für eine Herausforderung im Reich der Mitte.

Platz 4

Auch steigende Rohstoff- und Energiekosten werden von 59,1 Prozent der Befragten als Herausforderung benannt.

Platz 3

Schwierig scheint für viele Unternehmen auch das Halten qualifizierter Mitarbeiter zu sein. Das gaben jedenfalls 67,2 Prozent der Unternehmen in der Umfrage an.

Platz 2

Auch das Finden qualifizierter Mitarbeiter stellt eine Herausforderung für 74,1 Prozent der Firmen dar.

Platz 1

Als größte Herausforderung benennen die deutschen Unternehmen, die in China tätig sind, allerdings die steigenden Lohnkosten. Diese sind für drei von vier Firmen (75,2 Prozent) ein Problem.

Quelle

German Chamber of Commerce in China, Daten von 2014

Aber das Mega-Projekt kann nur mit dringend nötigen Reformen zum Erfolg werden, betont Harborn. „Die Region hat die Chance, zu einem Motor für eine nachhaltige Entwicklung zu werden“, sagte der Manager. Es müsse unbedingt mehr gegen die starke Luftverschmutzung getan werden.

Denn der Smog in Peking sei nicht nur ein Gesundheitsrisiko für die Bewohner, sondern schrecke auch internationale Fachkräfte ab. 39 Prozent der 470 europäischen Mitgliedsunternehmen der Handelskammer in Peking bezeichneten in einer Umfrage Smog als ein Problem, um Fachkräfte in Chinas Hauptstadt zu halten. Gleichzeitig drohe das Megaprojekt die ohnehin knappe Wasserversorgung in Peking weiter zu gefährden.

China müsse seine Visa-Regeln vereinfachen, damit Peking zu einem attraktiveren Standort für internationale Unternehmen werden könne. „Es gibt große Probleme, alte Fachkräfte nach China zu bekommen oder Berufseinsteigern Visa zu besorgen“, klagte Harborn. Mitarbeiter, die älter als 60 Jahre sind, bekämen in China nur schwer eine Arbeitserlaubnis. Gleichzeitig verlangten die Behörden von ausländischen Berufseinsteigern mindestens zwei Jahre Berufserfahrung, um ein Arbeitsvisum auszustellen. „Das ist sehr hinderlich. Wir brauchen eine gute Mischung von unterschiedlichen Mitarbeitern, damit wir ein kreatives Umfeld schaffen können“, sagte Harborn.

Insgesamt vertritt die Kammer in ganz China die Interessen von mehr als 1800 europäischen Firmen. Die Wirtschaftsvereinigung legte erstmals ein Positionspapier ausschließlich für Peking vor. Im Januar hatte die Kammer bereits ein Dokument über Shanghai veröffentlicht.

Von

dpa

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