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31.01.2012

14:28 Uhr

Pekings Deutschlandexperte

„Europa sollte mehr chinesischen Einfluss zulassen“

Der chinesische Deutschlandexperte, Professor Mei Zhaorong, erklärt im Handelsblatt-Interview, warum Investitionen in Europa für chinesische Unternehmen ein Abenteuer sind, sich aber trotzdem lohnen können.

Eine Ein-Euro Münze steckt zwischen zwischen Essstäbchen, die mit chinesischen Zeichen bedruckt sind. dpa

Eine Ein-Euro Münze steckt zwischen zwischen Essstäbchen, die mit chinesischen Zeichen bedruckt sind.

Kein anderer chinesischer Diplomat kennt Deutschland länger und besser als Professor Mei Zhaorong. Mei, 77, gehörte zu den ersten Studenten, die Mao Anfang der 50er Jahre zum Studieren nach Leipzig schickte. Später  diente er unter Mao und Zhou Enlai als Topdiplomat in der DDR. Als die Mauer fiel war Mei Botschafter in Bonn später in Berlin.  Dazwischen war er der Chef der Westeuropaabteilung des Außenministeriums. Inzwischen ist er Direktor des Instituts für Weltentwicklung unter dem chinesischen Staatsrat, ein wichtiger Regierungsberater. Mei pflegt bis heute engen Kontakt zu deutschen Spitzenpolitikern und ist regelmäßig in Deutschland.

Handelsblatt: Warum zögern die Chinesen derzeit in Europa zu investieren?

Mei: Die chinesischen Unternehmen sind sehr interessiert, in Europa zu investieren. Aber es gibt Stimmen in Europa, die die Angst vor einem Ausverkauf Europas schüren. Oder sie unterstellen, China investiere nur, um mehr politischen Einfluss zu bekommen und seine Wertvorstellungen zu installieren. Das ist nicht fair. Und deshalb zögern die chinesischen Unternehmen. Wir haben vor 30 Jahren die europäischen Investoren mit offenen Armen empfangen und dabei auch einen größeren Einfluss des Westens in Kauf genommen. Europäer sollten nun das Gleiche zulassen. Ich bin der Meinung, dass gegenseitige Investitionen in beiderseitigem Interesse liegen.

Martin Gronemeyer

Hat nicht vor allem die Schuldenkrise dazu geführt, dass chinesische Investoren vor allem in den letzten Monaten vorsichtiger geworden sind?

Natürlich sind chinesische Investoren auch vorsichtig, wenn nicht einmal die europäischen Politiker wissen, wie es weitergeht. Das gilt vor allem für staatliche Investoren. China hat jetzt das nötige Geld, um im Ausland zu investieren. Aber sie kann sich nicht auf Abenteuer einlassen. Die chinesische Bevölkerung würde es der Regierung sehr übel nehmen, wenn sie Geld nach Europa überweisen würde, von dem nicht klar ist, ob sie es je mit Gewinn zurückbekommt. Und vergessen Sie nicht: Wir haben keine Erfahrung auf dem diesem Gebiet und bewegen uns deshalb tastend vorwärts. Also: Wir haben keine bösen Absichten, aber wir haben auch nichts zu verschenken und müssen das Investieren im Ausland erst noch lernen.

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Aber finden sie es nicht verständlich, dass die Europäer Angst vor dem riesigen Land China haben? Schon heute ist es die Fabrik der Welt und der wichtigste Wachstumsmarkt. Und jetzt kauft sich China auch noch in Europa ein? So wie der Baumaschinenhersteller Sany den Betonpumpenhersteller Putzmeister übernommen hat.

Diese Angst ist irrational. Selbst der ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder hat neulich in einem chinesischen Fernsehinterview gesagt, die Angst sei unbegründet.

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