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09.11.2012

07:38 Uhr

Peng Liyuan

China verbannt Präsidentengattin an den Herd

VonFinn Mayer-Kuckuk

Die Sängerin Peng Liyuan ist schön, erfolgreich und berühmt. Doch nun musste sie sich aus dem Showgeschäft zurückziehen - denn ihr Mann wird Chinas neuer Staatschef.

Peng Liyuan. dpa

Peng Liyuan.

PekingÜberstrahlt von der eigenen Ehefrau: Xi Jinping war dem Volk jahrelang nur als „der Mann von Peng Liyuan“ bekannt. Ab Donnerstag baut ihn nun eine Parteitag der regierenden Kommunisten als künftigen Staatschef auf – und Xi jetzt erst fängt er an, seine Frau an Berühmtheit zu übertreffen.

Doch während sein Stern steigt, droht Peng zumindest künstlerisch zu verkümmern. Eine Volksmusik-Sängerin als Frau eines Präsidenten, zudem noch bekannter und populärer als er selbst? In China undenkbar. Peng muss leise treten.

Viele Chinesen finden das schade, denn China bekommt zum ersten Mal eine Präsidentengattin mit Profil. Der derzeitige Premier Wen Jiabao versteckt seine Frau sogar komplett, weil sie im Edelsteingeschäft steinreich geworden ist. Das passt nicht zum Bild eines gutes Kommunisten.

Die Verbannung der bekannten Sängerin an den Herd wirkt um so tragischer, als Xi und Peng (in China behält die Frau ihren Nachnamen) eine sehr partnerschaftliche Ehe führen. Die beiden haben 1987 geheiratet. Lange Jahre führen die beiden jedoch eine Fernbeziehung, denn sie ist viel für Auftritte unterwegs, während er Einsätze als Funktionär in verschiedenen Provinzen absolvierte.

Eines eint die beiden: Sie sind stramme Kommunisten. Mit 18 ist sie Armee eingetreten. Seitdem arbeitet sie hauptberuflich als Soldatin im Unterhaltungscorps des Militärs. Im Fernsehen trällert sie bevorzugt schmissige Propagandalieder.

Die Akteure des Politkrimis in China

Bo Xilai

Der charismatische Spitzenpolitiker galt als aufsteigender Star in der neuen Führung. Als Sohn des legendären Revolutionärs Bo Yibo – einer der „acht Unsterblichen“ der Partei – hatte der heute 63-Jährige eine steile Karriere gemacht. Er stieg vom Bürgermeister der Hafenstadt Dalian über den Posten des Gouverneurs zum Handelsminister auf. Seit 2007 war Bo Xilai Parteichef der Metropole Chongqing. Seine soziale Politik und revolutionären Kampagnen machten ihn zur Galionsfigur der Linken. Der Skandal brachte das einflussreiche Politbüromitglied im März zu Fall.

Gu Kailai

Die Ehefrau von Bo Xilai war eine erfolgreiche Anwältin und Geschäftsfrau. Die heute 53-Jährige ist Tochter von General Gu Jingsheng, einem berühmten Revolutionär. Nach dem Jurastudium machte sich Gu Kailai einen Namen als erste Anwältin, die eine Klage gegen eine amerikanische Firma gewann. Mit Bo Xilai hat sie den Sohn Bo Guagua. Sie soll sich in der Familie um geschäftliche Dinge gekümmert und angeblich ein Vermögen ins Ausland geschafft haben.

Neil Heywood

Der britische Geschäftsmann war seit den 90er Jahren eng befreundet mit dem Politikerpaar. Er war mit einer Chinesin verheiratet und hatte zwei Kinder. Als Unternehmensberater half der Brite der Familie von Bo Xilai bei privaten Geschäften. Im November wurde der 41-Jährige tot in einem Hotelzimmer gefunden. Erst soll exzessiver Alkoholkonsum die Todesursache gewesen sein. Doch nach den Enthüllungen von Polizeichef Wang Lijun wurde Gu Kailai des Giftmordes angeklagt. Das Motiv war wohl ein geschäftlicher Streit. Im August erhielt Gu Kailai ein Todesurteil auf Bewährung.

Wang Lijun

Der frühere Polizeichef war seit den 90er Jahren ein enger Vertrauter von Bo Xilai, als dieser noch Gouverneur von Liaoning war. Wang Lijun folgte dem Spitzenpolitiker in die Metropole Chongqing. Die Propaganda pries beide als gnadenlose Kämpfer gegen das organisierte Verbrechen. Wang Lijun bekam den Spitznamen „Super-Bulle“. Allerdings sahen Kritiker in dem teils rechtswidrigen Vorgehen eher eine Kampagne, um alte Machtstrukturen in Chongqing auszumerzen und selbst die Kontrolle zu übernehmen. Ende 2011 scheinen sich die Freunde überworfen zu haben.


In den vergangenen beiden Jahren durfte Peng schon nicht mehr in der Neujahrsgala des Staatssenders CCTV auftreten, vermutlich der regelmäßigen Sendung mit den weltweit höchsten Eineschaltquoten. Das markierte den Beginn einer Verschiebung ihrer Pflichten: Von der Kulturschaffenden im Dienst der Partei zu ihrer Rolle als strahlend schöner Präsidentengattin.

„Mein Mann ist der Größte!“, mit solchen Äußerungen zitieren die Staatsmedien sie zuletzt. „Unsere Familie ist wie jede andere“, versucht sie dem einfachen Volk ein Gefühl von Nähe zu vermitteln. Statt der extravaganten Outfits und imposanter Haartürme trägt sie zuletzt einfache Kleider und eine konservative Frisur.

Peng, die in zwei Wochen 50 wird, findet sich jedoch auch in ihrer neuen Rolle offenbar gut zurecht. Das Rampenlicht muss sie hier nicht unbedingt missen. Wie die Gattinnen der Staatsoberhäupter anderer Länder engagiert sie sich für soziale Projekte, zuletzt vor allem die Opfer von HIV und Tuberkulose.

Trotzdem muss Peng aufpassen, wie sie in der Öffentlichkeit ankommt. Denn China ist immer noch traumatisiert von Jiang Qing, der vierten Frau des 1976 verstorbenen Diktators Mao Zedong. Die erfolgreiche Schauspielerin Jiang war deutlich jünger als der damals schon greise Machthaber und hat ihre Stellung ausgenutzt, um möglichst viel Macht an sich zu reißen.

Deshalb ist eines jetzt schon klar: Im öffentlichen Bild des Präsidentenpaares wird immer Xi die Führungsrolle haben und Peng wird sich unterordnen müssen. Denn die Jahre unter der Fuchtel Jiang Qings waren eine der schlimmsten Phasen der neueren chinesischen Geschichte.

Führungswechsel in China

Video: Führungswechsel in China

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