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25.07.2013

12:13 Uhr

Pensionsfonds

Spanien plündert sein Sparschwein

VonAnne Grüttner

Um Löcher in der Rentenkasse zu stopfen, greift die spanische Regierung auf das Vermögen ihres Pensionsfonds zurück. Das könnte Folgen haben. Denn der Fonds ist ein wichtiger Käufer spanischer Staatsanleihen.

Spanien schlachtet sein Sparschwein – und greift auf das Vermögen seines Pensionsfonds zurück. dpa

Spanien schlachtet sein Sparschwein – und greift auf das Vermögen seines Pensionsfonds zurück.

MadridDie hohe Arbeitslosigkeit kommt Spanien in vieler Hinsicht teuer zu stehen. Nicht nur muss der Staat den Arbeitslosen Hilfen zahlen. Auch das umlagefinanzierte Rentensystem leidet darunter, dass die Beitragszahler für die heutigen Rentner wegbrechen: Schon zum zweiten Mal in diesem Monat musste die Regierung den „Reservefonds der Sozialversicherung“ anbrechen, um den finanziellen Verpflichtungen gegenüber den Pensionären nachkommen zu können. Schon am 1. Juli waren 3,5 Milliarden Euro aus dem Reservefonds entnommen worden, jetzt eine weitere Milliarde.

Das „Sparschwein des Pensionssystems“, wie der Fonds in Spanien genannt wird, wurde im Jahr 2000 eigens dafür geschaffen, um das Rentensystem robuster gegen Konjunkturzyklen zu machen. Seit damals zahlte der Staat die Überschüsse aus den Sozialbeiträgen in den Fonds ein, um in schlechten Zeiten wie diesen davon zu zehren. Während des Wirtschaftsbooms schwoll das Sparschwein von anfänglich 600 Millionen Euro auf 66 Milliarden Euro im vergangenen Jahr an. 2011 rutschte das Sozialversicherungssystem erstmals ins Minus. Allerdings dürfen erst dann Mittel aus dem Sparschwein entnommen werden, wenn die Sozialversicherung drei Halbjahre hintereinander im Defizit ist. So hat die Regierung erst 2012 erstmals Mittel aus dem Reservefonds entnommen. Derzeit beläuft sich das Vermögen des Fonds noch auf knapp 60 Milliarden Euro, er ist damit einer der größten Pensionsfonds Europas.

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Die Fondsmanager dürfen nur in Euro-Staatsanleihen mit guter Bonität (Investment-Grade) investieren, zu mindestens 55 Prozent müssen es spanische Bonds sein. Zuletzt waren sogar mehr als 97 Prozent in spanische Schuldtitel investiert. So war der Fondo de Reserva de la Seguridad Social zunächst ein Krisengewinnler, weil er von den exorbitanten Zinsaufschlägen profitierte, die Spanien für seine Anleihen auf dem Höhepunkt der Eurokrise zahlen musste.

Derzeit zahlt das spanische Schatzamt immerhin noch knapp fünf Prozent Zinsen für eine zehnjährige Anleihe. Doch die Zeiten, in denen der Reservefonds als wichtiger Anleihekäufer auftritt und von den hohen Renditen profitiert, scheinen ohnehin fürs erste vorbei. Die Arbeitslosigkeit von derzeit 27 Prozent wird mehrere Jahre brauchen, bis sie wieder auf ein erträgliches Niveau geschrumpft ist, verkünden die Konjunkturforscher unisono. Zudem sind viele ausländische Arbeitskräfte, die während des Booms nach Spanien kamen, mittlerweile abgewandert, und auch viele junge Spanier haben im Ausland einen Job gefunden.

Die spanische Regierung bereitet gerade eine Rentenreform vor, die das System durch einen Nachhaltigkeitsfaktor stützen soll. Der Nachhaltigkeitsfaktor soll eine automatische Anpassung der Renten und des Rentenalters an die demografische Entwicklung des Landes erlauben.

Kommentare (32)

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Account gelöscht!

25.07.2013, 12:27 Uhr

Was ist eigentlich aus der EZB-Bankenhilfe für Spanien geworden? Zahlen die das Geld auch mal zurück oder läuft das unter dumm gelaufen und schnell vergessen?

muunoy

25.07.2013, 12:57 Uhr

Zitat: "Die Fondsmanager dürfen nur in Euro-Staatsanleihen mit guter Bonität (Investment-Grade) investieren, zu mindestens 55 Prozent müssen es spanische Bonds sein. Zuletzt waren sogar mehr als 97 Prozent in spanische Schuldtitel investiert."
Ist das nicht irgendwie ein Widerspruch?

Republikaner

25.07.2013, 12:59 Uhr

@schaarschmidt: bisher hat der ESM bezahlt, soweit ich weiß. Wir erinnern uns: 27% zahlt Deutschland, ob die anderen Pleitiers bisher einbezahlt haben ist unbekannt. Aber auch das wird unter "dumm gelaufen" abzuhaken sein. Den Blockparteien sei Dank. Das blöde Wahlvolk muß nicht alles wissen und vor der Wahl schon gar nicht!

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