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15.01.2006

16:04 Uhr

Persischer Golf

Emir von Kuwait gestorben

Nach fast dreißigjähriger Herrschaft über Kuwait ist der Emir des ölreichen Golfemirats im Alter von 77 Jahren gestorben. Sein Nachfolger wurde noch am Sonntag ernannt; an der Beisetzung des Emirs nahm er im Rollstuhl sitzend teil. An der Ölpolitik des Opec-Mitgliedsstaates dürfe sich durch den anstehenden Machtwechsel nichts ändern.

Der verstorbene Emir. Archivfoto: dpa dpa

Der verstorbene Emir. Archivfoto: dpa

HB KUWAIT-CITY. Scheich Dschaber al Ahmed al Sabah starb nach offiziellen Angaben am Sonntag nach fünfjähriger schwerer Krankheit. Die Regierung rief eine 40-tägige Staatstrauer aus und kündigte die Schließung aller Behörden für drei Tage an. Sein Nachfolger ist der bisherige Kronprinz Scheich Saad al Abdullah al Sabah, den der kuwaitische Herrscher schon 1978 als Thronerben eingesetzt hatte. Das Kabinett ernannte ihn noch am Sonntag zum neuen Emir.

Scheich Dschaber, der seit einem Blutsturz 2001 krank war, wurde am selben Tag auf dem Sulaibichat-Friedhof beigesetzt. An der Beerdigung nahmen tausende Kuwaiter sowie Würdenträger aus mehreren arabischen Staaten teil, darunter der jordanische König Abdullah. Der ägyptische Präsident Husni Mubarak würdigte den verstorbenen Emir als „Bruder und lieben Freund“. Bundeskanzlerin Angela Merkel drückte Ministerpräsident Scheich Sabah al Ahmed al Dschaber al Sabah in einem Beileidstelegramm ihr Mitgefühl aus.

Da der bisherige Kronprinz, ein entfernter Cousin des Emirs, Mitte 70 ist und an Darmproblemen leidet, war in Kuwait spekuliert worden, dass er auf das Amt verzichten könnte. Ministerpräsident Scheich Sabah dementierte dies aber im November. An der Beisetzung von Scheich Dschaber nahm der neue Emir im Rollstuhl teil. Nach Ansicht von Beobachtern könnte die Herrscherfamilie nach dem Ende der Staatstrauer eine langfristige Nachfolgeregelung bekannt geben. Die Familie Sabah regiert das ölreiche Kuwait seit mehr als 250 Jahren.

Scheich Dschaber hatte den Vereinigten Staaten erlaubt, von seinem Land aus den Angriff auf Irak zum Sturz von Saddam Hussein vorzubereiten. 1990 war er vor der Invasion irakischer Truppen entkommen. Aber auch schon vor dem Golfkrieg 1991 zur Befreiung Kuwaits galt er als enger Freund der USA. US-Botschafter Richard LeBaron würdigte den Emir als „großen Führer in kritischen, historischen Zeiten“.

Für viele Kuwaiter war der 1926 geborene Scheich Dschaber eine Vaterfigur. Er wurde 1965 zum Kronprinzen und Ministerpräsidenten ernannt und trat 1977 die Nachfolge seines verstorbenen Onkels Scheich Sabah Al Salem Al Sabah an. 1985 überlebte der Emir einen Mordanschlag eines schiitischen Extremisten. Seit seinem Blutsturz hatte er Schwierigkeiten zu sprechen und unterzog sich mehrfach ärztlichen Behandlungen im Ausland.

Seit 1999 machte sich Scheich Dschaber für das Wahlrecht von Frauen stark. Eine konservative Mehrheit im Parlament blockierte ein entsprechendes Gesetz jedoch sechs Jahre lang, so dass dies erst im Mai vergangenen Jahres in Kraft treten konnte.

Die Ölwirtschaft des Landes geht davon aus, dass der Nachfolger von Scheich Dschabir el Ahmed el Dschabir el Sabah die die bisherige Ölpolitik fortsetzen wird. „Kuwaits Politik wird sich nicht ändern. Es wird weiter mit der Opec im Interesse der Produzenten und Verbraucher zusammenarbeiten“, sagte ein Vertreter der Ölindustrie am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. Produktion und Exporte würden normal weiter laufen.

Kuwait ist der viertgrößte Produzent in der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). Derzeit fördert der kleine Golfstaat täglich rund 2,68 Millionen Barrel (1 Barrel = rund 159 Liter). Das Land kontrolliert rund zehn Prozent der weltweiten Ölvorkommen. Auch ein anderer kuwaitischer Vertreter der Branche äußerte sich ähnlich. Es handele sich um eine allgemeine Regierungspolitik, bei der es keinen Wechsel geben werde. 

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