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02.06.2017

18:30 Uhr

Petersburger Wirtschaftsforum

Putin nimmt Trumps Klima-Ansage locker

VonAndré Ballin

Trumps Klima-Entscheidung spielt Russlands Präsident Putin in die Hände. Ausnahmsweise ist nicht der Kreml der Außenseiter auf der großen Bühne der Weltpolitik. Trotzdem verzichtet Putin darauf, die USA anzuprangern.

Pariser Klimaabkommen

So reagieren Elon Musk, Bernie Sanders und Co. auf den Austritt

Pariser Klimaabkommen: So reagieren Elon Musk, Bernie Sanders und Co. auf den Austritt

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St. PetersburgDer Sturm, den Donald Trumps Ausstieg aus dem Klimavertrag ausgelöst hat, schlägt Wellen bis nach St. Petersburg: Außenpolitik sei eine „der zynischsten Angelegenheiten“, sagte der Chef der russischen Staatsholding für Nanotechnologie Anatoli Tschubais auf dem Internationalen Wirtschaftsforum. „Der US-Präsident hat erklärt, dass ihm die Interessen der nächsten Generation egal sind“, klagte er. Für Moskau habe dies den Vorteil, dass nun ausnahmsweise einmal Russland auf der Seite der Mehrheit stehe, während sich die USA isolierten, ließ der ehemalige Chefprivatisierer Russlands seinen eigenen reichen Erfahrungsschatz mit Zynismus durchblicken.

Tatsächlich will sich die russische Regierung an ihre Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen halten. Präsident Wladimir Putin allerdings lässt vorerst offen, auf welche Seite er sich in dem Streit schlägt. Das Pariser Abkommen sei ein richtiges Dokument im Kampf gegen die Klimaerwärmung, „aber ich würde Trump nicht verdammen“, weil er den Austritt der USA erklärt habe, sagte Putin in der Plenar-Diskussion des Internationalen Wirtschaftsforums in St.Petersburg.

Trump und der Klimawandel

Legendäre Worte Trumps

Geht es um den Klimawandel, hat US-Präsident Donald Trump seine ganz eigene Sicht der Dinge. Einige Zitate:

Quelle: dpa

Erfindung der Chinesen

„Das Konzept der Erderwärmung wurde von und für Chinesen geschaffen, um die amerikanische Produktion wettbewerbsunfähig zu machen.“ (auf Twitter, 6. November 2012)

Alter Quatsch über Klimawandel

„Gebt mir saubere, schöne und gesunde Luft – nicht immer diesen alten Quatsch über Klimawandel (Erderwärmung). Ich kann diesen Unsinn nicht mehr hören.“ (auf Twitter, 28. Januar 2014)

Klimawandel als Waffe? Lächerlich

„Könnt Ihr Euch das vorstellen – Außenminister John Kerry hat gerade behauptet, die gefährlichste Waffe heutzutage sei der Klimawandel. Lächerlich.“ (auf Twitter, 14. Februar 2014)

Wo ist die Klimaerwärmung?

Es ist Ende Juli und und echt kalt draußen in New York. Wo zum Teufel ist die Erderwärmung? Wir brauchen dringend was davon. Jetzt heißt das Klimawandel.“ (auf Twitter, 28. Juli 2014)

So viele Eisbären wie noch nie

„Die Polkappen sind so hoch wie nie, die Eisbären-Population war nie stärker. Wo zum Teufel ist die Erderwärmung?“ (auf Twitter, 29. Oktober 2014)

Nukleare Bedrohung ist am größten

„Die größte Bedrohung der Welt ist die nukleare, nicht, wie Du und Dein Präsident es sehen, der Klimawandel.“ (im ersten TV-Duell zur Präsidentenwahl zu seiner demokratischen Kontrahentin Hillary Clinton, 28. September 2016)

Klimawandel nie bestritten?

„Stimmt nicht.“ (Reaktion auf Clintons Vorwurf, er habe den Klimawandel bestritten, 28. September 2016)

Trump, der Umweltschützer

„Ich habe einige großartige, großartige, sehr erfolgreiche Golfplätze. Ich habe viele Umweltpreise dafür bekommen. Ich habe da enorm viel Arbeit reingesteckt. Manchmal würde ich sagen, dass ich eigentlich ein Umweltschützer bin.“ (Interview der „New York Times“, 23. November 2016)

Menschlicher Einfluss auf den Klimawandel

„Ich denke, es gibt da einen Zusammenhang. Es kommt darauf an, wie groß er ist. Es kommt auch darauf an, wie viel das unsere Unternehmen kosten wird. Unsere Unternehmen sind im Moment nicht wettbewerbsfähig.“ (zum menschlichen Einfluss auf den Klimawandel, Interview der „New York Times“, 23. November 2016)

Stopp der Vorschriften

„Wir werden die Vorschriften stoppen, welche die Zukunft und die Existenz unserer großartigen Kohle-Bergmänner bedroht.“ (Rede vor dem US-Kongress, 28. Februar 2017)

Klimavertrag kostet zu viel Geld

„Dazu (zu den schlechten Abkommen) zählt auch der einseitige Pariser Klimavertrag. Die USA zahlen Milliarden an Dollar, während China, Russland und Indien weder etwas zahlten noch etwas zahlen werden. (...) Es wird geschätzt, dass die völlige Einhaltung der Vereinbarung das amerikanische Bruttoinlandsprodukt letztlich um 2,5 Billionen über einen Zeitraum von zehn Jahren schrumpfen lassen könnte. Das heißt, dass Fabriken und Betriebe im ganzen Land schließen. (...) Nicht mit mir, Leute.“ (Kundgebung in Harrisburg, 29. April 2017)

Der russische Präsident kritisierte den „Lärm“, der um Trumps Entscheidung gemacht wurde. Man solle stattdessen besser an einer „konstruktiven Lösung“ arbeiten, schlug er vor und zeigte sich optimistisch, dass diese auch gefunden werde. „Don’t worry, be happy“, schloss er unter dem Beifall des Auditoriums.

Das Wirtschaftsforum ist für Putin ein Heimspiel. Die Themensetzung des Forums unterscheidet sich mit Debatten über Digitalisierung und Weiterbildung, neuen Energien und Klimaschutz, kaum von westlichen Pendants. Vor allem aber dient es stets als Bühne für Putins großen Auftritt – die er sich in diesem Jahr mit den Nebendarstellern Narendra Modi (Premier Indiens), Christian Kern (Kanzler Österreichs) und Igor Dodon (Präsident der Republik Moldau) teilte.

Nutzte Putin den Auftritt zunächst zur Eröffnung seiner offiziell noch gar nicht bekanntgegebenen Wahlkampagne, indem er den Beginn des Aufschwungs und der Digitalisierung in Russland verkündete, drehte sich in der Diskussion anschließend alles um das Thema Außenpolitik, in der Putin lustvoll austeilte, ohne Kontra befürchten zu müssen.

Kommentare (1)

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Enrico Caruso

02.06.2017, 19:15 Uhr

Ich nehm das auch locker. Sollen die blöden Europäer sich doch weiter an dem Klimaschwindel hochziehen! Die brauchen das.

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