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21.07.2015

02:18 Uhr

Petrobras-Skandal

Brasilien knöpft sich Topmanager vor

Beim Bau von Bohrinseln und Raffinerien soll der Ölkonzern Petrobas kräftig in die Schmiergeldkasse gegriffen haben. Auch brasilianische Politiker stehen unter Verdacht. Nun greift die Justiz durch.

Der Petrobras-Skandal hat bereits Arbeitsplätze gekostet. Ehemalige Mitarbeiter der Maua-Werft protestieren vor dem Hauptsitz des größten Unternehmens Brasiliens. dpa

Petrobras in Rio de Janeiro

Der Petrobras-Skandal hat bereits Arbeitsplätze gekostet. Ehemalige Mitarbeiter der Maua-Werft protestieren vor dem Hauptsitz des größten Unternehmens Brasiliens.

Rio de JaneiroIm Korruptionsskandal um den brasilianischen Ölriesen Petrobras greift die Justiz durch - und nimmt die führenden Industriellen des Landes ins Visier. Auf Drängen der Bundespolizei sollen nun auch der Chef des größten Baukonzerns Odebrecht, Marcelo Bahia Odebrecht, und sieben weitere Spitzenmanager angeklagt werden.

Es geht um den Verdacht auf Geldwäsche und Korruption im Zusammenhang mit dem Kauf von Bohrinseln des Ölkonzerns Petrobras, wie die Agencia Brasileira Montagabend (Ortszeit) mitteilte. Odebrecht hat 181.000 Mitarbeiter und ist in 23 Ländern tätig. Seit Monaten wird im Rahmen der Operation Lava Jato ein Korruptionsnetz offengelegt, auch viele Politiker des fünftgrößten Landes sollen bestochen worden sein.

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Ein Bundesgericht in Curitiba verurteilte am Donnerstag bereits mehrere Topmanager des Baukonzerns Camargo Corrêa zu Haftstrafen von bis zu 15 Jahren, wie die Agencia Brasil mitteilte. Dabei ging es um den Vorwurf der Korruption im Zusammenhang mit dem Bau mehreren Raffinerien.

Petrobras ist das größte Unternehmen Brasiliens mit einem Jahresumsatz von rund 140 Milliarden US-Dollar (129 Mrd. Euro). Der frühere Petrobras-Spitzenmanager Paulo Roberto Costa wurde in dem Verfahren zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Die Ermittler prüfen in umfangreichen Verfahren Unregelmäßigkeiten in Milliarden-Höhe.

Bei der Vergabe von Aufträgen soll systematisch Schmiergeld geflossen sein, das teilweise auch an Politiker und Parteien ging. Laut früheren Aussagen von Ex-Petrobras-Direktor Costa sollen bei überhöhten Vertragsabschlüssen des Konzerns mit anderen Firmen zwei Prozent der Vertragssumme an die Arbeiterpartei von Präsidentin Dilma Rousseff geflossen sein.

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Vergangene Woche hatte der Präsident des Abgeordnetenhauses, Eduardo Cunha, offiziell seinen Bruch mit Rousseff erklärt - nachdem Anschuldigungen gegen ihn erhoben worden waren, vom Baukonzern Camargo Corrêa fünf Millionen US-Dollar für die Beschaffung von Petrobras-Aufträgen gefordert zu haben.

Cunha gehört der Partido del Movimiento Democrático Brasileño (PMDB) an, dem wichtigsten Koalitionspartner von Staatspräsidentin Rousseff. Noch ist nicht absehbar, ob durch die Affäre auch Rousseff selbst noch stärker unter Druck geraten könnte.

Der Journalist und Analyst Josias de Souza bilanzierte in seinem Blog, das Urteil des Richters Sérgio Moro sei ein „historischer Markstein“ - bisher seien solche Unternehmensgrößen in Brasilien nicht derartig belangt worden. In diesem sehr angespannten Umfeld sollen am 19. und 20. August die ersten deutsch-brasilianischen Regierungskonsultationen in Brasilia stattfinden - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und mehrere Bundesminister werden dazu in der Hauptstadt des Landes erwartet.

Von

dpa

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