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28.05.2017

14:00 Uhr

Philippinen

Der IS greift in Asien an

VonFrederic Spohr

Verbündete des „Islamischen Staates“ haben auf den Philippinen eine ganze Stadt attackiert. Die Terrororganisation eröffnet eine neue Front – und könnte zur großen Gefahr für Südostasien werden.

Auf den Philippinen hat nach dem Angriff von islamistischen Rebellen auf eine Großstadt im Süden des Landes eine Massenflucht eingesetzt. dpa

Massenflucht auf Philippinen

Auf den Philippinen hat nach dem Angriff von islamistischen Rebellen auf eine Großstadt im Süden des Landes eine Massenflucht eingesetzt.

BangkokMarawi im Süden der Philippinen ist seit Dienstag ein Kriegsgebiet: Über der Stadt auf der Insel Mindanao kreisen Helikopter, Rauch steigt auf, immer wieder ertönen Schüsse – und auf Fahnenmasten und an einigen Autos weht die Fahne des „Islamischen Staates“.

Die mit dem „Islamischen Staat” (IS) verbündeten Terrororganisationen Maute und Abu Sayaf haben die Stadt mit 200.000 Einwohnern überfallen, sie brannten Schulen und Kirchen ab. Der höchste Staatsanwalt der Philippinen Jose Calida, spricht am Freitag von einer „Invasion von Terroristen, die der IS gerufen hat“. Geheimdienstinformationen deuteten daraufhin, dass der IS den Angriff befohlen habe, um ein Kalifat der Terrororganisationen auf Mindanao zu gründen.

Massenflucht auf Philippinen: Duterte erwägt nationales Kriegsrecht

Massenflucht auf Philippinen

Duterte erwägt nationales Kriegsrecht

Extremisten enthaupten den Polizeichef von Marawi und hissen dort die IS-Flagge. Das Militär versucht, die Kontrolle über die Stadt im Süden der Philippinen wiederzuerlangen. Die Lage ist unübersichtlich.

Die philippinische Armee reagiert mit ganzer Härte: Mittlerweile wurden mehr als 31 Milizen und 11 Soldaten getötet. Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte hat über der Insel das Kriegsrecht verhängt. Er warnte, den Ausnahmezustand möglicherweise auf das gesamte Land auszuweiten.

Die Attacke nährt die Befürchtungen, dass der „Islamischen Staat“ in Südostasien Fuß fassen könnte – und die Region erheblich destabilisieren könnte. Es war nicht der einzige Angriff diese Woche: Erst am Mittwoch sprengte sich in Indonesiens Hauptstadt Jakarta ein IS-Anhänger in einem Busbahnhof in die Luft und tötete drei Polizisten. „Der Islamische Staat bleibt der wichtigste Drahtzieher der Attacken in Indonesien und die Gefahr durch seine Verbündeten dürfte zunehmen“, befürchtet Otso Iho, Analyst beim Think Tank Jane’s.

Die vielen Namen der Extremistenmiliz IS

Isil

Die Abkürzung steht für „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ und ist vor allem im Englischen noch häufig zu hören. Sie kommt der Übersetzung des arabischen Namens recht nahe. Dort ist vom Islamischen Staat im Irak und „al-Scham“ die Rede, also Großsyrien unter den Omajaden und später den Abbasiden.

Isis

Die Kurzform von „Islamischer Staat im Irak und Syrien“.

Isig

Diese Abkürzung benutzt die Bundesanwaltschaft in ihren Pressemitteilungen. Sie steht für den „Islamischen Staat im Irak und Großsyrien“.

IS

So nennt sich die Organisation selbst seit der Ausrufung ihres Kalifats 2014. Die Abkürzung steht für „Islamischer Staat“. Kritiker lehnen diese Bezeichnung ab, weil sie den Anspruch der Miliz untermauere, einen echten Staat – und noch dazu einen islamischen – geschaffen zu haben. Manche sprechen deshalb vom „sogenannten Islamischen Staat“.

Daesch oder Daisch

Als Alternative ist in den vergangenen Monaten vermehrt die Bezeichnung Daesch oder Daisch in Mode gekommen. Dies ist die arabische Abkürzung für die Bezeichnung „Islamischer Staat im Irak und al-Scham“ (Al Daula al-Islamija fi al-Irak wa al-Scham). In den Ohren von Muttersprachlern klingt sie despektierlich, der IS selbst lehnt sie ab. Das ist ein Grund mehr für Gegner der Extremisten, sie zu verwenden.

Seit Jahrzehnten haben Staaten wie Indonesien und die Philippinen Probleme mit islamistischen Separatisten. Der IS könnte ihnen nun neuen Auftrieb geben. Mehrere lokale Terrorgruppen haben dem IS die Treue geschworen. Isnilon Hapilon, der Chef der nun in Marawi marodierenden Terrorbanden, hat sich selbst zum Stellvertreter des „Islamischen Staates“ in Südostasien erklärt. Die Vereinigten Staaten haben ein Kopfgeld von fünf Millionen US-Dollar auf ihn ausgesetzt. Der Angriff der Milizen begann, nachdem ein Zugriff philippinischer Sicherheitskräfte auf Hapilon fehlschlug.

Zwar ist unklar, wie eng die Kooperation zwischen dem Kern des IS und den lokalen Terrororganisationen in Asien tatsächlich ist. Doch laut der philippinischen Regierungen gibt es mittlerweile Hinweise darauf, dass es dem IS  zumindest gelang, die Islamisten der Region zu vernetzen und zum Angriff zu animieren. Unter den nun getöteten Kämpfern sind laut der philippinischen Regierung auch Ausländer, unter anderem aus Malaysia und Indonesien. Zuvor hatte die philippinische Regierung immer wieder bestritten, dass lokale Terrorgruppen Verbindungen mit internationalen Netzwerken hatten.

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