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28.08.2016

12:05 Uhr

Philippinen

IS-Unterstützer befreien Mitkämpfer aus Gefängnis

Rund 50 islamistische Kämpfer haben auf den südlichen Philippinen ein Gefängnis gestürmt und acht Mitstreiter befreit. Die Angreifer gehörten zu einer Gruppe namens Maute, die dem IS die Treue gelobt hat.

Extremisten Gruppe haben in den Philippinen ein Gefängnis angegriffen und acht Mitkämpfer befreit. AFP; Files; Francois Guillot

Soldaten bewachen Mitglieder der Maute

Extremisten Gruppe haben in den Philippinen ein Gefängnis angegriffen und acht Mitkämpfer befreit.

ManilaBewaffnete Kämpfer einer philippinischen Islamistengruppe haben im Süden des Landes ein Gefängnis gestürmt und mehr als 20 Insassen befreit. Etwa 50 schwer bewaffnete Mitglieder der Gruppe Maute seien am Samstag in das Gefängnis in Marawi eingedrungen, teilte Provinz-Polizeichef Agustine Tello am Sonntag mit. Sie hätten acht Kameraden befreit, auch 15 anderen Häftlingen gelang laut der Gefängnisaufsicht die Flucht.

Die acht befreiten Islamisten waren erst vor wenigen Tagen festgenommen worden, weil Soldaten bei einer Kontrolle selbst gebaute Bomben und Pistolen in ihrem Lieferwagen gefunden hatten. Der Gefängnisaufseher der Provinz, Acmad Tabao, sagte, auch 15 Häftlinge, die wegen anderer schwerer Verbrechen einsaßen, seien geflohen. Zuvor hatte die Polizei von insgesamt 28 geflohenen Gefangenen gesprochen.

Tabao sagte, zwei Frauen seien an das Gefängnistor gekommen und hätten die Wache gebeten, eine Essenslieferung für die Gefangenen anzunehmen. Als die Wache das Tor geöffnet habe, seien vermummte Männer eingedrungen. Als die Maute-Kämpfer das Gefängnis in einem Fahrzeug der Anstalt verließen, riefen sie laut Tabao „Allahu Akbar“ (Gott ist groß). Sie seien zu einem See gefahren und dort in ein Boot gestiegen.

Islamistische Terrorgruppen

Islamischer Staat

Der sogenannte Islamische Staat ging aus einem Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida hervor. Im Irak-Krieg 2003 kämpfte die Gruppe gegen die US-Armee, 2013 setzte sie auf Expansion. Als „Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis)“ griff sie im syrischen Bürgerkrieg ein. Sie wurde stärker und lieferte sich Machtkämpfe mit anderen Islamisten, darunter Al-Kaida. In eroberten Gebieten in Syrien und im Irak riefen die Dschihadisten – nun als Islamischer Staat (IS) – ein Kalifat aus, in dem sie brutal gegen Gegner vorgehen. Dschihadisten in anderen Ländern schworen dem IS ihre Treue. Seit einiger Zeit verübt die Terrormiliz auch Anschläge außerhalb Syriens und des Irak.

Ansar Beit Al-Makdis

Die ägyptische Organisation ist eine der Gruppen, die sich dem IS angeschlossen haben. Seit Ende 2014 bezeichnet sich Ansar Beit al-Makdis („Unterstützer Jerusalems“) als „Provinz Sinai“ des IS. Laut ägyptischem Innenministerium gehören der Zelle rund 2000 Kämpfer an. Die Islamistentruppe verübt vor allem auf der Sinai-Halbinsel und in Kairo Anschläge.

Taliban

Die 2001 in Kabul gestürzten radikalislamischen Taliban haben weiterhin in großen Teilen Afghanistans Einfluss. Seit dem Auslaufen des Nato-Kampfeinsatzes bemüht sich die afghanische Führung verstärkt um Friedensgespräche mit ihnen. Weiterhin verüben die Taliban aber verheerende Anschläge in allen Teilen des Landes und nehmen Gebiete ein. Pakistans Grenzgebiet zu Afghanistan ist ein Rückzugsgebiet für die Taliban und Al-Kaida. Dort sind Gruppen wie die Tehrik-E-Taliban Pakisten (TTP) oder das Haqqani-Netzwerk aktiv. Auch die Gruppe Laschkar-E-Taiba („Armee der Reinen“) agiert von Pakistan aus auf dem Subkontinent.

Al-Kaida

1988 gründeten Dschihadisten in Afghanistan das Terrornetzwerk Al-Kaida („Die Basis“). Später richteten sich dessen Angriffe gegen die USA und Westeuropa. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 war Al-Kaida-Chef Osama bin Laden bis zu seinem Tod der meistgesuchte Terrorist der Welt. 2011 tötete eine US-Spezialeinheit Bin Laden im pakistanischen Abbottabad. Seit 2001 setzt das Terrornetzwerk zunehmend auf Regionalisierung.

AQAP

Zu den weitgehend unabhängig agierenden Al-Kaida-Ablegern zählt die 2008 aus der Vereinigung des jemenitischen mit dem saudi-arabischen Zweig entstandene Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (Al-Qaeda in the Arabian Peninsula/AQAP). Die Terrorgruppe verübt seit Jahren immer wieder Anschläge. Der im Januar 2015 ermordete Redaktionsleiter des Satiremagazins „Charlie Hebdo“, Stéphane Charbonnier, stand auf einer „Fahndungsliste“ des Dschihad-Magazins „Inspire“, das von AQAP veröffentlicht wird. Die USA greifen im Jemen regelmäßig Lager der Gruppe mit Drohnen an.

AQMI

Die ursprünglich algerische Gruppe Alk-Kaida im islamischen Maghreb (AQMI) versucht, Tunesien, Marokko, Algerien, Mauretanien, Niger und Mali durch Anschläge und Entführungen zu destabilisieren. Sie hat auch Rückzugsgebiete in Libyen. Auch die aus Libyen stammende Organisation Ansar al-Scharia („Unterstützer des islamischen Rechts“) verübt Anschläge in Tunesien.

Ansar Dine

Anhänger der Gruppe besetzten 2012 gemeinsam mit Tuareg-Rebellen den Norden Malis. Ihr werden Verbindungen zu Al-Kaida im islamischen Maghreb nachgesagt. Dem Terrorregime der Ansar Dine fielen viele Menschen mit westlichem Lebensstil zum Opfer. Französische und afrikanische Truppen vertrieben die Extremisten weitgehend aus der Region. Es kommt aber weiterhin zu Gefechten und Anschlägen auf Sicherheitskräfte in Mali.

Boko Haram

Die islamistische Terrorgruppe führt in Nigeria einen blutigen Feldzug zur Errichtung eines sogenannten Gottesstaats. Boko Haram heißt so viel wie: „Westliche Bildung ist verboten“. Die sunnitischen Dschihadisten werden für viele Attentate und Angriffe verantwortlich gemacht. Schätzungen zufolge wurden seit 2009 mehr als 14.000 Menschen getötet. Die selbst ernannten „Gotteskrieger“ kontrollieren Teile Nordostnigerias und versuchen auch, Gebiete in den Nachbarländern Kamerun und Niger zu erobern. Die Gruppe schwor der IS-Miliz Gefolgschaft.

Al-Shabaab

Die radikale Miliz verbreitet in Somalia Angst und Schrecken und verübt auch in Nachbarländern wie Kenia Anschläge. Zwar vertrieben Regierungstruppen und Soldaten der Afrikanischen Union die Extremisten 2011 aus der Hauptstadt Mogadischu, Al-Shabaab beherrscht aber noch weite Teile Mittel- und Südsomalias. Die Organisation hat Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida und kooperiert mit den Extremisten von Boko Haram in Nigeria.

Jemaah Islamiyah

Die Anfang der 1990er Jahre von Indonesiern in Malaysia gegründete Terrorgruppe war bisher in Indonesien, Malaysia und im Süden der Philippinen aktiv. Sie will ein Kalifat in Südostasien errichten und steht Al-Kaida nahe. 2002 ermordeten Jemaah Islamiya-Terroristen bei Bombenanschlägen auf der indonesischen Ferieninsel Bali 202 Menschen, darunter mehr als 150 ausländische Touristen. Weitere Anschläge folgten.

Die Behörden kündigten an zu prüfen, warum die Gefängniswärter die Erstürmung der Haftanstalt nicht abwehrten und warum die Sicherheitsvorkehrungen angesichts der Hoch-Risiko-Insassen nicht verschärft worden waren.

Maute ist eine von vielen muslimischen Gruppen in der südphilippinischen Region Mindanao, der Hochburg der Muslime in dem ansonsten katholisch geprägten Land. Der Gruppe werden Entführungen und Bombenanschläge angelastet. Außerdem wird vermutet, dass sie hinter einem Angriff auf einen Armeeposten in Butig im Februar steckt. Diesem folgten einwöchige Kämpfe mit vielen Toten, die tausende Menschen in die Flucht trieben.

Die Angreifer hatten damals nach Angaben des Militärs die schwarzen Fahnen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) geschwenkt. Außerdem seien in ihrem Stützpunkt Stirnbänder mit IS-Zeichen gefunden worden.

Auf den Philippinen gibt es immer wieder Massenausbrüche aus Gefängnissen, oft sind muslimische Extremisten beteiligt. 2009 hatten mehr als hundert bewaffnete Männer ein Gefängnis auf der südphilippinischen Insel Basilan gestürmt und 31 Häftlinge befreit, darunter muslimische Aufständische.

Muslimische Aufständische kämpfen seit vier Jahrzehnten gegen die philippinische Führung. Bereits mehr als 120.000 Menschen starben in dem Konflikt. Der neue philippinische Staatschef Rodrigo Duterte setzt sich für einen Friedensschluss mit den beiden größten muslimischen Rebellengruppen – Moro Nationale Befreiungsfront und Moro Islamische Befreiungsfront – ein, die bereits eine Feuerpause mit der Regierung vereinbarten.

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