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10.08.2016

12:53 Uhr

Philippinen-Präsident beleidigt US-Botschafter

„Ich bin von ihm angepisst“

Rodrigo Duterte ist alles andere als ein Diplomat. Der philippinische Präsident nimmt kein Blatt vor den Mund und schießt oft übers Ziel hinaus. Jetzt beleidigt er den US-Botschafter aufs übelste – die USA reagieren.

ManilaDer umstrittene philippinische Präsident Rodrigo Duterte hat den US-Botschafter in Manila als „Hurensohn“ beschimpft. Das US-Außenministerium in Washington bestellte den philippinischen Botschafter Patrick Chuasoto ein, um eine Erklärung für die Äußerungen zu erhalten, wie eine Sprecherin am Dienstag sagte. Duterte, der für seine verbalen Entgleisungen berüchtigt ist, hatte bei einer im Fernsehen übertragenen Rede am Freitag den US-Botschafter Philip Goldberg wüst angegriffen.

„Wie ihr wisst, liege ich mit dem Botschafter (von US-Außenminister John Kerry) im Streit, seinem schwulen Botschafter, diesem Hurensohn. Ich bin von ihm angepisst“, sagte Duterte. Duterte war im Wahlkampf in Konflikt mit Goldberg geraten, als dieser Dutertes Äußerungen kritisiert hatte, wonach er auch gerne eine „schöne“ australische Missionarin vergewaltigt hätte, die 1989 bei einem Aufstand in einem Gefängnis von Davao sexuelle missbraucht und ermordet worden war.

Der langjährige Bürgermeister der Hafenstadt Davao war im Mai mit dem Versprechen zum Präsidenten gewählt worden, einen gnadenlosen Kampf gegen die Kriminalität zu führen. Der 71-Jährige erregte im Wahlkampf auch immer wieder Aufsehen mit seinen verbalen Entgleisungen. Neben örtlichen Rivalen beschimpfte er sogar den Papst. In die Kritik geriet er aber vor allem durch seinen Aufruf an Polizisten und einfache Bürger, Drogenhändler und Rauschgiftsüchtige umzubringen.

Das ist Rodrigo Duterte

30 Jahre Bürgermeister

Rodrigo Duterte war mit kurzer Unterbrechung 30 Jahre Bürgermeister von Davao auf Mindanao im Süden des Landes. Er pocht auf Recht und Ordnung und befürwortet die Ermordung von Kriminellen.

Aus ärmlichen Verhältnissen

Duterte kommt aus ärmlichen Verhältnissen, studierte Jura und war zeitweise Staatsanwalt. Er empfiehlt sich mit derben Sprüchen als Kämpfer gegen Kriminalität, Drogen und Korruption.

Dubiose Konten

Kurz vor seiner Wahl tauchten allerdings dubiose Konten auf, die er bislang verschwiegen hatte. Es sei nur wenig Geld von Unterstützern darauf, sagte der 71-Jährige.

Quelle: dpa

Zuletzt hatte Duterte mehr als 160 Richtern, Politikern, Polizisten und Militärs Verbindungen zur Drogenmafia vorgeworfen. Der umstrittene Staatschef bedrohte die Genannten am Sonntag mit dem Tod. Die Verdächtigen sollten sich ergeben, sollten sie den geringsten Widerstand leisten, werde er die Polizei anweisen, sie zu erschießen.

In einer Rede in seiner Heimatstadt Davao im Süden der Philippinen nannte Duterte neun Richtern sowie mehr als 50 amtierende oder ehemalige Abgeordnete, Bürgermeister und andere Politiker, die angeblich in den Rauschgifthandel verwickelt sind. Dazu kamen noch gut hundert aktive oder im Ruhestand befindliche Polizisten und Militärs.

Duterte kündigte an, dass die verdächtigen Politiker keinen Personenschutz mehr erhalten und ihre Waffenlizenzen annulliert würden. Die Richter müssten sich beim Obersten Gericht melden, die Soldaten und Polizisten bei ihren Vorgesetzten. Der umstrittene Politiker gab zu, dass er mit seinen Vorwürfen „falsch“ liegen könnte. Zugleich versicherte er, die Benennung der Verdächtigen sei nicht politisch motiviert. Einige von ihnen seien sogar Freunde.

Dutertes Sprecher Martin Andanar sagte später, gegen die Verdächtigen würden Strafverfahren eingeleitet. Mehrere der Benannten bestritten in den Medien, in Drogengeschäfte verwickelt zu sein.

Von

afp

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