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10.05.2016

20:49 Uhr

Philippinischer Präsident Duterte

Per Teufelspakt zum Friedensfürsten

Der nächste philippinische Präsident Rodrigo Duterte mag Diplomaten vor den Kopf stoßen und Menschenrechtler entsetzen. Er hat aber trotzdem die Chance, als Friedensfürst Geschichte zu schreiben.

Duterte hat gewonnen

Der kommende Diktator? Die Philippinen haben einen neuen Präsidenten

Duterte hat gewonnen: Der kommende Diktator? Die Philippinen haben einen neuen Präsidenten

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ManilaDen abgetrennten Kopf des Kanadiers deponierten die Terroristen vor zwei Wochen in einer Plastiktüte in der Nähe einer Polizeistation, die Drohung kam kurze Zeit später: Wenn die verlangte Millionensumme nicht flott gezahlt wird, wird die nächste Geisel ermordet – ein Kanadier oder ein Norweger. Seit Jahren finanzieren muslimische Extremisten im Süden der Philippinen ihr dreckiges Geschäft mit Geiselnahmen und Erpressungen. Der neu gewählte Präsident Rodrigo Duterte könnte die Karten im seit Jahrzehnten aussichtslosen Anti-Terror-Kampf jetzt neu mischen.

Der 71-Jährige ist der erste Präsident, der aus der Unruheregion stammt. „Damit ist er in der einmaligen Lage, die Gewalt dort zu beenden und den Terrorismus auszurotten“, sagt der in Singapur lehrende Terrorismus-Experte Rohan Gunaratna.

Seit 2010 sind in der Region durch Kämpfe fast eine halbe Million Menschen vertrieben worden und mehr als 460 umgekommen. Die Abu-Sayyaf-Terroristen haben der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Treue geschworen. Die einflussreiche „Isis Study Group“ aus aktiven und ehemaligen US-Militäranalysten ist alarmiert. Splittergruppen könnten die Region demnächst als Aufmarschgebiet für Anschläge nutzen, meint sie: „Wenn man Philippiner oder Amerikaner in Südostasien ist, sollte man sehr beunruhigt sein.“

Wahl auf den Philippinen: Ungewöhnliche Kandidaten

Der Lautsprecher

Den Papst beleidigte er als Hurensohn: Rodrigo Duterte ist bekannt für seine großen Töne. Und doch ist er haushoher Favorit.

Die ehemalige Präsidentin

Die inhaftierte Ex-Staatschefin Gloria Macapagal Arroyo gab ihre Stimme unter Polizeibewachung in ihrer Heimatprovinz Pampanga ab. Sie kandidierte für eine Wiederwahl ins Abgeordnetenhaus und erhielt für den Wahltag Freigang. Die 69-Jährige schied nach neun turbulenten Jahren 2010 aus dem Amt und wurde seitdem wegen Wahlbetrugs und Korruption angeklagt. Sie bezeichnete die Vorwürfe als politisch motiviert. Wegen Nackenschmerzen wird Arroyo in einem Gefängniskrankenhaus festgehalten.

Der Diktatoren-Sohn

Ferdinand Marcos, der Sohn des gleichnamigen Ex-Diktators, kandidierte für den Posten des Vizepräsidenten. Der scheidende Staatschef Benigno Aquino III. warnte davor, wieder ein Mitglied der Marcos-Familie so nahe an das höchste Staatsamt zu lassen. In ihrer Heimatprovinz Ilocos sind die Marcos' aber auch 30 Jahre nach dem Sturz des Machthabers beliebt. Seine Witwe Imelda trat ohne Gegenkandidaten für die Wiederwahl in den Kongress an, seine Tochter kandidierte für eine weitere Amtszeit als Gouverneurin.

Die Box-Ikone

Manny Pacquiao ist der bekannteste Sportler der Philippinen und einer der reichsten der Welt. Seit 2010 sitzt der Boxer im Abgeordnetenhaus und kandidierte nun für den Senat. Für Aufregung sorgte der gläubige Christ im Februar, als er sagte, gleichgeschlechtliche Paare seien „schlimmer als Tiere“. Anschließend ruderte er zurück, betonte aber, dass er die Homo-Ehe ablehne. Bei seiner Stimmabgabe am Montag rief der 37-Jährige die Philippiner auf, das Wahlergebnis zu akzeptieren und sich hinter den neuen Präsidenten zu stellen.

Das Findelkind

Grace Poe besuchte vor ihrer Stimmabgabe am Montag das Grab ihres verstorbenen Adoptivvaters, des philippinischen Action-Filmstars Fernando Poe. Die Präsidentschaftskandidatin wurde als Neugeborene in einer Kirche ausgesetzt und vom Schauspieler und dessen Frau adoptiert. Die Quereinsteigerin nutzte ihren bekannten Familiennamen als Sprungbrett in die philippinische Politik.

Nun kommt Duterte ins Spiel. Ihm eilt zwar vor allem ein Furcht einflößender Ruf voraus, weil in seiner Heimatstadt Davao Drogendealer und Kleinkriminelle umgebracht werden. Je nach Betrachtung gilt er als kompromissloser Verbrechensbekämpfer oder Menschenrechtsverletzer. Mit Rebellen pflegt er aber einen anderen Umgang: Seit er in Davao Bürgermeister ist, herrscht an der Front der kommunistischen Guerilla-Kämpfer Ruhe. Böse Zungen behaupten, er habe frustrierte Kämpfer als Killer für den Anti-Drogen-Kampf angeworben.

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