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08.01.2007

12:22 Uhr

Pipeline dicht gemacht

Weißrussland dreht den Ölhahn zu

Die „Druschba“-Rohölleitung, die aus dem russischen Orenburg bis nach Westeuropa führt, ist von Weißrussland dicht gemacht worden - wohl um Forderungen an Russland im Streit um Öl- und Gaspreise Nachdruck zu verleihen. Damit kommt seit der Nacht ein Fünftel des deutschen Ölbedarfs nicht mehr an.

Wird über die Pipeline versorgt: Raffinerie PCK in Schwedt. Foto: dpa dpa

Wird über die Pipeline versorgt: Raffinerie PCK in Schwedt. Foto: dpa

HB MINSK/WARSCHAU. Die russische Nachrichtenagentur Infertax berichtete am Montag unter Berufung auf die russische Durchleitungs-Behörde, der staatliche weißrussische Konzern Belneftechim habe angeordnet, dass die Öllieferungen über die so genannte Freundschaftspipeline ausgesetzt werden. Aus Weißrussland liegt bisher nur eine gleich lautende Erklärung der regionalen Pipeline-Betreibergesellschaft Gomeltransneft vor. Ein Grund wird nicht genannt.

Der russische Pipeline-Betreiber Transneft warf Weißrussland vor, sich über die Pipeline illegal mit Öl zu versorgen. Dies sei der Grund dafür, dass die Lieferungen über die Pipeline nach Polen und Deutschland in der Nacht zum Montag gestoppt worden seien, wurde Transneft-Chef Semjon Wainschtok von der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti zitiert. Transneft suche derzeit nach alternativen Routen, um die Lieferungen nach Deutschland und Polen wieder aufzunehmen.

Die Nachricht von der trocken gefallenen Pipeline war am Morgen aus Polen gekommen. Der dortige Pipelinebetreiber Pern hatte erklärt: „Wir haben einen Brief an Weißrussland geschickt, in dem wir eine Erklärung fordern. Zu diesem Zeitpunkt wissen wir nicht, warum die Versorgung gestoppt wurde“. Zuvor hatte hatte das polnische Wirtschaftsministerium von Problemen bei der Ölversorgung über die Pipeline gesprochen. Tschechiens Handelsministerium erklärte dagegen, seine Öllieferungen über die „Druschba“-Pipeline seien nicht unterbrochen.

Die „Druschba“-Pipeline ist eine der längsten der Welt und verläuft in zwei Strängen, der größere versorgt Deutschland und Polen. Über die Trasse beziehen die beiden ostdeutschen Raffinerien PCK in Schwedt (Brandenburg) und Total Mitteldeutschland in Leuna (Sachsen-Anhalt) den Großteil ihres Rohöls. Druschba ist die einzige Pipeline, über die russisches Öl direkt nach Deutschland geliefert. Alternativen sind der Transport über Tanker oder über Pipelines, die in andere Länder führen und mit denen Deutschland wiederum über separate Ölleitungen verbunden ist.

Polens stellvertretender Wirtschaftsminister Piotr Naimski sagte dem polnischen Nachrichtensender TVN24, die Versorgungsprobleme hingen mit dem Streit zwischen Russland und Weißrussland über Öllieferungen zusammen. Weißrussland hatte vergangene Woche Transitgebühren auf russische Ölexporte bekannt gegeben. Die Regierung in Minsk begründete dies mit Russlands Ankündigung, ab diesem Jahr Zölle auf Rohölexporte nach Weißrussland zu erheben.

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