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02.12.2014

09:37 Uhr

Pipeline durchs Schwarze Meer

Russland gibt Pläne für South Stream auf

Russland gibt seine Pläne für den Bau der South-Stream-Pipeline auf. „Das war's“, sagte Gazprom-Chef Miller. Kremlchef Putin nannte den Bau „sinnlos“ und macht der EU Vorwürfe. Die Aktien vom Salzgitter-Konzern fallen.

Putin zu South Stream

"Die EU hat das Pipeline-Projekt blockiert"

Putin zu South Stream: "Die EU hat das Pipeline-Projekt blockiert"

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AnkaraRussland hat seine milliardenschweren Pläne für den Bau der Erdgasleitung South Stream zur Versorgung Südeuropas überraschend aufgegeben. Das Projekt sei durch die „Blockadehaltung“ der EU sinnlos geworden, sagte Kremlchef Wladimir Putin am Montag in Ankara.

„Das war's. Das Projekt ist geschlossen“, betonte auch Gazprom-Chef Alexej Miller. „Es gibt kein Zurück mehr.“ Als Alternative hätten Russland und die Türkei den Bau einer Offshore-Pipeline vereinbart, sagte Miller.

Die EU-Kommission hatte die geplante Leitung South Stream auch kritisiert, weil das Projekt aus Sicht Brüssels gegen das Dritte EU-Energiepaket verstößt. Putin kritisierte scharf, dass sich vor allem Bulgarien auf Geheiß der EU querstelle. „Die Position der EU-Kommission ist nicht konstruktiv und entspricht nicht den Wirtschaftsinteressen Europas“, sagte er.

„Der Präsident persönlich hat entschieden, das Projekt anzuhalten“, sagte Energieminister Alexander Nowak der Agentur Tass. Formell ist für einen Stopp ein Beschluss des Aufsichtsrats nötig. Allerdings hat dort Russland als Mehrheitseigner das gewichtigste Wort.

Woher bekommt Deutschland sein Erdgas?

Deutsches Erdgas-Aufkommen

Das gesamte deutsche Erdgas-Aufkommen (Importe, inländische Gewinnung und Speichermenge) entsprach in den ersten drei Monaten dieses Jahres einem Energiegehalt von rund 1,179 Millionen Terajoule (TJ). Das waren etwa 17,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

(alle Infos: Stand März 2014)

Importe

Mehr als vier Fünftel dieser Menge stammte aus Importen (rund 979.000 TJ) – 2,9 Prozent mehr als zwischen Januar und März 2013.

Wichtigste Lieferländer

Von diesen Einfuhren entfielen knapp 373.000 TJ auf Russland als mit Abstand wichtigstes Lieferland. Auf Rang zwei lag Norwegen (gerundet 291.000 TJ), gefolgt von den Niederlanden (etwa 267.000 TJ). Während die Importe aus Russland zuletzt um 11,7 Prozent und diejenigen aus Norwegen um 13,7 Prozent zulegten, sanken die Importe aus den Niederlanden um 12,6 Prozent. Alle sonstigen Bezugsländer kamen auf eine Restmenge von lediglich 48.800 TJ (-13,2 Prozent).

Inländische Förderung

Die inländische Erdgasförderung der Bundesrepublik erreichte von Januar bis März 2014 ein Energie-Äquivalent von rund 84.400 TJ – 8 Prozent unter dem Niveau der ersten drei Monate des vorigen Jahres.

Gasspeicher

Angesichts des milden Wetters im zurückliegenden Winter 2013/2014 waren die deutschen Gasspeicher von Januar bis März noch mit einer Kapazität von knapp 116.000 TJ gefüllt.

Exporte

Deutschland exportierte außerdem Erdgas mit einem Energiegehalt von rund 205.000 TJ ins Ausland – ein Fünftel weniger als vor einem Jahr.

Moskauer Medien zufolge hat Russland bisher rund 4,66 Milliarden US-Dollar (etwa 3,74 Mrd. Euro) in das Projekt investiert. Doch die Energiegroßmacht ist derzeit erheblich geschwächt, weil der Ölpreis sehr niedrig ist und die Konjunktur auch wegen der westlichen Sanktionen wegen der Ukrainekrise schwächelt. Beobachter schließen nicht aus, dass dies zur Entscheidung beigetragen haben könnte.

Durch die insgesamt 2380 Kilometer lange South-Stream-Leitung wollte Russland Gas durch das Schwarze Meer nach Bulgarien und von dort über Serbien bis nach Westeuropa pumpen. Vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts hatten Kritiker des Projekts beklagt, dass die Leitung die nach Westen strebende Ukraine umgehe. Die finanziell angeschlagene Ex-Sowjetrepublik ist das wichtigste Transitland für russisches Gas Richtung Westeuropa und auf die Einnahmen angewiesen, nutzt ihre Transitleitungen aber auch, um politisch Druck auszuüben.

Serbien hat als enger Partner Russlands das Aus für die Gasleitung bedauert. „Serbien war in keiner Weise an dieser Entscheidung beteiligt“, sagte der serbische Regierungschef Aleksandar Vucic am Dienstag dem Staatsfernsehen RTS: „Wir haben sieben Jahre in dieses Projekt investiert, aber wir zahlen jetzt den Preis für die Konflikte der Mächtigen“, ergänzte Vucic. Er werde noch einmal mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über diese Entscheidung sprechen, kündigte er an. Der Kremlchef hatte am Montagabend überraschend bekanntgegeben, dass Russland seine milliardenschweren Pläne für den Bau der Erdgasleitung zur Versorgung Südeuropas aufgibt.

Die Aufgabe des Pipeline-Projekts hat den Konzern Salzgitter ins Straucheln gebracht. Die Aktien verloren am Dienstag in der Spitze fast neun Prozent auf ein Drei-Wochen-Tief von 23,86 Euro. Sie waren der mit Abstand schwächste Wert im MDax. Die Salzgitter Beteiligung Europipe und die österreichische Voestalpine hatten einen großen Röhrenauftrag für das Projekt an Land gezogen. „Dass South Stream nun vom Tisch ist, belastet die Salzgitter-Aktie, auch wenn die Konditionen des Auftrags unbekannt sind“, sagte ein Händler. Voestalpine verloren 1,3 Prozent.

Kommentare (12)

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Herr Teito Klein

01.12.2014, 19:41 Uhr

Rückschlag für Putin
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Russland gibt seine Pläne für den Bau der South-Stream-Pipeline durch das Schwarze Meer vorerst auf. Das kündigte der russische Präsident Wladimir Putin an.

Bulgarien stellt sich quer. Es blockiere die Bauarbeiten am Meeresgrund.
Und Schuld daran ist natürlich der böse Westen.
Jetzt versucht Warlord Putin sein Gas an Sultan Erdogan zu verkaufen.

Herr Helmut Metz

01.12.2014, 20:03 Uhr

Ach ja, was macht denn eigentlich die Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline?
https://de.wikipedia.org/wiki/Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline
Wenn es um Geopolitik und -strategie geht und darum, den Konkurrenten (oder neuerdings wieder Gegner) zu schädigen und die eigene Energieversorgung sicherzustellen, dann haben die lupenreinen Demokratien des Westens selbstverständlich IMMER eine blütenweiße Weste: ;-)
"Das Gleiche in Georgien mit der von den USA orchestrierten Rosa Revolution unter Saakaschwili, der ein Verbrecher ist, aber er ist Washingtons Verbrecher. Sie sagten: “Wir decken Dich, wenn Du Georgien in die NATO bringst.” Das war wichtig, weil die Pipeline mit den Ölreserven vom Kaspischen Meer, die BP und einige amerikanische Ölfirmen bauten, aus geographischen Gründen durch Tiflis, der Hauptstadt von Georgien, in die Türkei und schließlich in den Mittelmeerhafen Ceyhan laufen musste. Also hing die Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline von einer Pro-NATO-Präsidentschaft in Georgien ab."
(...)
Na, bei Bulgarien, dem nach dem CPI-Index zweitkorruptesten EU-Staat (nach Griechenland), war wenigstens keine farbenfrohe blutige Revolution notwendig...

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Herr Delete User Delete User

01.12.2014, 20:48 Uhr

Wladimir Putin bekommt die Auswirkungen seiner Politik nun deutlicher zu spüren. Langsam dämmert es ihm, dass er sich in eine ausweglose Lage manövriert hat. Das Geld wird knapp, politisch isoliert, die Spirale verbaler, wirtschaftstaktischer und militärischer Aktionen nimmt langsam immer mehr Fahrt auf. Einlenken wird Putin sicherlich nicht. Ein narzistischer Macho mit nacktem Oberkörper oder bewaffnet durch die Taiga streifend, passt gut in jeden Rambofilm, aber ist keinem russischem Präsidentenamt von heute ebenbürtig. Die Strategien des Wladimir Putin werden ebenso wenig aufgehen, wie die des Westens! Leider wird es viele Verlierer geben, insbesondere in Russland. Und bis die es kapiert haben und Putin und seine Genossen fortjagen werden wohl noch ein paar Jahre vergehen.

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