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10.01.2007

20:16 Uhr

Pipeline-Streit

Russland kündigt Wiederaufnahme der Öllieferungen an

Russland hat am Mittwochabend die Wiederaufnahme der Erdöllieferungen über die Leitung „Druschba“ innerhalb weniger Stunden angekündigt. Der Streit mit dem Nachbarn Weißrussland über den Öltransit sei beigelegt, sagte der russische Vertreter bei der europäischen Union (EU), Wladimir Tschischow, nach einem Gespräch mit dem EU-Energiekommissar Andris Piebalgs in Brüssel.

HB BRÜSSEL/MOSKAU. Weißrussland habe auch das umstrittene Öl wieder zurückgegeben. Der stellvertretende russische Wirtschaftsminister Andrej Scharonow hatte in Moskau gesagt, Weißrussland müsse zunächst die 80 000 Tonnen Öl in die Leitung nach Westeuropa einspeisen, die es illegal entnommen habe. Russland werde dann innerhalb von vier Stunden die Lieferungen wieder in vollem Umfang aufnehmen. Zuvor hatte das Büro des weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko mitgeteilt, er habe in einem Telefonat mit dem russischen Amtsinhaber Wladimir Putin einen Kompromiss erzielt.

In Deutschland war die Sorge gewachsen, dass wegen des Lieferstopps durch die Pipeline „Druschba“ die Ölversorgung beschnitten werden könnte. Durch die Leitung fließt rund ein Fünftel des in Deutschland benötigten Erdöls.

„Im Ergebnis des Gesprächs (von Putin und Lukaschenko) wurde ein Kompromiss gefunden, der es ermöglicht, aus dieser Sackgasse herauszukommen“, teilte Lukaschenkos Büro weiter mit. Die Details des Kompromisses sollten in den kommenden zwei Tagen geklärt werden. Weißrusslands Ministerpräsident Sergej Sidorski sagte, sein Land habe auf die umstrittenen Öltransitzölle verzichtet und damit den Weg für die Einigung geebnet. Weißrussland hatte vergangene Woche Transitgebühren für russische Ölexporte verlangt. Es rechtfertigte dies mit Russlands Ankündigung, ab diesem Jahr Zölle auf Rohölexporte nach Weißrussland zu erheben. Russland äußerte sich zunächst nicht zu Einzelheiten einer Übereinkunft.

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso kritisierte erneut die überraschende Unterbrechung von Öllieferungen aus Russland als nicht akzeptabel. Die Kommission werde sicherstellen, dass sich so etwas nicht wiederhole. Der Chef der internationalen Energieagentur IEA, Claude Mandil, sagte, der Öllieferstopp habe das Vertrauen in den weltweit zweitgrößten Erdölexporteur als verlässlicher Energie-Lieferant erschüttert.

Am Montag hatte Russland die Ölleitung „Druschba“ durch Weißrussland geschlossen und damit auch die Versorgung mehrerer europäischer Länder, darunter Deutschland, beeinträchtigt. Der russische Leitungsbetreiber Transneft begründete den Lieferstopp damit, dass Weißrussland illegal Öl abgezapft habe. Die Regierung in Minsk bestreitet das.

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