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25.01.2012

14:41 Uhr

Piratenprozess

Staatsanwaltschaft fordert lange Haftstrafen

Die Staatsanwaltschaft hat im Prozess gegen zehn somalische Piraten vor dem Hamburger Oberlandesgericht hohe Haftstrafen gefordert. Die Somalier sind wegen Seeräuberei und erpresserischem Menschenraub angeklagt.

Die angeklagten zehn mutmaßlichen Piraten aus Somalia sitzen bei Prozessbeginn im November 2010 mit ihren Anwälten im Gerichtssaal in Hamburg. dpa

Die angeklagten zehn mutmaßlichen Piraten aus Somalia sitzen bei Prozessbeginn im November 2010 mit ihren Anwälten im Gerichtssaal in Hamburg.

HamburgIm Hamburger Piratenprozess gegen zehn Somalier hat die Staatsanwaltschaft am Mittwoch langjährige Haftstrafen gefordert. Staatsanwältin Friederike Dopke beantragte in ihrem Abschlussplädoyer vor dem Hamburger Oberlandesgericht Freiheitsstrafen von sieben bis zu elfeinhalb Jahren für die sieben erwachsenen Angeklagten wegen Seeräuberei und erpresserischem Menschenraub.

Damit blieb sie unter dem maximal möglichen Strafmaß von 15 Jahren. Drei weitere jugendliche Somalier sollen vier bis fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis. Den zehn Männern wird vorgeworfen, im April 2010 das unter deutscher Flagge fahrende Containerschiff „Taipan“ gekapert zu haben. Nach 70 Verhandlungstagen und einer aufwendigen Beweisführung stellte Dopke fest: „Die Tatausführung entspricht dem typischen Erscheinungsbild der organisierten Piraterie.“ Ein Urteil wird innerhalb weniger Wochen erwartet.

Der Überfall hatte sich am Ostersonntag vor zwei Jahren 530 Seemeilen vor dem Horn von Afrika ereignet. Die schwer bewaffneten Angreifer hatten nach Zeugenaussagen das Schiff der Hamburger Reederei Komrowski geentert, konnten aber in einer Kommandoaktion von der niederländischen Marine überwältigt werden. Die Besatzung der „Taipan“ blieb unverletzt. Der Prozess im Hamburger OLG hatte im November 2010 begonnen.

Das Verfahren war von zahlreichen Hürden begleitet: Zunächst musste das Alter der Angeklagten geklärt werden. Einige der Männer hatten sich als deutlich jünger ausgegeben, als es nach den vom Gericht angeforderten forensischen Gutachten möglich erschien. Auch die Lebensumstände der Angeklagten im vom Bürgerkrieg geplagten Somalia spielten eine Rolle. Vor diesem Hintergrund verzichtete die Staatsanwaltschaft auf das Höchststrafmaß. Zugleich wollte sie das brutale Vorgehen der Angreifer und den entstandenen Schaden für die Reederei von über einer Million Euro geahndet sehen.

In Somalia hat der seit drei Jahrzehnten andauernde Bürgerkrieg die staatliche Ordnung zerstört. Seit einigen Jahren machen somalische Seeräuber die Gewässer vor der Ostküste Afrikas bis hin zu den Malediven unsicher. Zahlreiche Schiffe wurden samt Besatzung gekidnappt und teils erst gegen hohe Lösegeldzahlungen wieder freigegeben. Daran konnte auch der internationale Marine-Einsatz „Operation Atalanta“, an dem Deutschland beteiligt ist, wenig ändern.

Von

rtr

Kommentare (1)

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marcello_de_grande

25.01.2012, 16:06 Uhr

Die Amis haben bei verschiedenen Schiffsbefreiungen vorgemacht wie es geht: Zielen und Feuer frei!
Aber nein, wir nehmen die Piraten gefangen, verschiffen sie nach Deutschland, füttern sie in U-Haft durch, erstellen teure Verhandlungen, und am Ende kommen ein paar Grüne und appledieren für Asyl. Deutschland, das Land der Dummen.

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