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08.06.2017

05:19 Uhr

Pjöngjang

Nordkorea feuert erneut Raketen ab

VonMartin Kölling

Fünf Raketenstarts in knapp vier Wochen - Nordkorea zeigt militärische Stärke. Die US-Militärs reagieren besorgt, denn immer stärker erscheinen US-Truppen oder gar die USA als mögliche Ziele.

Trotz aktueller Spannungen

Erneuter Raketentest in Nordkorea

Trotz aktueller Spannungen: Erneuter Raketentest in Nordkorea

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SeoulDas Wort „Raketentest“ ist im Falle von Nordkoreas Raketenprogramm schon lange nicht mehr zutreffend. Das Stakkato von Raketenstarts, mit dem Nordkorea seit Monaten für Unruhe in Nordostasien sorgt, sehen Experten inzwischen mehr als militärische Übungen als das Ausprobieren neuer Technik. Die jüngste Salve vom Donnerstagmorgen stärkt diesen Eindruck.

Nach Angaben südkoreanischer Militärs feuerte der Norden an seiner Ostküste mehrere Boden-Schiff-Raketen in Meer. Es handelte sich um den fünften bekannten Test, seit Südkoreas Präsident Moon Jae-in Anfang Mai sein Amt angetreten hat.

Auf den ersten Blick war der erneute Verstoß gegen das Startverbot der Vereinten Nationen für Nordkoreas ballistische Raketen nur eine kleine Provokation. Lediglich 200 Kilometer weit flogen die Raketen. Aber die Entfernung ist in diesem Fall nicht entscheidend. Es handelt sich vielmehr um eine erneute Warnung an die USA, dass der Norden die USA zu See oder auch in der Ferne an Land angreifen kann.

Auch auf der Langstrecke macht das Land Fortschritte

Es ist nicht schwer, sich die imaginären Ziele der neuen Salve vorzustellen: Zwei US-Flugzeugträger, die US-Präsident Donald Trump als Machtdemonstration zur koreanischen Halbinsel geschickt hat. Und dies ist nicht alles: Bei einem vorherigen Schuss ins Wasser feierte Nordkorea die Genauigkeit seiner Raketen. Sie hätten das angepeilte Ziel nur um sieben Meter verpasst, so Nordkoreas Militärs.

Auch auf der Langstrecke macht das Land Fortschritte. Im Mai schoss der Norden eine Rakete steil in den Himmel und feierte danach den erfolgreichen Wiedereintritt einer Sprengkopfattrappe in die Erdatmosphäre. Dies wurde von westlichen Experten als wichtiger Schritt in der Entwicklung von Interkontinentalraketen gesehen, die Nordamerika erreichen können.

Trump, Nordkorea und Raketen – eine Chronik

28. Januar

Experten berichten, dass Nordkorea den umstrittenen Atomreaktor in Yongbyon wieder in Betrieb genommen habe.

Quelle: dpa

12. Februar

Pjöngjang testet eine ballistische Mittel-Langstreckenrakete. Bei Tausenden Kilometern Reichweite könnte sie einen Atomsprengkopf transportieren. Zur gleichen Zeit besucht der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe Trump in Washington.

1. März

Die USA und Südkorea beginnen ihre jährlichen gemeinsamen Militärübungen, die bis zum 30. April dauern sollen.

6. März

Nordkorea feuert vier ballistische Raketen ab – drei davon seien erst in der 200-Seemeilen-Zone vor Japan ins Meer gestürzt, heißt es aus Tokio. Nach Angaben nordkoreanischer Staatsmedien richtet sich die Übung gegen US-Stützpunkte in Japan.

7. März

Die US-Streitkräfte teilen mit, dass mit der umstrittenen Stationierung eines neuen Raketenabwehrsystems in Südkorea begonnen worden sei. Die ersten Elemente des Systems seien eingetroffen.

16.-19. März

Auf seiner Reise nach Japan, Südkorea und China erklärt US-Außenminister Rex Tillerson die bisherige „Politik der strategischen Geduld“ gegenüber Pjöngjang als gescheitert. Zwar sagt er, das Land müsse sich vor den USA „nicht fürchten“, schließt aber ein militärisches Vorgehen prinzipiell nicht aus. Die USA wollten in dem Konflikt enger mit China zusammenarbeiten.

22. März

Das südkoreanische Verteidigungsministerium teilt mit, dass dem nördlichen Nachbarn offensichtlich ein neuerlicher Raketentest misslungen sei. Nach Angaben von US-Medien scheint die Rakete „innerhalb von Sekunden nach dem Start explodiert zu sein“.

2. April

Trump kündigt in einem Interview der „Financial Times“ an, Nordkoreas Atomwaffenprogramm notfalls im Alleingang zu stoppen.

6. April

Beim Besuch des chinesischen Staatschefs Xi Jinping in den USA erklären beide Seiten, dass das nordkoreanische Atomprogramm ein „ernstes Stadium“ erreicht habe.

10. April

China und Südkorea kündigen bei weiteren Raketen- und Atomtests Nordkoreas neue Sanktionen an. Gleichzeitig droht Pjöngjang den USA wegen der Entsendung von Kriegsschiffen mit „härtesten Gegenmaßnahmen“. Die Volksrepublik sei für jede Art von Krieg bereit.

11. Aprl

Trump fordert China auf, seinen Einfluss auf Nordkorea geltend zu machen. „Andernfalls lösen wir das Problem ohne sie.“ Tags darauf lobt er China dafür, Schiffe mit Kohlelieferungen aus Nordkorea zurückgeschickt zu haben. Dies sei ein „großer Schritt“.

16. April

Von Entspannung keine Spur: Kurz vor der Ankunft von US-Vizepräsident Pence in Südkorea schießt Pjöngjang eine Rakete in den Himmel. Da sich Kim Jong-un von Drohungen unbeeindruckt zeigt, ist ein amerikanischer Schlag gegen Nordkoreas Atomanlagen nicht mehr undenkbar.

20. April

Die Anspannung zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten spitzt erneut sich zu. Während US-Außenminister Rex Tillerson gegen das Atom- und Raketenprogramm vorgehen will, spricht Nordkorea eine letzte Warnung aus und demonstriert in einer Videosimulation anlässlich der Geburtstagsfeier des Staatsgründers Kim Il-sung die Vernichtung der USA durch nordkoreanische Atombomben.
Kurz nach den Kriegsdrohungen ist in Pjöngjang ein US-Bürger in Gewahrsam genommen worden.

Der amerikanische Vize-Admiral James Syring, der für die Raketenabwehr der USA zuständig ist, erklärte am Mittwoch vor dem Verteidigungsausschuss des US-Repräsentantenhauses sogar, dass es inzwischen für das US-Militär obligatorisch sei, von einer direkten atomaren Bedrohung der USA durch Nordkorea auszugehen.

Er würde nicht sagen, dass die USA komfortabel der Bedrohung voraus seien, gab Syring zudem zu Protokoll. Nordkoreas Fortschritte in den vergangenen sechs Monaten würden ihn und andere sehr besorgen.

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