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19.05.2013

14:48 Uhr

Pjöngjang

Nordkorea testet weiter Kurzstreckenraketen

Trotz Sanktionen testet Nordkorea erneut Kurzstreckenraketen, nachdem Pjöngjang bereits Raketen in östliche Gewässer feuerte. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilt die Tests als Provokation. Die Lage ist angespannt.

Ein TV-Bericht über den Abschuss Nordkoreanischer Raketen: Die Raketen fielen ins Japanische Meer. ap

Ein TV-Bericht über den Abschuss Nordkoreanischer Raketen: Die Raketen fielen ins Japanische Meer.

SeoulUnbeirrt von internationalen Protesten hat Nordkorea am Wochenende weitere Kurzstreckenraketen getestet. Nach Berichten südkoreanischer Medien feuerte die Armee des kommunistisch regierten Landes an seiner Ostküste am Sonntag eine weitere Rakete kürzerer Reichweite ab, nachdem sie bereits am Samstag drei Flugkörper gestartet hatten. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Test als Provokation. Die USA erklärten in einer Reaktion auf die Raketenstarts, Drohungen oder Provokationen würden die internationale Isolation Nordkoreas nur verstärken. Die USA und auch Großbritannien forderten das Land zur Zurückhaltung auf.

Das Abfeuern nordkoreanischer Raketen ist zwar keine Seltenheit, doch die jüngsten Warnungen aus Pjöngjang vor einem Atomkrieg haben die Spannungen auf der Halbinsel angeheizt. Das südkoreanische Ministerium für Wiedervereinigung bedauerte den Test und forderte den Norden auf, zum Abbau der Spannungen beizutragen. Die beiden koreanischen Staaten sind auch 60 Jahre nach Ende der Kampfhandlungen noch immer im Kriegszustand.

UN-Generalsekretär Ban forderte den Verzicht auf weitere Tests. In einem Interview der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti rief er die Führung in Pjöngjang auf, die Atomgespräche mit den Weltmächten wiederaufzunehmen.

Nordkorea und seine Rakete

Was deutet auf einen bevorstehenden Test hin?

Das südkoreanische Verteidigungsministerium hat Geheimdienstberichte bestätigt, wonach Nordkorea mindestens eine Mittelstreckenrakete mit dem Zug an die Ostküste des Landes transportiert habe. Die Rakete wurde demnach bereits auf eine mobile Abschussvorrichtung montiert. Südkoreanische Medien berichteten, dass zwei Raketen an die Küste gebracht wurden.

Um was für Raketen handelt es sich?

Dazu äußerte sich das südkoreanische Verteidigungsministerium nicht genau. Es sprach lediglich von einer Mittelstreckenrakete mit "erheblicher Reichweite". Südkoreanische Medien berichteten unter Berufung auf Militär- und Regierungsvertreter, es handele sich um Raketen des Typs Mudusan.

Was ist über die Mudusan-Rakete bekannt?

Dieser Raketentyp wurde erstmals im Oktober 2010 bei einer Militärparade in Pjöngjang präsentiert. Die Sicherheitsberatungsfirma IHS Jane's ist der Ansicht, dass es sich um eine Mittelstreckenrakete mit einem einzelnen Sprengkopf handelt, die auf der Straße transportiert werden kann und mit flüssigem Treibstoff betrieben wird. Sie basiere auf der russischen R-27 und nutze auch Technik von Raketen des Typs Scud.

Welche Reichweite und Tragfähigkeit hat die Rakete?

Den Sicherheitsexperten zufolge kann die Rakete 2500 bis 4000 Kilometer weit fliegen. Damit könnte sie von Nordkorea aus mindestens Südkorea und Japan erreichen, möglicherweise aber auch US-Militärstützpunkte auf der Pazifikinsel Guam.

Kann die Rakete Nuklearsprengköpfe transportieren?

Das ist theoretisch möglich. Die meisten Experten sind allerdings der Ansicht, dass Nordkorea bislang nicht über die nötige Technologie verfügt, um Nuklearsprengköpfe auf Raketen zu montieren.

Gibt es Experten, die diesen Beschreibungen widersprechen?

Ja, und zwar zwei deutsche Experten. Markus Schiller und Robert Schmucker aus München sind der Ansicht, dass es die Mudusan-Rakete gar nicht gibt. Das im Oktober 2012 vorgeführte Modell sei lediglich eine Attrappe gewesen. Zwar sei ein Raketentest durchaus vorstellbar, meinen die beiden Experten. Doch dann würde höchstwahrscheinlich ein ausländisches Modell verwendet und kein in Nordkorea hergestelltes.

Pjöngjang führt regelmäßig Raketentests aus. Im März hatte Nordkorea zwei Kurzstreckenraketen, vermutlich vom Typ KN-02, an seiner Ostküste abgefeuert. Experten glauben, das abgeschottete kommunistische Land wolle damit die Zielgenauigkeit und Reichweite seiner Waffen verbessern. Vor kurzem hatte das Land nach Angaben der USA zwei für einen möglichen Test bestimmte Mittelstreckenraketen von der Startrampe abgezogen.

Die Regierung in Pjöngjang hatte im April die gemeinsamen jährlichen Frühjahrsmanöver von US-Streitkräften und südkoreanischem Militär als Anlass genommen, sogar mit einem Atomschlag zu drohen. Ein Berater des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe kehrte am Freitag von Gesprächen in Nordkorea zurück, ohne jedoch Details bekanntzugeben.

Nach Meinung von Analysten steckte hinter den Drohungen aus Nordkorea auch der Versuch, Washington zu Gesprächen über Hilfe im Gegenzug für eine Abrüstung zu bewegen. Nordkorea war zuvor für seinen jüngsten Atomwaffentest vom Februar von den Vereinten Nationen mit neuen Sanktionen bestraft worden.

Kommentare (1)

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20.05.2013, 10:58 Uhr

Die Raketen Nordkoreas sind nicht so interessant wie die Raketen die Assad besitzt. Es sei denn, Nordkorea liefert
direkt an Syrien Raketen oder aber über den Iran. Würde Israel ein Nachbar von Nordkorea sein, wäre wohl der Artikel hier als Dossier angelegt. Aber Nordkorea ist ein harmloses Thema aber mit Vorsicht, da ein Dreigespann Iran,Syrien,Iran viel Unruhe im Arabischen Raum verursachen könnte.

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