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05.03.2013

19:47 Uhr

Pläne für 2014

Lettland will das nächste Euroland werden

Schon seit 2004 ist Lettland EU-Mitglied – nun soll im nächsten Jahr der Beitritt zur Währungsunion folgen. Finanzminister Andris Vilks hat in Brüssel bereits wegen des nötigen Prüfberichtes angeklopft.

Eine Ein-Euro-Münze auf einer Europa-Karte. Reuters

Eine Ein-Euro-Münze auf einer Europa-Karte.

Brüssel/RigaLettland will Anfang 2014 als 18. Mitgliedsland der europäischen Währungsunion beitreten. Dazu hat Finanzminister Andris Vilks am Dienstag in Brüssel offiziell um den nötigen Prüfbericht der EU-Kommission zur Euro-Reife gebeten. Lettland mit der Landeswährung Lats (derzeit knapp 1,43 Euro) rund wäre der zweite baltische Staat in der Eurozone. Estland hat bereits seit 2011 den Euro. Litauen peilt die Mitgliedschaft 2015 an.

„Lettland hat beschlossen, dass es bereit ist, eine Konvergenzprüfung zu beantragen mit dem Ziel, im Jahr 2014 den Euro einzuführen“, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn nach einem Treffen der EU-Finanzminister. Er kündigte an, den Antrag gründlich und objektiv prüfen. Der Bericht werde vermutlich Anfang Juni vorliegen.

Lettland erfüllt nach eigenen Angaben seit September 2012 sämtliche Maastricht-Kriterien. Das bedeutet: Die laufende Staatsverschuldung darf Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) nicht übersteigen, die Gesamtverschuldung soll maximal 60 Prozent vom BIP betragen. Außerdem darf die Inflationsrate nicht mehr als 1,5 Prozentpunkte über dem Durchschnitt der drei preisstabilsten EU-Länder liegen. Zudem muss sich der Wechselkurs der Landeswährung stabil zeigen.

Vilks erklärte: „Die Erfüllung dieser Kriterien ist das Gütesiegel unserer Wirtschaft, und ich bin zuversichtlich, dass wir in der Lage sind, ihnen auch langfristig gerecht zu werden - durch eine geringe Staatsverschuldung, eine verantwortungsvolle Finanzpolitik und die Stärkung unseres Wettbewerbs.“

Die größten Schuldenmacher in der Euro-Zone

Irland

Das höchste Defizit in der Euro-Zone hat Irland. Es beträgt 8,3 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Griechenland

Rund 7,3 Prozent beträgt das Haushaltsdefizit Griechenlands für 2012.

Spanien

Der Krisenstaat auf der Iberischen Halbinsel kommt auf ein Haushaltsdefizit von 6,9 Prozent.

Slowakei

Platz vier unter den größten Schuldensündern belegt mit einem Defizit von 4,8 Prozent die Slowakei.

Portugal

Knapp hinter der Slowakei reiht sich Portugal ein: Hier schlägt 2012 ein Defizit von 4,7 Prozent des Bruttosozialprodukts zu Buche.

Frankreich

Mit Hilfe von Steuererhöhungen und Einsparungen will Frankreich sein Haushaltsdefizit im nächsten Jahr eindämmen. Dieses Jahr beträgt es noch 4,5 Prozent.

Niederlande

Rund 20 Milliarden Euro müssten die Niederlande sparen, um ihr Defizit unter drei Prozent zu drücken. Derzeit liegt es bei 4,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Slowenien

Auch Slowenien ringt mit steigender Verschuldung und schrumpfendem Wirtschaftswachstum. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 4,3 Prozent.

Zypern

„Sparen, kürzen, streichen“: So lautet auch das Motto in Zypern. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 3,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Der lettische Ministerpräsident Valdis Dombrovskis hatte schon am Montag in einem Brief um den Prüfbericht gebeten. Offiziell musste dies jedoch der Finanzminister in Brüssel beantragen.

Die „neuen“ EU-Länder in der Mitte und im Osten Europas hatten sich beim Beitritt verpflichtet, den Euro einzuführen, wenn sie die Kriterien dafür erfüllen. Wegen der schweren Schuldenkrise in einigen Euroländern und den damit verbundenen Turbulenzen hatten sich in den vergangenen Jahren die Kandidaten aber rar gemacht.

Von

dpa

Kommentare (4)

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flippah

05.03.2013, 23:43 Uhr

@Vicario

mit seiner stabilen, florierenden Wirtschaft wäre Polen ohne Zweifel eher ein Gewinn für den Euroraum.

Vicario

06.03.2013, 00:33 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

ich60

04.04.2013, 09:47 Uhr

... Lettland und der Euro - eine Entwicklung, die jene, die noch in diesem Land wohnen (besser geblieben sind!) mit sehr gemischten Gefühlen betrachten. Ja: Riga und andere große Städte sind schon eine Reise wert! dank Europa und IWF Aber: Was wissen wir "Ausländer" über solche wichtigen Fragen, wie:
die Altersstruktur - die meisten "schlauen" Jugendlichen Fachkräfte sind ausgewandert ....
die wirtschaftlichen Kapazitäten - vieles, was einen Wert hat, ist in litauischer Hand und Löhne und Gehälter der Beschäftigen reichen nicht zum Leben und sind zum Sterben zu viel ...
Rentenniveau. 50 Lat Staatsrente bei einem monatlichen Obolus für Wasser und Strom von bis zu 150 Lat (2-Raum-Wohnung) und 1Lat für eine kurze Busfahrt ...
Ich meine, wenn Lettland "kommt" sollten wir gleich einen Rettungsschirm füre die kommenden 20 jahre als Begrüßungsgeschenk überreichen ....
(p.s. ich spreche täglich mit Letten aus Lettland..)

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