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27.06.2013

10:04 Uhr

Pleitewelle in Chinas Kommunen

Auf den Boom folgt der Crash

VonFinn Mayer-Kuckuk

Prachtbauten auf Pump: Billiges Geld hat die Stadtväter in China zu exzessiven Ausgaben verführt. Die Folge ist laut Analysten die „größte Schuldenblase in der Geschichte der Menschheit“ – und ein schmerzhafter Sparkurs.

Bauprojekte in Hefei: „Immer hoch hinaus“ war auch hier das Motto. AFP

Bauprojekte in Hefei: „Immer hoch hinaus“ war auch hier das Motto.

PekingDie Stadt Ordos hat jahrelang geklotzt, nicht gekleckert. Eine Dreiviertelstunde vom alten Zentrum entfernt hat die örtliche Regierung ein komplett neues Stadtviertel errichten lassen – mit Wohnungen für 300.000 Bürger, Opernhaus, Museum und weiträumigen Parks. Das Stadtbild ist wunderbar aufgeräumt, barrierefrei angelegt und mit Statuen dekoriert. Die Auslastung dagegen: bisher katastrophal gering. Neun von zehn Wohnungen stehen leer. Auf vielen der vierspurigen Straßen fährt stundenlang kein Auto. Die Ampeln blinken unbeachtet vor sich hin.

Die immensen Kosten der Fehlplanung beginnen sich nun zu rächen. Denn die Stadt hat in Erwartung regen Zuzugs rund 130 Milliarden Euro ausgegeben. Statt immer das zu bauen, was gerade gebraucht wird, wollte sie alles auf einmal errichten. Nun finden sich keine Käufer – und die Stadt bleibt auf den Kosten sitzen. Das Schlimmste daran: Das Wunder ist auf Pump finanziert. Die Zinsen drohen die örtlichen Finanzen zu erdrücken. In der zuständigen Provinz Innere Mongolei stehen einem Budget von 70 Milliarden Yuan für Januar bis Mai Ausgaben in Höhe von 120 Milliarden Yuan gegenüber. Zahlreiche Beamte in Ordos erhalten ihre Gehälter derzeit stärk verspätet, wie örtliche Medien berichten.

So wie die Innere Mongolei stehen immer mehr Provinzen und Gemeinden in China dicht vor der endgültigen Pleite. Dabei handelt es sich um die Folge einer Mischung aus überschäumendem Optimismus und Zugang zu allzu billigen Darlehen.

Seit 2008 haben Chinas Banken die Kreditvergabe jährlich um eine Summe ausgeweitet, die einem Drittel der jährlichen Wirtschaftsleistung des ganzen Landes entspricht. Die Kommunen haben begeistert zugegriffen. Kluge Gesetze verbieten es ihnen zwar, sich über Bankkredite zu finanzieren. Doch die Stadtoberen haben zum Teil einfach Scheinfirmen gegründet. So konnten sie das Geld über Mittelsmänner aufnehmen.

Das Problem hat landesweit gigantische Ausmaße angenommen. Die Ratingagentur Fitch schätzt die Verschuldung der chinesischen Gemeinden auf 13 Billionen Yuan (1600 Milliarden Euro). „Dazu kommen vermutlich noch erhebliche versteckte Verbindlichkeiten“, warnen Fitch-Analysten. Es fehle überall an Transparenz.

Kommentare (20)

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TomXXX

27.06.2013, 10:46 Uhr

Es kann ja auch nicht sein, was nicht sein darf. China hat enorme Reserven! Woher will die Frau das denn wissen.

Die Wahrheit ist doch, dass Chinas Wirtschaftsleistung seit der Wirtschaftskrise zu einem Drittel aus Geld drucken besteht. Ich kann mich erinnern, dass es zum Höhepunkt der Krise sogar die Hälfte war. Wie man da annehmen kann, dass Reserven bestehen?

Vor einigen Jahren gab es Berichte, dass China einen hohen Abfluss von Geldmitteln durch Beamte hat, die sich ins Ausland abgesetzt haben. Solche Korrekturzahlen gab es in den offiziellen Statistiken aber nie.

Auch habe ich nie gehört, dass es in China Abschreibungen auf Verluste in Investitionen im Ausland gab. War da nicht was mit amerikanischen Immobilien?

Es gibt ja bei uns auch eine Richtung der Wirtschafts"wissenschaft" die behauptet so etwas wäre ohne Auswirkungen solange es keiner bemerkt (alles reine Psychologie). So eine Wahrnehmung trifft dann auf ein Land mit maximaler Zensur. Das Ergebnis ist klar, dieses Land ist absolut erfolgreich, bis fast einschließlich am letzten Tag. Der Zusammenbruch kommt dann schnell und unerwartet wie auch im ganzen Ostblock. Aber niemand hätte das wissen können...

TomXXX

27.06.2013, 11:01 Uhr

Noch ein so schönes Beispiel:

Gerade erfahren wir einiges über alarmierende Fakten aus China. Gestern im Handelsblatt Blog:

Die Unruhen in China fangen erst an Juni 25, 2013, Autor: Finn Mayer-Kuckuck

Und heute, 1 Stunde alt auf Handelsblatt.com:

Die Ölpreise haben am Donnerstagmorgen zugelegt. Zuletzt wurde West Texas Intermediate WTI mit Liefertermin August bei 96,03 Dollar je Barrel 0,6 Prozent höher notiert. Brent-Öl wurde mit 102,30 Dollar festgestellt und damit 0,6 Prozent teurer. Dabei halfen Wirtschaftsdaten aus China, dem zweitgrößten Ölverbraucher weltweit. Die Gewinne in der chinesischen Industrie waren im Mai 15,5 Prozent zum Vorjahr gestiegen.

Wer glaubt eigentlich wirklich, dass die Zahl mit der chinesischen Industrie auf irgendwelchen Fakten beruht? Da hat einfach die Zensur des Landes eine positive Nachricht gebraucht. Das ganze geht über die Newsticker und die automatischen Programme zum Hochfrequenzhandel werten das aus und fangen an Kauforders zu plazieren...

Das kann nicht auf Dauer gut gehen.

Account gelöscht!

27.06.2013, 11:04 Uhr

Ich hab´s schon mehrmals empfohlen - "Acht Jahrhunderte Finanzkrisen" von Rogoff et aliae

Schon komisch, dass sich das gleiche Muster immer und immer wiederholt und keiner lernt daraus. 2-Stufiges Geldsystem, Fractional Reserve Banking, Giralgeldschöpfung als wenn es kein Morgen gäbe, Wenige werden absurd reich, Viele profitieren, enorme Geldmengenausweitung, Boom, Blase, die Blase nährt die Blase...Crash

Aktiva in den Bilanzen halbieren sich von heute auf morgen, Passiva/Verbindlichkeiten bleiben in voller Höhe stehen, Eigenkapital wenig bis gar keins, Credit Crunch, Bankenpleite, Dominoeffekt, drohende Staatspleite....

Und alle sind wieder so dermaßen überrascht...wie konnte das nur passieren, es konnte ja keiner wissen, wie hätten wir das nur voraussehen können.

Das was heute wirklich anders ist, ist dass die Größenordnung heute GLOBAL heißt und es eine Grenze gibt, ab der das Banken-Downfall-Domino nicht mehr durch Schuldensozialisierung aufgefangen werden kann, knallen die Dominosteine durch, gibt es eine globale finanznukleare Kettenreaktion...

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