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05.01.2005

12:09 Uhr

PLO-Chef Mahmoud Abbas nähert sich rhetorisch bewaffneten Milizen an

Der rätselhafte Favorit im Palästinenser-Wahlkampf

VonPierre Heumann (Handelsblatt)

Sein weißes Haar leuchtet hinter den kugelsicheren Scheiben des schwarzen Mercedes’. Mahmoud Abbas ist unterwegs zu einer Wahlkampfveranstaltung im Fußballstadium der Westbankstadt Kalkilia. Als sein Tross über den Rasen zum Podium rollt, winkt er den 4 000 Menschen auf dem Spielfeld lächelnd zu.

KALKILIA. Es ist das Lächeln eines siegessicheren Favoriten. Dass der Ex-Premierminister bei der Präsidentenwahl in Palästina am kommenden Sonntag zum Nachfolger von Jassir Arafat gekürt wird, dürfte dem PLO-Chef kaum noch zu nehmen sein.

Doch wofür Abbas steht, verschwimmt immer mehr. Bisher galt er als gemäßigt, spielte 1993 eine wichtige Rolle bei den Friedensvereinbarungen von Oslo und nannte als erster Palästinenserführer die Intifada – den Aufstand gegen Israel – einen Fehler. Nun zeigt er sich immer öfter mit den Militanten und attackiert Israel. Gestern nannte er Israel nach einem israelischen Granatenangriff im Gazastreifen, bei dem acht Palästinenser getötet wurden, den „zionistischen Feind“.

Der rätselhafte Kandidat sorgt in Jerusalem für zunehmende Nervosität. Entpuppt sich Abbas, den Israel anfangs als verlässlichen Partner begrüßt hatte, doch als Kopie Arafats? Oder biedert er sich bei den Militanten nur an, um seinen Sieg abzusichern? Will er nur bei den Palästinensern das Vorurteil ausräumen, er sei ein Lakai der USA und Israels? Anders als Arafat, der in den letzten Jahren international weitgehend isoliert war, genießt Abbas bisher das Vertrauen der USA. Auch in Israel hat der 69 - Jährige gute Freunde.

Abbas weiß: Die Erwartungen der Palästinenser an ihren Präsidenten sind hoch. „Abbas als Präsident, auf dem Weg von Jassir Arafat“, steht auf Flugblättern, die Wahlhelfer im Stadion von Kalkilia verteilen. Eine kräftige Palästinenserin im bunt bestickten Kleid klaubt aus ihrer Tasche ein Foto hervor und drängt sich zu Abbas’ Wagen, der von Polizisten flankiert wird. „Mein Ahmed ist seit zwei Jahren im israelischen Gefängnis“, schreit die Frau Abbas zu und schwenkt das Bild ihres Sohnes. „Er hat nichts getan, er muss befreit werden!“

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