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12.09.2013

02:29 Uhr

Plutonium-Produktion

Nordkorea nimmt Atomreaktor wieder in Betrieb

Nach Auswertung von Luftbildern kommt ein US-Institut zu dem Schluss, dass Nordkorea einen Atomreaktor wieder in Betrieb genommen hat oder kurz davor steht. Es ist die einzige Plutonium-Produktionsstätte des Landes.

Satellitenaufnahme des Atomreaktors Yongbyon 100 Kilometer nördlich von Pjöngjang (Archiv). Reuters

Satellitenaufnahme des Atomreaktors Yongbyon 100 Kilometer nördlich von Pjöngjang (Archiv).

WashingtonNordkorea fährt nach Angaben eines US-Forschungsinstituts offenbar einen 2007 abgestellten Atomreaktor wieder hoch. Dies bewiesen Satellitenbilder vom 31. August, meldete die Johns-Hopkins-Universität am Mittwoch. Sie zeigten weißen Dampf, der aus einem Gebäude in der Nähe der Halle aufsteige, in der Nordkoreas wohl einzige Plutonium-Produktion untergebracht sei. Farbe und Dichte des Dampfes deuteten darauf hin, dass der Reaktor fast oder vollständig im Einsatz sei, hieß es in einer Analyse des Instituts. Dort könnten bis zu sechs Kilogramm Plutonium jährlich produziert werden. Yongbyon ist seit Jahren nicht mehr am Netz. 2008 hatte die Regierung in Pjöngjang den Kühltank zerstört.

Eine Wiederinbetriebnahme des Fünf-Megawatt-Reaktors könnte die Sorgen des Westens über das nordkoreanische Atomprogramm wieder steigen lassen. Pjöngjang hatte inmitten seiner Drohungen gegen die USA und Südkorea im April auch angekündigt, den Reaktor wieder zu starten, der im Rahmen einer Abrüstungsvereinbarung heruntergefahren worden war. Zuletzt waren aber wieder versöhnliche Signale aus Nordkorea gekommen.

Ohne Zugang zu der geheimen Anlage ist es kaum möglich , mit Sicherheit zu sagen, ob sie tatsächlich wieder im Einsatz ist, meldete das US-Korea-Institut der Johns-Hopkins-Universität.

Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Victoria Nuland, hatte die Ankündigung Pjöngjangs, den Reaktor wieder zu starten, im April als „äußerst beunruhigend“ bezeichnet, aber hinzugefügt: „Es ist ein weiter Weg von einer erklärten Absicht bis dahin, es tatsächlich zustande zu bringen.“ Das State Department äußerte sich zunächst nicht zu dem neuen Bericht.

Nordkorea hat seit 2006 drei Atomtests vorgenommen. Im April hatte die Regierung angekündigt, Yongbyon wieder in Betrieb zu nehmen. Atomexperten vermuteten, dass Nordkorea dafür etwa ein halbes Jahr benötigen würde.

Kommentare (2)

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12.09.2013, 03:13 Uhr

Nordkorea macht sich das Zähnefletschen Obamas in Syrien zunutze.

Der Köter kann nicht an zwei Stellen gleichzeitig zubeißen.

hanji

12.09.2013, 18:04 Uhr

Andere Interpretation: Immer wenn die Koreaner Süd & Nord an entspannungspolitischen Maßnahmen arbeiten, wie von 2000-2001 oder jetzt bei der Wiedereröffnung von Kaesong, donnert US-Propaganda aus allen Kanälen mit unbelegbaren oder banalen "Enthüllungen". In den letzten Wochen war es das koreanische Sprachrohr des CIA, die berüchtigte rechtsreaktionäre Tageszeitung "Chosun Ilbo", die den Jungdiktator als Massenmörder und Milliardenversprasser verleumdete. Dann die US-gesteuerte UN-Kommission mit ihrer PR-trächtigen Event in Seoul über die Gulags in Nordkorea. Dort wurden nur längst bekannte Opferberichte wiedergekäut. Und jetzt bei der Unterzeichnung des Kaesong Deals wird die Atomkeule herausgezogen; von einem außenpolitisch völlig neutralen und friedensliebenden US-Institut natürlich. Was wäre die aufgeblähte US-Rüstungsindustrie angesichts eines entspannten oder gar wiedervereinigten Koreas!

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