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04.11.2016

11:35 Uhr

Polemische TV-Debatte

Frankreichs Konservative kreisen um sich selbst

VonThomas Hanke

Die konservativen Kandidaten für das Amt des französischen Staatspräsidenten trafen am Donnerstag zur zweiten Debatte aufeinander. Dabei ging es lebhafter zu als bei der ersten Debatte, klare Ergebnisse blieben aber aus.

Die Präsidentschaftskandidaten des konservativen Flügels, Bruno Le Maire, Nathalie Kosciusko-Morizet, Ex-Staatspräsident Nicolas Sarkozy, Jean-Frédéric Poisson und Jean-Francois Cope (v. l.) trafen am Donnerstag zur zweiten TV-Debatte zusammen. Nicht auf dem Bild: Ex-Premierminister Alain Juppé und Francois Fillon. AFP; Files; Francois Guillot

TV-Debatte

Die Präsidentschaftskandidaten des konservativen Flügels, Bruno Le Maire, Nathalie Kosciusko-Morizet, Ex-Staatspräsident Nicolas Sarkozy, Jean-Frédéric Poisson und Jean-Francois Cope (v. l.) trafen am Donnerstag zur zweiten TV-Debatte zusammen. Nicht auf dem Bild: Ex-Premierminister Alain Juppé und Francois Fillon.

ParisLebhafter, polemischer, mehr Kontroversen: Die zweite Debatte der konservativen Kandidaten zur Primärwahl des Präsidentschaftskandidaten war weniger steif als die erste. Am Donnerstagabend trauten die Kandidaten sich, ihre Mitbewerber zur Rede zu stellen oder zu kritisieren. Dennoch bewegten sich alle in einem engen, sorgfältig abgesteckten Zirkel, keiner fiel auf durch neue Positionen, jeder wiederholte sein bereits zu Genüge bekanntes Programm, das vor allem die Innenpolitik betrifft. Und da gibt es in den großen, entscheidenden Fragen nur wenig Gegensätze zwischen den sechs Männern und der einen Frau, die sich den Konservativen zur Wahl des Kandidaten stellen.

Für Ex-Präsident Nicolas Sarkozy ging es bei der Diskussion darum, den Abstand zum in Führung liegenden Ex-Premier Alain Juppé zu verringern. Auch wenn es sieben Kandidaten gibt: Die einzigen mit Siegeschancen sind Sarkozy und Juppé. In Wahrheit ist die Primärwahl Ende November ein Duell der beiden. In jüngsten Umfragen kommt Sarkozy auf 31 Prozent, Juppé auf 37 Prozent. Vor zwei Wochen war der Abstand noch deutlich größer.

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Um sein Ziel zu erreichen, setzte Sarkozy auf eine Selbstinszenierung als „primus inter pares“. Mit Aussagen wie „ich war Staatspräsident, ich weiß, wie hart diese Aufgabe ist, wie alleine man ist bei bestimmten Entscheidungen“ oder „das sind äußerst ernsthafte Fragen, da muss man die Dossiers sehr genau kennen“ setzte er sich in Szene. Gönnerhaft behandelte er seine Mitbewerber als wären sie seine Mitarbeiter: „Ihr wart alle loyale Minister.“

Die allerdings schlugen zurück, indem sie Sarkozys Bilanz kritisierten: „Die Steuern und die Schulden erhöht, die innere Sicherheit vernachlässigt, da wurden viele Fehler gemacht“, kritisierten Jean-Francois Copé, früherer Finanzminister, und Bruno Le Maire, Europaminister unter Sarkozy. Der behandelte ihn wie einen Schuljungen: „Aber Bruno, damals hast Du nichts gesagt, bist nicht aus der Regierung ausgetreten, Du wolltest sogar Premierminister werden.“

Juppé schaute sich die Hakeleien zwischen Sarkozy und seinen früheren Ministern in aller Ruhe an, wohl wissend, dass ihm das nur nützen kann. Er präsentierte sich einmal mehr als der Politiker, der die Franzosen sammeln wollen, wo andere – Sarkozy war gemeint – sie spalteten. In Bedrängnis kam er nur bei der Frage, ob er zu nachgiebig sei gegenüber einem Politiker der Mitte, Francois Bayrou, der ihn unterstützt, 2012 aber zur Wahl Hollandes aufgerufen hat.

Sarkozy sieht hier einen Ansatzpunkt, um Juppé ein Aufweichen konservativer Positionen vorzuwerfen. Selber gibt er sich als knallharter Rechter, in dem Kalkül, Stimmen von der rechtsextremen Front National abzuwerben. Sarkozys Forderungen lösen teilweise Verwunderung aus: So will er Schulabbrecher zwangsweise in die Armee stecken.

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