Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.09.2014

18:05 Uhr

Polen und Deutschland rücken zusammen

Seite an Seite gegen russische Aggression

Das Gedenken an den deutschen Überfall auf Polen wird zur Mahnung vor einem neuen Krieg in Europa. Auf der Westerplatte warnt Bundespräsident Gauck vor Russland – und fordert eine entschlossene Reaktion des Westens.

Bundespräsident Joachim Gauck nimmt auf der Gedenkfeier zum 75. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs ein Grablicht entgegen. dpa

Bundespräsident Joachim Gauck nimmt auf der Gedenkfeier zum 75. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs ein Grablicht entgegen.

WesterplatteBundespräsident Joachim Gauck hat eine entschlossene Reaktion des Westens auf die russische Aggression gegen die Ukraine angekündigt. „Wir werden Politik, Wirtschaft und Verteidigungsbereitschaft den neuen Umständen anpassen“, sagte er am Montag laut vorab verbreitetem Redetext bei der zentralen polnischen Gedenkfeier an den deutschen Überfall vor 75 Jahren und den Beginn des Zweiten Weltkriegs. Von Moskau verlangte er bei dem Auftritt mit seinem polnischen Amtskollegen Bronislaw Komorowski auf der Westerplatte bei Danzig, sich wieder an das Völkerrecht zu halten.

Bereits am frühen Morgen hatte der polnische Regierungschef und künftige Vorsitzende des EU-Rates Donald Tusk dafür plädiert, auf dem Nato-Gipfel in wenigen Tagen das Bündnis zu stärken. „Wenn wir heute auf die Tragödie der Ukrainer blicken, auf den Krieg im Osten unseres Kontinents, dann wissen wir, dass der September 1939 sich nicht wiederholen darf. Heute ist noch Zeit, denen Einhalt zu gebieten, für die Gewalt zum Arsenal ihres Handelns gehört“, sagte er auf dem Gedenkappell auf der Halbinsel Westerplatte um 4.45 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt waren am 1. September 1939 die ersten Schüsse des Zweiten Weltkriegs gefallen.


Was ist „Neurussland“?

Neuer Streit um ein historisches Gebiet

In der Ostukraine haben prorussische Separatisten im Mai ihre „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk zu „Neurussland“ vereinigt. Auch Russlands Präsident Putin verwendete mehrfach diese Bezeichnung. Sie hat einen historischen Ursprung.

Feldzüge gegen Türken

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde ein Militärbezirk nördlich des Schwarzen Meeres so genannt. Neurussland reichte damals von Bessarabien (heute die Republik Moldau) bis zum Asowschen Meer. Zentrum war Krementschuk, etwa 300 Kilometer südöstlich von Kiew. Zur Zeit der Feldzüge gegen die Türken und das Krim-Khanat sollte die Ansiedlung russischer und ukrainischer Bauern sowie ausländischer Siedler das Grenzgebiet stabilisieren.

Auflösung nach Eroberung der Krim

1764 bildete Zarin Katharina die Große das „Neurussische Gouvernement“. Nach der Eroberung der Krim verlor Neurussland seine strategische Bedeutung und wurde rund 20 Jahre nach der Gründung wieder aufgelöst. Zar Paul I. bildete 1796 erneut ein kurzlebiges Verwaltungsgebiet Neurussland um den Hauptort Noworossisk, dem heutigen Dnjepropetrowsk.

Deutsche Siedler

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde ein russisches „Generalgouvernement Neurussland-Bessarabien“ geschaffen. Von 1818 bis etwa 1880 wurden wieder ausländische Siedler angeworben. Auch aus deutschsprachigen Gebieten kamen viele Menschen in die Steppen Neurusslands. Die Dörfer dieser „Schwarzmeerdeutschen“ existierten bis zu den Deportationen in der Stalin-Zeit.


Gauck sagte, nach dem Fall der Mauer hätten die Europäische Union, die Nato und die Gruppe der großen Industrienationen Russland auf verschiedene Weise integriert. „Diese Partnerschaft ist von Russland de facto aufgekündigt worden.“ Grundlage der nach wie vor erhofften guten Nachbarschaft müsse eine Rückkehr Russlands „zur Achtung der Prinzipien des Völkerrechts sein.“

Der Westen stelle sich „jenen entgegen, die internationales Recht brechen, fremdes Territorium annektieren und Abspaltung in fremden Ländern militärisch unterstützen“, sagte Gauck. Die Geschichte lehre, „dass territoriale Zugeständnisse den Appetit von Aggressoren oft nur vergrößern“. Polen und Deutschland sieht Gauck Seite an Seite: „Gemeinsam nehmen wir die besondere Verantwortung an, die uns in den Konflikten in unserer Nachbarschaft zugewachsen ist.“

Kommentare (51)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Drittes Auge

01.09.2014, 18:26 Uhr

"Das Gedenken an den deutschen Überfall auf Polen wird zur Mahnung vor einem neuen Krieg in Europa."

Wenn das ernst gemeint wäre, wo sind dann die Beweise zu den russischen Panzern, auf die nun ab heute angefeuert von allen "relevanten" Medien zurückgeschossen werden soll? Bis dahin ist es nichts anderes als Gleiwitz-Propaganda.

Hoffentlich gehen die Hurraptrioten in den Medien, die sich solche Schwarz-Weiß-"Märchen" ausdenken und den Ernst der Lage nicht wirklich zu begreifen scheinen, zuerst an die Ostfront, wenn sie ihr Ziel erreicht haben und es ernst wird und sie für ihre -in meinen Augen fatale Einfältigkeit- die Rechnung präsentiert bekommen.

Herr Klaus Grelle

01.09.2014, 18:32 Uhr

Handelsblatt, ich höre nichts von der Gefahr der Waffenlieferungen an die Kurden, die, wie ich meine, eklatant gegen die Interessen eines Teils der Kurden selbst und gegen bedeutsame Interessen der Türken verstoßen. Der PKK-Chef sitzt im türkischen Gefängnis und wird seine Mannen bestimmt in eine andere Richtung dirigieren, als es der Westen so gerne hätte. Ich glaube, die Unruhen werden zunehmen - bis bald jeder gegen jeden kämpft.
Und Polen..? Polen wird in einer Auseinandersetzung WEST/OST zerstört - ob das die Merkel vielleicht sogar im Hinterkopf hat..? Da Deutschland keine Waffen in den Osten für die NATO liefern wird, so der derzeitige Tenor, dürfte Deutschland vielleicht verschont werden. Der große Dumme wird Donald Tusk und sein Polen sein, die sich wie kleine Wichtigtuer total überschätzen und sich wie dumme Schuljungen im Mittelpunkt ihres Schulhofes gegen Russland in Stellung bringen..! Das kann nicht gutgehen..!

Herr Horst Hamacher

01.09.2014, 18:32 Uhr


Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×