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18.02.2016

13:29 Uhr

Polen

Walesa soll Geheimdienst-Spitzel gewesen sein

War Lech Walesa ein Spitzel? Die Vorwürfe gegen Polens Ex-Präsidenten sind nicht neu. Doch nun sollen neue Beweise vorliegen. Sie wurden im Haus des Friedensnobelpreisträgers gefunden – doch der bestreitet die Echtheit.

Als Gewerkschaftsführer hat Walesa das Ende des Kommunismus in Polen vorangetrieben – nun werden erneut Spionage-Vorwürfe gegen Walesa laut. dpa

Solidarnosc-Anführer

Als Gewerkschaftsführer hat Walesa das Ende des Kommunismus in Polen vorangetrieben – nun werden erneut Spionage-Vorwürfe gegen Walesa laut.

WarschauDer frühere polnische Präsident und Solidarnosc-Gründer Lech Walesa soll während der kommunistischen Herrschaft ein bezahlter Informant des Geheimdienstes gewesen sein. Das gehe aus einer von Walesa unterzeichneten Verpflichtungserklärung und weiteren neu aufgetauchten Dokumenten hervor, erklärte das Institut für Nationales Gedenken am Donnerstag in Warschau. Der 72-jährige Friedensnobelpreisträger selbst stritt die Vorwürfe ab. „Es können keine Dokumente von mir existieren. Ich werde das vor Gericht beweisen.“

Walesa, der an der Spitze der Gewerkschaft Solidarnosc das Ende des Kommunismus in Polen vorangetrieben hatte, war bereits im Jahr 2000 von einem Sondergericht vom Vorwurf der Spitzeltätigkeit freigesprochen worden. Damals gestand er zwar ein, dass er sich schriftlich zu einer Tätigkeit als Informant bereit erklärt habe. Er habe aber nie Informationen an den Geheimdienst weitergebeben, versicherte er.

Der Leiter des Instituts für Nationales Gedenken, Lukasz Kaminski, sagte jetzt, in den neu gefundenen Unterlagen gebe es auch mehrseitige Berichte und Quittungen für Geldzahlungen, die von Walesa gegengezeichnet worden seien. Die 279 Seiten, die im Haus des letzten kommunistischen Innenministers, Czeslaw Kiszczak, gefunden worden seien, seien offensichtlich authentisch, sagte Kaminski. Die Spitzeltätigkeit Walesas mit dem Codenamen „Bolek“ umfasste demnach die Jahre 1970 bis 1976.

Es seien noch weitere Untersuchungen von Historikern nötig, bevor die Dokumente für die Öffentlichkeit freigegeben würden, sagte Kaminski. Zudem gebe es noch fünf weitere Pakete mit beschlagnahmten Akten, die noch gar nicht geöffnet worden seien.

Die Witwe von Ex-Innenminister Kiszczak hatte die Dokumente dem Institut am Dienstag für umgerechnet 20.000 Euro zum Kauf angeboten. Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte sie noch am gleichen Tag zum Zwecke der geschichtlichen Aufarbeitung.

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Wie auch in anderen Ländern des Ostblocks war die Staatssicherheit in Polen ein bei vielen verhasstes Instrument, um Andersdenkende unter Kontrolle zu halten. Kritiker der kommunistischen Führung wurden mit ausgespitzelten Informationen, aber auch mit frei erfundenen Vorwürfen erpresst und diskreditiert. Experten mahnen deshalb dazu, dass jegliche belastende Dokumente aus dieser Zeit genau auf ihre Echtheit überprüft werden müssten.

Walesa war die Ikone der polnischen Demokratiebewegung. Die aus Arbeiterprotesten heraus entstandene Solidarnosc gründete er im Jahr 1980, also nach der Zeit, in der er als Spitzel tätig gewesen sein soll. 1983 erhielt er für seinen friedlichen Einsatz für demokratische Grundrechte in seinem Land den Friedensnobelpreis. Von 1990 bis 1995 war er Präsident Polens.

Von

ap

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