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31.10.2015

15:38 Uhr

Polens Nationalkonservative

Hoffnung und Skepsis im Hinterland

Heimat, Kirche, Tradition – dafür stehen die polnischen Nationalkonservativen. In den Dörfern Ostpolens haben sie ihre Stammwählerschaft. Die eigenen Sorgen und Probleme bestimmen hier die Entscheidung an der Wahlurne.

An Zäunen im polnischen Örtchen Kulesze Koscielne hängen Wahlplakate. dpa

Nach der Wahl in Polen

An Zäunen im polnischen Örtchen Kulesze Koscielne hängen Wahlplakate.

Kulesze KoscielneDie Bewohner von Kulesze Koscielne warten auf eine bessere Zukunft. Auf das Ende der Landflucht ihrer Jugend und ein bisschen mehr Wohlstand. Für die Menschen in der Ortschaft gut 240 Kilometer nordöstlich von Warschau ändert sich die Welt mit dem Sieg der Nationalkonservativen bei der Parlamentswahl in Polen kaum.

Bei Gesprächen im Ort wird schnell deutlich: Es sind die eigenen Alltagssorgen und Probleme, die bei der Entscheidung an der Wahlurne eine Rolle gespielt haben. Selbst die Debatte über die Aufnahme von Flüchtlingen erhitzt die Gemüter nicht. „Ich finde, man soll jedem Menschen mit Respekt begegnen, egal, woher er kommt“, sagt die Ladenbesitzerin Maria Kulesza. „Aber Polen ist ein armes Land und hier bei uns haben so viele mit Problemen zu kämpfen. Wenn wir schon damit nicht fertig werden – wie können wir dann diesen Menschen helfen?“

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Für den parteilosen Bürgermeister Jozef Grochnowski war der Wahlausgang in dem nordostpolnischen Dorf keine Überraschung. „Hier wurde schon immer rechts gewählt“, sagt der 60-Jährige und fährt sich durch das kurz geschnittene angegraute Haar. „Die Leute hier im Dort sind konservativ, legen Wert auf Tradition. Manche Familien bewirtschaften ihren Hof seit 600 Jahren von Generation zu Generation.“

Kulesze Koscielne mit seinen 3300 Einwohnern ist kein Einzelfall: In nahezu der ganzen Region Podlasie setzten sich die PiS-Kandidaten durch. Lediglich in den Wahlbezirken, in denen Angehörige der litauischen oder der weißrussischen Minderheit leben, fanden Kandidaten anderer Parteien eine Mehrheit. Nicht zum ersten Mal, sagt Radoslaw Poniat von der Universität Bialystok: „Die Minderheiten unterstützen Parteien, die nicht so sehr den national-katholischen Blick haben.“

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Hanna Wlostowska, die auf dem Gemeindeamt arbeitet, hat gleich zwei Erklärungen dafür, dass im Ort regelmäßig mehr als 90 Prozent der Menschen der PiS ihre Stimme geben: „Unser Staroste (Bezirksvorsteher) sitzt für die PiS im Parlament. Da spielt für viele eine Rolle, dass er einer aus der Region ist.“

Aber das sei noch nicht einmal der Hauptgrund, meint sie: „Parteien und ihre Politik sind für viele nicht so wichtig wie die Religion. Der Pfarrer ruft zwar nicht dazu auf, eine bestimmte Partei zu wählen. Aber er empfiehlt, für eine Partei zu stimmen, die den Geboten der Kirche folgt, die Patriotismus und Tradition pflegt.“

Sie lächelt verschwörerisch. „Er muss da keinen Namen nennen. Jeder weiß Bescheid.“ Patriotismus, Katholizismus, Tradition – das sind in der Tat Werte, die von PiS-Politikern nicht nur im Wahlkampf gerne beschworen werden.

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