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26.08.2013

07:27 Uhr

Polit-Skandal in China

Staatsanwaltschaft fährt hartes Geschütz gegen Bo auf

Justizexperten erwarten ein hartes Urteil gegen den früheren chinesischen Politstar Bo Xilai. Im Korruptionsprozess hat die Staatsanwaltschaft seine Vergehen als „äußerst schwerwiegend“ bezeichnet.

Prozess

Strenge Strafe für Bo Xilai gefordert

Prozess: Strenge Strafe für Bo Xilai gefordert

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JinanIm Korruptionsprozess gegen den früheren chinesischen Politstar Bo Xilai hat die Staatsanwaltschaft die ihm zur Last gelegten Verbrechen am Montag als „äußerst schwerwiegend“ bezeichnet. Es seien zudem „keine mildernden Umstände, die eine Strafmilderung rechtfertigen würden“, erkennbar, hieß es in Mitschriften des Gerichts in der ostchinesischen Stadt Jinan. Zudem hieß es, Bo habe sich weiterhin nicht voll schuldig bekannt.

Wenn vor chinesischen Gerichten von besonders schweren Vergehen die Rede ist, sind damit nicht selten Todesurteile verbunden. Wann in dem mit Spannung verfolgten Prozess ein Urteil fällt, ist aber noch unklar. Eigentlich hätte das von Justizexperten als Schauprozess bewertete Verfahren nach nur zwei Tagen schon am Freitag enden sollen. Bo verteidigte sich aber so vehement, dass die Verhandlung sich hinzog.

Die Akteure des Politkrimis in China

Bo Xilai

Der charismatische Spitzenpolitiker galt als aufsteigender Star in der neuen Führung. Als Sohn des legendären Revolutionärs Bo Yibo – einer der „acht Unsterblichen“ der Partei – hatte der heute 63-Jährige eine steile Karriere gemacht. Er stieg vom Bürgermeister der Hafenstadt Dalian über den Posten des Gouverneurs zum Handelsminister auf. Seit 2007 war Bo Xilai Parteichef der Metropole Chongqing. Seine soziale Politik und revolutionären Kampagnen machten ihn zur Galionsfigur der Linken. Der Skandal brachte das einflussreiche Politbüromitglied im März zu Fall.

Gu Kailai

Die Ehefrau von Bo Xilai war eine erfolgreiche Anwältin und Geschäftsfrau. Die heute 53-Jährige ist Tochter von General Gu Jingsheng, einem berühmten Revolutionär. Nach dem Jurastudium machte sich Gu Kailai einen Namen als erste Anwältin, die eine Klage gegen eine amerikanische Firma gewann. Mit Bo Xilai hat sie den Sohn Bo Guagua. Sie soll sich in der Familie um geschäftliche Dinge gekümmert und angeblich ein Vermögen ins Ausland geschafft haben.

Neil Heywood

Der britische Geschäftsmann war seit den 90er Jahren eng befreundet mit dem Politikerpaar. Er war mit einer Chinesin verheiratet und hatte zwei Kinder. Als Unternehmensberater half der Brite der Familie von Bo Xilai bei privaten Geschäften. Im November wurde der 41-Jährige tot in einem Hotelzimmer gefunden. Erst soll exzessiver Alkoholkonsum die Todesursache gewesen sein. Doch nach den Enthüllungen von Polizeichef Wang Lijun wurde Gu Kailai des Giftmordes angeklagt. Das Motiv war wohl ein geschäftlicher Streit. Im August erhielt Gu Kailai ein Todesurteil auf Bewährung.

Wang Lijun

Der frühere Polizeichef war seit den 90er Jahren ein enger Vertrauter von Bo Xilai, als dieser noch Gouverneur von Liaoning war. Wang Lijun folgte dem Spitzenpolitiker in die Metropole Chongqing. Die Propaganda pries beide als gnadenlose Kämpfer gegen das organisierte Verbrechen. Wang Lijun bekam den Spitznamen „Super-Bulle“. Allerdings sahen Kritiker in dem teils rechtswidrigen Vorgehen eher eine Kampagne, um alte Machtstrukturen in Chongqing auszumerzen und selbst die Kontrolle zu übernehmen. Ende 2011 scheinen sich die Freunde überworfen zu haben.

Bo war Parteichef und Bürgermeister der Millionenmetropole Chongqing und galt als Anwärter auf einen Posten im einflussreichen Politbüro der Kommunistischen Partei. Wegen Korruptionsvorwürfen musste er seine Ämter im vergangenen Jahr aber aufgeben. Anfang November wurde er aus der Partei ausgeschlossen. Insgesamt geht es in dem Prozess um Bestechungsgelder in Höhe von umgerechnet 3,3 Millionen Euro.

In der Affäre spielte auch Bos Ehefrau Gu Kailai eine zentrale Rolle. Sie wurde im August wegen der Vergiftung des britischen Geschäftsmanns Neil Heywood zum Tod verurteilt. Das Strafmaß dürfte jedoch in eine lange Haftstrafe umgewandelt werden. Während seines Prozesses nannte Bo seine Frau, die ihn in einer vorab aufgezeichneten Videoaufnahme belastete, eine "geistesgestörte" Lügnerin, ihre Aussagen „lächerlich“.

Von

afp

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