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03.02.2004

16:40 Uhr

Politik der Bush-Regierung gleichzeitig verteidigt

Colin Powell kommen späte Zweifel

Gut zehn Monate nach Beginn des Krieges gegen den Irak hat US-Außenminister Colin Powell Zweifel an der damaligen Entscheidung des Weißen Hauses geäußert.

HB WASHINGTON. Auf die Frage, ob er sich für den Krieg ausgesprochen hätte, wenn damals bekannt gewesen wäre, dass der Irak keine Massenvernichtungswaffen hatte, sagte Powell: „Ich weiß es nicht.“ Die Berichte über irakische Lager mit Massenvernichtungswaffen seien das letzte entscheidende Glied in der Erkenntniskette gewesen, wonach der Irak eine echte und akute Gefahr für die Region und die Welt dargestellt habe.

In dem am Dienstag veröffentlichten Interview der „Washington Post“ verteidigte der Außenminister zugleich die Politik der US- Regierung. Er erklärte, der gestürzte irakische Präsident Saddam Hussein habe die Absicht gehabt habe, biologische und chemische Waffen zu erwerben. Die Geschichte werde zeigen, dass die Entscheidung zum Krieg richtig gewesen sei.

Powell hatte in seiner Rede vor dem UN-Sicherheitsrat am 5. Februar 2003 detaillierte Informationen über angebliche irakische Massenvernichtungswaffen vorgelegt und damit der Welt die Begründung für einen Krieg gegen den Irak präsentiert. Wie die „Post“ berichtete, versuchte Powell in dem Interview nun die damalige Begründung mit der heutigen Realität in Einklang zu bringen. Er gestand aber ein, dass die „Abwesenheit von (Waffen)-Lagern die politische Berechnung verändere“.

Der Minister reagierte mit dem halbstündigen Interview auf die Erkenntnisse des zurückgetretenen US-Chefwaffeninspekteurs David Kay, der dem Kongress in Washington kürzlich erklärt hatte, dass Bagdad zu Kriegsbeginn wahrscheinlich keine Massenvernichtungswaffen besessen habe. Präsident George W. Bush hatte am Vortag erstmals einer Untersuchung der Geheimdienstinformationen über angebliche irakische Massenvernichtungswaffen zugestimmt. Bush bestätigte, dass er eine unabhängige Kommission einberufen werde.

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