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16.01.2004

18:10 Uhr

Politik der Mordanschläge

Israel macht Jagd auf Hamas-Führer

Nach dem jüngsten palästinensischen Selbstmordanschlag erwägt Israel, Führer der radikalislamischen Hamas-Organisation wieder gezielt zu töten. So wurde der geistige Führer der Hamas, Ahmed Jassin, ins Visier genommen.

HB JERUSALEM. „Wir werden ihn finden .... und ihn liquidieren“, sagte Vize-Verteidigungsminister Seew Boim am Freitag dem israelischen Armeerundfunk. „Er steht auf der Todesliste und tut gut daran, sich tief im Untergrund zu vergraben, dort, wo er nicht mehr Tag und Nacht unterscheiden kann.“ Der im Rollstuhl sitzende Jassin nahm indes wie üblich in einer Moschee in Gaza-Stadt an den Freitagsgebeten teil. Zu der israelischen Drohung sagte er: „Sie haben schon einmal versucht, Scheich Ahmed Jassin zu töten. Ich möchte ihnen (den Israelis) sagen: Wir haben keine Angst vor Todesdrohungen. Wir streben danach, Märtyrer zu werden.“

Die Palästinenser-Regierung verurteilte die Äußerungen Boims als Spiel mit dem Feuer. „Eine Verschärfung der israelischen Politik der Mordanschläge wird zu einer weiteren Verschärfung und Ausweitung des Kreislaufes von Gewalt, Blutvergießen und Chaos führen“, sagte der palästinensische Minister Saeb Erekat.

Jassin, seit Jahrzehnten geistiger Führer der radikal-islamischen Hamas, hat im September einen Angriff der israelischen Armee leicht verletzt überlebt. In den vergangenen Wochen waren die Zahl palästinensischen Selbstmordanschläge und die Zahl israelischen Angriffe auf Anführer gewalttätiger Palästinenser-Gruppen deutlich zurückgegangen. Spekulationen über eine inoffizielle Waffenruhe wiesen beide Seiten aber stets zurück.

Nach einem Selbstmordanschlag am Grenzübergang des Gaza-Streifens zu Israel hatte Vize-Ministerpräsident Ehud Olmert am Donnerstag damit gedroht, dass Israel seine gezielten Angriffe auf die Anführer gewalttätiger Palästinenser-Gruppen wieder aufnehme. Bei dem Anschlag riss eine von der Hamas entsandte Attentäterin vier israelische Sicherheitskräfte mit in den Tod. Es war das erste Mal, dass die Hamas, die für die Zerstörung Israels kämpft, einen Selbstmordanschlag von einer Frau verüben ließ. Grund dafür waren nach Angaben der Gruppe die verschärften Sicherheitsvorkehrungen Israels, die es Männern erschwerten, einen Anschlag zu verüben. Aus Kreisen der Hamas hieß es am Freitag, die 22-jährige Frau habe schon vor ihrer Hochzeit darum gebeten, einen Selbstmordanschlag zu verüben. Nach der Geburt ihrer beiden Kinder habe sie diese Bitte mit Nachdruck wiederholt.

Der Bruder der Attentäterin sagte, ihre Familie habe nichts von ihrem Vorhaben gewusst und sei schockiert. Die Frau hinterlässt einen dreijährigen Sohn und eine einjährige Tochter.

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