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03.10.2011

12:53 Uhr

Politik-Studie

China dominiert Verhältnis zu Russland

China dominiert im Verhältnis zu Russland, haben Wissenschaftler analysiert. Eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit der beiden Großstaaten ist angebracht, politisch aber nicht opportun. Daraus ergeben sich Konflikte.

Der chinesische Premier Wen Jiabao (links) und der russische Präsident Vladimir Putin 2007 bei einem Staatsbesuch. dpa

Der chinesische Premier Wen Jiabao (links) und der russische Präsident Vladimir Putin 2007 bei einem Staatsbesuch.

Stockholm/PekingChina gewinnt die Oberhand in den Beziehungen zu Russland, weil seine Abhängigkeit von russischen Waffen- und Energielieferungen zurückgeht. In einer Studie, die das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI eine Woche vor dem Besuch von Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin in Peking veröffentlichte, hieß es am Montag, Russlands Position im Umgang mit der aufstrebenden zweitgrößten Wirtschaftsmacht werde schwächer.

Im Gegensatz zu der öffentlich zur Schau gestellten strategischen Partnerschaft „fehlt es an echtem politischen Vertrauen“, sagte die China-Expertin Linda Jakobson, eine der Autorinnen der Studie. Beide Länder gingen pragmatisch an die Beziehungen heran. Nur wenn sich die jeweiligen Interessen deckten, gebe es Kooperation.

„Die rückläufige Abhängigkeit von russischen Rüstungslieferungen und eine wachsende Zahl alternativer Energielieferanten bedeuten, dass China die Oberhand in den Beziehungen gewinnt“, hieß es in einer SIPRI-Mitteilung in Stockholm. Seit 2007 gebe es einen starken Rückgang in den Waffengeschäften.

China sei heute zunehmend an Technologie interessiert, um seine eigene Rüstungsindustrie zu entwickeln. „Russland ist nicht bereit, China mit fortschrittlichen Waffen und Technologie zu versorgen, weil es vor allem besorgt ist, dass China die russische Technologie kopiert und mit Russland auf dem globalen Waffenmarkt konkurriert“, sagte SIPRI-Direktor Paul Holtom.

Auch der Anteil der Öllieferungen aus Russland an den chinesischen Importen nimmt ab, obwohl beide Seiten ihre Kooperation ausgebaut haben. Als größter Energieverbraucher weltweit habe China seine Lieferanten diversifiziert. Der größte Öllieferant sei Saudi-Arabien, gefolgt von Angola, Iran und Oman. Auch im Gas-Sektor sei Russlands Verhandlungsposition geschwächt, weil China neue Partner vor allem in Zentralasien finde, hieß es in der SIPRI-Studie.

China und Russland teilten keine gemeinsame politische Weltsicht, auch wenn sie aus Opposition zu den USA in globalen Fragen häufig gemeinsame Positionen einnähmen. „Aber sowohl für China als auch Russland sind ihre jeweiligen Beziehungen zu den USA von überragender Bedeutung“, hieß es bei SIPRI. „Außerdem gibt es strategische Planer in Peking und Moskau, die die andere Seite langfristig als ultimative strategische Bedrohung betrachten.“

Von

dpa

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