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26.05.2012

13:34 Uhr

Politik versus Wirtschaft

Wie viel Kritik ist erlaubt?

VonMathias Brüggmann

Für Politiker sind Megaveranstaltungen wie der ESC in Aserbaidschan und die WM in Katar Anlass, mehr Demokratie zu fordern. Deutsche Unternehmen hoffen jedoch auf Großaufträge - und geraten schnell zwischen die Fronten.

In Doha wird für das nationale Olympische Komitee ein neues Hochhaus gebaut. Reuters

In Doha wird für das nationale Olympische Komitee ein neues Hochhaus gebaut.

BerlinAls Wolfgang Niersbach bei seiner Wahl zum Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes sich erlaubte, Kritik an der Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 an Katar zu erheben, brach in dem Wüsten-Emirat ein Sturm der Entrüstung los. "Seit der DFB-Chef die Vergabe an Katar öffentlich kritisiert hat, bläst uns hier heftiger Gegenwind ins Gesicht", berichtet der Vertreter eines deutschen Unternehmens in Katars Hauptstadt Doha: "Inzwischen wird offen gedroht, Großprojekte nicht mehr an deutsche Firmen zu vergeben."

Katar, das über seinen Staatsfonds QIA Großinvestor bei Volkswagen, Porsche sowie beim von der spanischen ACS übernommenen Essener Baukonzern Hochtief ist, ist von den Deutschen enttäuscht und droht mit finanziellem Liebesentzug. Die Zeitung "Al Raya" aus Doha rief sofort zum Boykott deutscher Unternehmen auf. Seither, so berichten deutsche Firmenvertreter am Golf, habe sich die einst sehr pro-deutsche Stimmung deutlich verschlechtert.

Katar ist dabei kein Einzelfall: Während sich der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, beim Besuch von Außenminister Guido Westerwelle (FDP) in Aserbaidschan über die dortige Unterdrückung von Menschenrechtlern beklagte, übte der Ölkonzern Socar gegenüber dem Handelsblatt schwere Kritik an Westerwelle: Socar-Chef Rovnag Abdullajew äußerte sich entgegen der sonst üblichen diplomatischen Zurückhaltung "unangenehm überrascht und befremdet" über das überaus kurze Treffen.

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Kurz darauf war das ohnehin in schwerem Fahrwasser befindliche Nabucco-Pipeline-Projekt, an dem der RWE-Konzern maßgeblich beteiligt ist, noch stärker unter Druck geraten. Aber ohne Erdgas von Socar können die Nabucco-Röhren nicht gefüllt werden. In Aserbaidschans Hauptstadt Baku findet gerade das Finale des European Song Contest (ESC) statt.

Kommentare (4)

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SayItClintonOnPhone

26.05.2012, 16:38 Uhr

[+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++]

Notarzt

26.05.2012, 16:44 Uhr

So viel Unsinn habe ich lange nicht mehr zu diesem Thema gelesen. Das Motto der Industrie heißt schon immer: Umsatz um jeden Preis. Da wird auf die politische Situation und auf Menschenrechte doch gar keine Rücksicht genommen. Der größte Diktator ist doch gerade gut genug um eingeladen zu werden. Man verspricht sich Unsummen an Gewinn und schickt in der Zwischenzeit tausende Regimegegner in den Knast oder tötet sie.
Wo bleibt die Ethik? Natürlich auf der Müllhalde der deutschen Industriemagnaten. Geld regiert die Welt und nicht Menschlichkeit .

HEILiSKIing

26.05.2012, 16:44 Uhr

Bitte nicht wieder An-Steck-Nadeln vor dem Kindergarten liegenlassen wenn ihr da schon übernachtet.

Dei Heilsarmee ist dieret da wo die Tankstzelle Akohol verkauft.

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