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14.12.2015

20:12 Uhr

Polizei erschießt Demonstranten

Zwei Tote bei Protesten in der Türkei

In der südosttürkischen Stadt Diyarbakir hat die Polizei zwei Demonstranten erschossen. Die pro-kurdische Oppositionspartei hatte zu einem Protestmarsch gegen eine von den Behörden verhängte Ausgangssperre aufgerufen.

Ausschreitungen in der Türkei

Erneut heftige Zusammenstößen zwischen türkischer Polizei und Kurden

Ausschreitungen in der Türkei: Erneut heftige Zusammenstößen zwischen türkischer Polizei und Kurden

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DiyarbakirMit Gewalt hat die Polizei in der südosttürkischen Stadt Diyarbakir einen Protestmarsch gegen eine Ausgangssperre unterbunden und zwei Menschen erschossen. Sie seien bewaffnet gewesen, teilte die Polizei nach den Zusammenstößen am Montag mit.

Auf Fotos türkischer Agenturen war zu sehen, wie Sicherheitskräfte Tränengas und Wasserwerfer gegen Demonstranten einsetzten, Jugendliche Barrikaden errichteten und Steine warfen. Die pro-kurdische Oppositionspartei HDP hatte den Protestmarsch angekündigt.

Schon vor mehr als einer Woche hatten die Behörden in der Kurdenmetropole Diyarbakir eine Ausgangssperre über das Stadtviertel Sur verhängt. Dort liefern sich die Jugendorganisation der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK (YDG-H) und Sicherheitskräfte Gefechte. Tausende Menschen sind vor den Kämpfen geflüchtet. Ein Sprecher des Menschenrechtsvereins (IHD) in Diyarbakir sagte der Deutschen Presse-Agentur am Montag, mehr als 10 000 Anwohner hätten das Viertel verlassen. Nach Angaben von Anwohnern gibt es keinen Strom, und Lebensmittel werden knapp.

Die Organisationen der Kurden

PKK, YPG und Peschmerga

Der gewaltsame Konflikt der türkischen Regierung mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK dauert schon mehr als 30 Jahre. Dabei kamen bislang rund 40 000 Menschen ums Leben. Von 1984 an kämpfte die PKK mit Waffengewalt und Anschlägen für einen kurdischen Staat oder ein Autonomiegebiet im Südosten der Türkei.

PKK

Die Arbeiterpartei Kurdistans ist in der Türkei verboten und steht dort sowie in der EU und den USA auf der Terrorliste. Ihr Hauptquartier ist in den nordirakischen Kandil-Bergen. Von 1984 an kämpfte die PKK mit Waffengewalt und Anschlägen für einen kurdischen Staat oder ein Autonomiegebiet im Südosten der Türkei. PKK-Chef Abdullah Öcalan sitzt seit 1999 in Haft.
Inzwischen ist die PKK nach eigenen Angaben von der Maximalforderung eines unabhängigen Staates abgerückt. Die islamisch-konservative AKP-Regierung und die PKK bemühen sich um einen Friedensprozess. Im März 2013 erklärte die PKK eine Waffenruhe, die seit den türkischen Angriffen auf PKK-Stellungen im Nordirak praktisch beendet ist.

YPG

Die kurdischen Volksschutzeinheiten sind eng mit der PKK verbunden. Sie kämpfen im Norden Syriens und haben sich zu einem erbitterten Gegner des IS entwickelt. Zugleich sind die Kurden in Syrien der wichtigste Partner der von den USA geführten Koalition gegen die Extremisten. Mittlerweile kontrolliert die YPG die größten Teile der Grenze zur Türkei. Dort haben die syrischen Kurden in drei Kantonen Selbstverwaltungen errichtet. Andere Kurden werfen ihnen vor, sie würden die Macht monopolisieren. 

Peschmerga

Bei den Peschmerga handelt es sich um die militärischen Einheiten der irakischen Kurden. Sie waren in der Geschichte vor allem bekannt als Widerstandskämpfer in den Bergen, verwandeln sich aber seit dem IS-Vormarsch mehr und mehr in eine Armee der kurdischen Autonomiegebiete im Nordirak.

Die Organisationen untereinander

Die Peschmerga erhalten Waffen aus Deutschland und anderen Ländern. Bundeswehr und weitere Armeen bilden sie zudem aus. Das Verhältnis der Peschmerga zur PKK und zur YPG ist traditionell angespannt. Trotzdem unterstützten nordirakische Kurden die YPG-Kämpfer im Kampf um die nordsyrische Grenzstadt Kobane.

Ausgangssperren gelten ebenfalls in den südosttürkischen Orten Nusaybin, Cizre und Silopi, wie die Nachrichtenagentur DHA berichtete. Im Juli war ein Waffenstillstand zwischen der PKK und der türkischen Regierung gescheitert. Seitdem eskaliert der Konflikt. Vor allem im Südosten der Türkei kommt es immer wieder zu Gefechten und Anschlägen.

Von

dpa

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