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14.04.2015

08:22 Uhr

Polizeigewalt in Charleston

Täter droht wohl keine Todesstrafe

Wieder rüttelt ein Fall tödlicher Polizeigewalt gegen einen schwarzen Amerikaner die USA auf. Diesmal ist der Fall klarer – wegen eines Handyvideos. Die Todesstrafe muss der Täter aber wohl eher nicht befürchten.

Minikameras schützen Opfer und Polizisten

Video: Minikameras schützen Opfer und Polizisten

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CharlestonDem wegen Mordes an einem offenbar unbewaffneten Schwarzen angeklagten weißen Polizisten aus dem US-Bundesstaat South Carolina droht wohl keine Todesstrafe. Basierend auf den Fakten, die bislang vorlägen, sei die Todesstrafe nicht gerechtfertigt, da es keine gesetzlich festgelegten „erschwerenden Umstände“ gäbe, sagte Scarlett Wilson, oberste Staatsanwältin von Charleston County, am Montag. Der 33-jährige Polizist Michael Slager ist wegen Mordes an dem Schwarzen Walter Scott angeklagt. Bei einer Verurteilung drohen ihm 30 Jahre bis Lebenslang Gefängnis.

Der Vorfall ereignete sich am 4. April in North Charleston. Ein Augenzeuge hielt das Geschehen auf einem Video fest. Darauf ist zu sehen, dass Slager den 50-jährigen Walter Scott wegen einer defekten Bremsleuchte an seinem Auto stoppt. Ein kurzes Handgemenge ist zu erkennen. Scott rennt daraufhin los.

Der Polizist zielt mit seiner Pistole auf den flüchtenden Mann und schießt ihm aus geringer Entfernung acht Mal in den Rücken. Scott sackt zusammen und landet mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden. Laut Polizeibericht hatte Slager die Schüsse mit Notwehr begründet, denn Scott habe ihm seinen Elektroschocker entrissen. Auf dem Video ist davon nichts zu sehen. Es gibt auch keine Anzeichen, dass der schwarze Mann bewaffnet war.

Gewalt gegen Schwarze in den USA

Juli 2016

Am 5. Juli wird ein 37-jähriger Afroamerikaner in Baton Rouge (Louisiana) von einem Polizisten erschossen, nachdem er zuvor zu Boden gedrückt wurde. Mehrere Zeugen halten den Vorfall auf Video fest, es kommt zu Protesten.

Juli 2016

Ein 32-Jähriger wird während einer Fahrzeugkontrolle in Minnesota von einem Polizisten in den Bauch geschossen. Die Freundin des Afroamerikaners hält den Vorfall in einem Facebook-Live-Video fest, das für einen internationalen Aufschrei sorgt.

März 2015

Tödliche Schüsse auf einen unbewaffneten jungen Schwarzen lösen in Madison (Wisconsin) Proteste aus. Angeblich schoss der Polizist in Notwehr.

April 2015

In North Charleston (South Carolina) erschießt ein Polizist einen flüchtenden, unbewaffneten Schwarzen von hinten. Der auf einem Video festgehaltene Fall sorgt international für Aufsehen.

April 2015

Ein Afroamerikaner stirbt in Baltimore (Maryland) an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Es kommt zu schweren Krawallen.

April 2015

Ein Afroamerikaner stirbt in Baltimore (Maryland) an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Es kommt zu schweren Krawallen.

Juli 2015

Ein Polizist erschießt in Cincinnati (Ohio) bei einer Verkehrskontrolle einen unbewaffneten Schwarzen. Sein Wagen hatte vorne kein Nummernschild.

Dezember 2015

In Chicago erschießen Polizisten eine fünffache Mutter und einen Studenten. Beide sind schwarz. Der 19-Jährige hatte seinen Vater mit einem Baseballschläger gedroht, die Nachbarin wird nach Polizeiangaben aus Versehen getroffen.

Mai 2016

Am Steuer eines gestohlenen Autos wird eine junge Afroamerikanerin in San Francisco von einer Polizeikugel tödlich getroffen. Auf Druck des Bürgermeisters nimmt der Polizeichef seinen Hut.

November 2014

Ein weißer Polizist muss wegen tödlicher Schüsse auf einen unbewaffneten schwarzen Jugendlichen in Ferguson (Missouri) vorerst nicht vor Gericht. Eine Geschworenenjury sieht keine Beweise für eine Straftat. Der Vorfall löste schwere Unruhen aus.

Juli 2010

Nach einem milden Urteil gegen einen weißen Ex-Polizisten kommt es in Kalifornien zu Ausschreitungen und Plünderungen. Der Mann hatte einen unbewaffneten Schwarzen erschossen, er wurde wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren Haft verurteilt.

November 2006

Ein unbewaffneter Schwarzer stirbt im Kugelhagel der New Yorker Polizei. Er hatte nach dem Verlassen einer Bar im Auto mit Freunden ein Zivilfahrzeug der Polizei gerammt. Im April 2008 werden drei Polizisten freigesprochen.

April 2001

Schüsse eines Polizisten auf einen unbewaffneten Schwarzen lösen schwere Rassenunruhen in Cincinnati (Ohio) aus. Die Behörden rufen den Notstand aus. Der getötete 19-Jährige war bei einer Kontrolle geflüchtet, der Polizist wurde freigesprochen.

Februar 2000

Vier Polizisten, die einen afrikanischen Einwanderer erschossen hatten, werden freigesprochen. Das Urteil der Jury aus schwarzen und weißen Schöffen ist heftig umstritten, in New York kommt es zu Ausschreitungen.

März 1991

Vier Autobahn-Polizisten schlagen den Afroamerikaner Rodney King nach einer Verfolgungsjagd zusammen. Ein Amateur-Video geht um die Welt. Der Freispruch der Männer führt in Los Angeles zu Unruhen mit Dutzenden Toten. In einem Revisionsverfahren werden zwei der Polizisten 1993 zu jeweils 30 Monaten Haft verurteilt. Außerdem erhält das Opfer eine millionenschwere Entschädigung.

Die Tötung setzt eine Serie von ähnlichen Fällen in jüngster Vergangenheit fort, die in den USA zu einer neuen Diskussion über Polizeigewalt und Rassismus geführt haben.

Von

rtr

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