Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.06.2015

18:01 Uhr

Polizisten-Protest in Sofia

Bulgarische Polizei lehnt Einsatz gegen Flüchtlinge ab

Die Festung Europa wackelt im Osten: Die Polizei will nicht mehr gegen Flüchtlinge kämpfen. Das teilte die bulgarische Polizistengewerkschaft mit. Sie wollen die Grenze zur Türkei nicht weiter überwachen.

Vor dem bulgarischen Parlament in Sofia kämpfen Polizisten für bessere Arbeitsbedingungen. dpa

Protest der Polizei

Vor dem bulgarischen Parlament in Sofia kämpfen Polizisten für bessere Arbeitsbedingungen.

SofiaBulgarische Polizisten wollen nicht mehr an der Grenze zur Türkei gegen illegale Flüchtlinge vorgehen. Die Polizeigewerkschaft begründete dies am Sonntag mit schlechter Ausstattung und langer Abwesenheit der Polizisten von zu Hause.

Die Patrouillen der Polizei unterstützen die Grenzpolizei an der bulgarisch-türkischen Grenze. Flüchtlinge aus Krisengebieten gelangen über diese Landgrenze illegal nach Bulgarien und damit in die Europäische Union.

Bulgarische Polizisten protestieren außerdem seit Freitag gegen eine geplante stufenweise Anhebung ihres Rentenalters von 52 auf 55 Jahre. Mehr als Tausend Demonstranten hatten am Samstag den Rücktritt von Innenministerin Rumjana Batschwarowa verlangt.

Was treibt Flüchtlinge nach Europa?

Syrien

Die Syrer stellen die größte Gruppe; 2014 kamen nach Angaben der Grenzschutzagentur Frontex 66 700. Millionen Syrer sind auf der Flucht vor einem extrem brutal ausgetragenen Religions- und Bürgerkrieg; viele sind Flüchtlinge im eigenen Land oder gingen in die Türkei und den Libanon.

Eritrea

Das Land am Horn von Afrika gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Präsident Isaias Afwerki regiert seit 1993 mit eiserner Faust. Oppositionelle werden ermordet oder inhaftiert. Viele junge Menschen fliehen vor dem Militärdienst. Laut Frontex nahmen 2014 rund 34 300 Menschen aus Eritrea das Risiko einer Überfahrt auf sich.

Afghanistan

Nach vielen Jahren Bürgerkriegs liegen Infrastruktur und Wirtschaft des Vielvölkerstaats am Boden. Industrie gibt es kaum. Dafür floriert der Drogenhandel und die Taliban sind unbesiegt. Viele Afghanen sehen daher keine Zukunft in ihrer Heimat.

Mali

Die 16 Millionen Einwohner des armen Wüstenstaates kämpfen um das tägliche Überleben. Nach einem Militärputsch hatten Islamisten 2012 den Norden erobert und waren erst von einer internationalen Truppe zurückgeworfen worden. Die Sicherheitslage bleibt prekär und die Korruption hemmt die Entwicklung.

Nigeria

Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram hat in Teilen des Nordostens einen Gottesstaat ausgerufen. Ihre Angriffe kosteten Tausende das Leben. 1,5 Millionen Menschen flohen vor der Miliz in andere Landesteile oder ins Ausland. Mehr als die Hälfte der Einwohner des potenziell reichen Landes lebt in extremer Armut.

Vor dem Parlament in Sofia bauten Polizisten am Sonntag einen Protestzelt und einen provisorischen Sonnenschutz wie an der Grenze zur Türkei auf. Damit wollen sie auf die schwierigen Arbeitsbedingungen an der EU-Außengrenze aufmerksam machen. Der Protest ist unbefristet.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×