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06.01.2011

14:53 Uhr

Polnische Nationalbank

Osteuropa dreht an der Leitzins-Schraube

VonMathias Brüggmann, Stefan Menzel

Polens Notenbankgouverneur Marek Belka kündigte eine Erhöhung des Leitzines an. Dadurch solle der Zloty gestärkt und der Inflationsdruck gesenkt werden, so der Zentralbankchef. Tschechien gilt als nächster Kandidat.

Marek Belka: Der Zentralbankchef Polens kündigte eine Anhebung des Leitzinses an. Reuters

Marek Belka: Der Zentralbankchef Polens kündigte eine Anhebung des Leitzinses an.

BERLIN/WIEN. Polens Zentralbankchef leitet die Erhöhung der Leitzinsen in Europa ein. Marek Belka kündigte am Mittowch an, den seit Juni 2009 bei 3,5 Prozent verharrenden polnischen Leitzins in Kürze anheben zu wollen. Das könne schon auf der nächsten Notenbanksitzung am 18. oder 19. Januar passieren und solle die polnische Währung Zloty stärken sowie den Inflationsdruck senken, sagte Belka gestern der Agentur Reuters.

Warschau wird damit zum Vorreiter innerhalb der EU und erhöht damit auch den Druck auf die Europäische Zentralbank, ihrerseits an der Zinsschraube zu drehen. Belka begründete seine Ankündigung damit, dass die Märkte nach der Krise nun auf einen Zinserhöhungs-Zyklus und eine Straffung der Geldpolitik vorbereitet werden müssten. „Eine kräftige Zinserhöhung könnte als einmaliger Schritt interpretiert werden. Aber es geht darum, die Märkte davon zu überzeugen, dass es sich um einen Zyklus handelt“, sagte Belka.

„Wir sind auf dem Weg zu einer Normalisierung“, kommentierte Osteuropa-Experte Juraj Kotian von der Ersten Bank in Wien die polnischen Zinspläne. Auch in anderen Ländern Osteuropas sei mit einem Zinsschritt zu rechnen. Als Kandidaten gelten jene Länder der Region, in denen die Krisenfolgen bereits abgeschüttelt worden seien

Tschechien gehört zu dem Kreis der Länder, in denen mit einer Zinserhöhung zu rechnen ist. Die Nationalbank in Prag will sich allerdings mehr Zeit lassen, um die weitere wirtschaftliche Entwicklung abzuwarten. Polen wächst stärker als Tschechien und hat eine vergleichsweise starke Binnenkonjunktur. Tschechien wiederum lebt viel stärker von seinen Exporten und hängt deshalb besonders von Deutschland ab. Die tschechische Notenbank wird die Leitzinsen frühestens zur Jahresmitte anheben. Notenbank-Präsident Miroslav Singer hatte die abwartende Haltung vor kurzem noch einmal bekräftigt.

In zwei Ländern der Region hat es bereits im alten Jahr Zinssenkungen gegeben: in Ungarn und in Serbien. Die ungarische Notenbank in Budapest begründete ihre Zinserhöhung mit dem vergleichsweise hohen Anstieg der Inflationsrate. Auch die serbische Nationalbank in Belgrad sieht zunehmende Inflationsrisiken im eigenen Land.

Die polnische Regierung will indes noch so schnell wie möglich die Kapitalmärkte anzapfen, da die Spekulationen um Zinserhöhungen schon jetzt die Kreditkosten erhöhten. Deshalb hat das Finanzministerium gestern bereits auf zwei und fünf Jahre laufende Anleihen für 6,25 Milliarden Zloty (1,6 Milliarden Euro) zu 4,984 und 5,642 Prozent platziert. Die Zinsen für den größten Anleihe-Deal seit August sind damit erneut gestiegen.

Polen kämpft darum, die Hürde von 55 Prozent Staatsverschuldung nicht zu reißen, bei der automatisch – und inmitten des Wahljahrs – harte Sparmaßnahmen ergriffen werden müssen. Deshalb hat die Zentralbank laut Warschauer Medienberichten mit Euro-Verkäufen in der Größenordnung zwischen 1,2 und zwei Milliarden Euro zu Jahresende alles getan, um den Zloty-Kurs so zu drehen, dass die Staatsverschuldung bei 53,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts landete.

Kommentare (1)

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tomtomtoy

06.01.2011, 17:37 Uhr

Osteuropa dreht an der Leitzins-Schraube
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Osteuropa dreht an der Konjunktur-Schraube

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