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24.04.2013

18:00 Uhr

Porträt Enrico Letta

Vielleicht Italiens neuer Hoffnungsträger

Mit Enrico Letta schickt sich ein bekennender Euopäer und Mitte-Links-Politker an, das hoch verschuldete Italien aus der Krise führen. Die EU-Partner dürften über das Ende des monatelange Stillstands erleichtert sein.

Kein Grünschnabel: Der möglicherweise zweitjüngste Regierungschef in Italien seit dem Zweiten Weltkrieg gehörte bereits jahrelang der politischen Elite in Europa an. ap

Kein Grünschnabel: Der möglicherweise zweitjüngste Regierungschef in Italien seit dem Zweiten Weltkrieg gehörte bereits jahrelang der politischen Elite in Europa an.

RomEnrico Letta ist 46, überzeugter Europäer und Mitte-Links-Politiker. Über die Maßen bekannt ist der Italiener nicht. Nun soll er Regierungschef seines Landes werden und das hoch verschuldeten Euro-Mitglied aus der Krise führen. Dass ihm der greise Staatspräsident Giorgio Napolitano da keine leichte Aufgabe aufbürdet, ist Letta wohl bewusst. "Ich spüre eine große Verantwortung auf meinen Schultern, schwerer als meine Schultern sie tragen können", gesteht er vor Journalisten im Quirinalspalast in Rom, dem Amtssitz des Staatsoberhauptes.

Bei den ausländischen Partnern Italiens und an den Märkten dürfte Letta freundlich begrüßt werden. Man ist erleichtert, wenn der monatelange Stillstand in der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone ein Ende hat. Auch die Italiener werden froh sein, dass sie nicht mehr von alten Männern regiert werden - allein viermal hieß der Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der skandalumwitterte Medienmogul.

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Letta hat Politikwissenschaften studiert, er ist verheiratet und hat drei Kinder. Er wäre der zweitjüngste Regierungschef in Italien seit dem Zweiten Weltkrieg. Doch ein Grünschnabel ist er keineswegs. Jahrelang gehörte Letta der politischen Elite in Europa an. Mit 31 Jahren war er bereits stellvertretender Vorsitzender der Volkspartei, einem Ableger der Demokratischen Partei (DC), die das Italien der Nachkriegszeit dominierte. 33 Jahre war Letta, als er 1998 Europa-Minister wurde - und das jüngste Kabinettsmitglied seit dem Zweiten Weltkrieg. Europa war stets das Thema Lettas. In den 1990er Jahren leitete er im Finanzministerium den Ausschuss, der den Beitritt Italiens zur Euro-Zone vorbereitete. Dem Europäischen Parlament gehörte er von 2004 bis 2006 an.

All das wird Letta nutzen, wenn er eine seiner dringendsten Aufgaben in Angriff nimmt: den Versuch, bei der EU-Kommission mehr Haushaltsflexibilität auszuhandeln. Dabei hat er die Unterstützung seiner Demokratischen Partei und Berlusconis Partei Volk der Freiheit.

Zu Berlusconi gibt es eine weitere Verbindung. Lettas Onkel Gianni diente Berlusconi als Stabschef und war über Jahrzehnte einer seiner engsten Vertrauten. Der Neffe folgte dem Onkel im Amt eines Staatssekretärs, als Romano Prodi 2006 Berlusconi als Regierungschef ablöste. Zwei Jahre später, als Berlusconi seine vierte Amtszeit antrat, lief das Spiel der beiden Verwandten umgekehrt.

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Verlassen kann sich Letta auf diese Verbindung freilich nicht: Nur Minuten nachdem Letta den Auftrag zur Regierungsbildung erhalten hatte, präsentierte Berlusconis Partei harsche Bedingungen für eine Unterstützung der Regierung. Sie forderte die sofortige Abschaffung einer unpopulären Steuer auf Hausbesitz und ihre Rückzahlung an die Bürger. Den öffentlichen Haushalt würde ein solcher Schritt unter enormen Druck setzen.

Aber auch aus den eigenen Reihen könnte Letta Ungemach drohen: Matteo Renzi, der 38-jährige Bürgermeister von Florenz gilt als der aufsteigende Stern seiner Partei. Und Renzi wird sicherlich darauf bedacht sein, dass sein Rivale Letta nicht allzu viel Erfolg hat. Doch wenn es Letta gelingt, all die Fährnisse zu umschiffen und die dringend nötigen Reformen durchzusetzen, dann könnte er der Hoffnungsträger und der bestimmende Politiker Italiens des nächsten Jahrzehnts werden.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

25.04.2013, 11:24 Uhr

Was bitte ist ein "bekennender Europäer"?

Ein EURO-Terrorist? Eine EUdSSR-Fan?

....

Ich will ein Europa der Nationalstaaten (!!), ich will das Europa, das von 1950 bis Anfang 2000 wunderbar funktioniert hat, ich will Vielfalt, ich will Dezentralisierung, ich will Bürgernähe.

Niemand bedroht den Frieden Europas außer diese "bekennenden Europäer"!

Mr. Farage - i'm with you!

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