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18.04.2012

10:38 Uhr

Porträt Hollande

Der nüchterne Herausforderer

François Hollande arbeitete sich vom Provinzpolitiker zum Präsidentschaftkandidaten hoch. Im Gegensatz zu Sarkozy gilt der Sozialist als bodenständig und ausgeglichen. Doch gegenüber Europa will er keine Schwäche zeigen.

Lange stand Hollande im Schatten - erst in dem seiner Ex-Frau Ségolène Royal, dann in dem seines Parteifreundes Strauss-Kahn. Reuters

Lange stand Hollande im Schatten - erst in dem seiner Ex-Frau Ségolène Royal, dann in dem seines Parteifreundes Strauss-Kahn.

Er ist der Gegenentwurf zu Frankreichs hyperaktivem Präsidenten Nicolas Sarkozy: nüchtern, bedächtig, ohne Starallüren, manchen zu langweilig oder gar zu schlaff. Er selbst bezeichnet sich einfach als „normal“ und das will François Hollande auch als Präsident bleiben, sollte er die Wahl im Mai gewinnen. Begeisterung löst der Sozialist durch sein Auftreten und sein Programm bei den Wählern bisher nicht aus. Dennoch stehen die Chancen für den 57-Jährigen gut, denn viele Franzosen haben genug von den großen Gesten und dem Aktionismus à la Sarkozy.

Der lange als blasser Regionalpolitiker verschriene Hollande schafft es seit dem vergangenen Jahr durchgängig, Sarkozy in den Umfragen abzuhängen. Trotz zuletzt leichter Verluste käme der Abgeordnete und Regionalrat aus der Corrèze im südwestlichen Landesinneren derzeit in der Stichwahl auf rund 54 Prozent vor Sarkozy mit etwa 46 Prozent.

Dabei hätte noch vor einem Jahr niemand auf Hollande gewettet, denn lange galt sein schillernder Parteifreund Dominique Strauss-Kahn als der große Hoffnungsträger der französischen Sozialisten. Nachdem sich der Ex-IWF-Chef durch seine Sex-Affären aber selbst aus dem Rennen katapultiert hatte, setzte sich der dem gemäßigten Lager zugerechnete Hollande bei den Vorwahlen der Sozialisten im Herbst klar als Präsidentschaftskandidat durch.

Mit einer fulminanten Rede im Januar in Le Bourget bei Paris, seinem 60-Punkte-Programm für Arbeit, Bildung und Jugend sowie einigen wenigen Überraschungseffekten wie seiner Reichensteuer von 75 Prozent schaffte es Hollande im Wahlkampf bisher, die Balance zwischen Seriosität und dem von ihm versprochenen „Wandel“ zu halten. Die Linken will er um sich scharen, Grabenkämpfe vermeiden und ganz Frankreich per Dialog voranbringen.

Kommentare (1)

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MIRO

18.04.2012, 11:14 Uhr

Was kündigt Hollande für den fall seines Wahlsieges an?
Rezepte,die seit Mitterand in den 1970 ziger Jahren bestandteil sozialistischer Politik in Frankreich sind.
Schulden machen und nochmals Schulden machen.Damit wird seit nunmehr 30 Jahren in Frankreich Politik gemacht.
Hollande kündigt an, den Haushalt zu sanieren und gleichzeitig eine höhere Verschuldung .Wie passt dies zusammen? Überhaupt nicht.Deshalb, wird es in Frankreich weitergehen wie bisher.Die " Grand Nation " lebt weiter mit
Schuldenmachen über ihre Verhältnisse.
Für Hollande ergibt sich hieraus die Logig,daß es in Europa
nur mit den Eurobonds weitergeht,da Frankreich nach den Wahlen, höhere Zinsen an den Kapitalmärkten zu erwarten hat und Refinanzierungen auslaufender Staatspapieren sich nur schwer refinanzieren lassen werden. Logisch auch, dass
wir Deutschen natürlich dafür mithaften dürfen.

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