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24.06.2011

14:17 Uhr

Porträt

Mario Draghi - weder Falke noch Taube

Mario Draghi ist am Ziel: Die Euro-Staaten berufen ihn an die Spitze der EZB. Der 63-Jährige startet mit Vorschusslorbeeren - doch es gibt auch Kritik.

Mario Draghi im EU-Parlament. Quelle: Reuters

Mario Draghi im EU-Parlament.

BerlinNotenbank-Vogelkundler tun sich mit Mario Draghi schwer: In den üblichen Kategorien von Falken und Tauben - also sehr strikter oder eher nachlässiger Inflationsbekämpfer - lässt sich der Chef der italienischen Notenbank nur schwer fassen. Er gilt als Pragmatiker, was die Geldpolitik angeht. In seinen Reden und Interviews vermeidet Draghi klare Aussagen zur Zinspolitik, sondern spricht lieber über Wirtschaftspolitik oder die Stabilität des Bankensystems. Deutschen Sorgen vor einer allzu lockeren Geldpolitik tritt er so nicht entgegen - schürt sie aber auch nicht.

Fachlich gilt der 63-jährige Römer als exzellente Wahl für den EZB-Chefsessel. Der ehemalige Harvard-Professor hat Erfahrungen in der Regierung, bei der Finanzaufsicht, der Weltbank und in der Privatwirtschaft gesammelt. Damit kennt er alle Seiten der geldpolitischen Medaille. Während seiner Zeit im italienischen Finanzministerium arbeitete er an den Maastricht-Regeln mit und gilt seither als Wegbereiter Italiens in die Euro-Zone.

Zuletzt machte der Italiener als Chef des Finanzstabilitätsrats (FSB) auf sich aufmerksam - einem Gremium, das unter seiner Führung erheblich an Bedeutung gewonnen hat. Er ist damit einer der Architekten einer künftigen Weltfinanzordnung. Derzeit arbeitet er daran, wie verhindert werden soll, dass weitere Finanzkonzerne mit Steuerzahler-Milliarden gerettet werden müssen - wie es in der Finanzkrise mit Bear Stearns, AIG, Lloyds TSB und einigen anderen der Fall war.

Zugute kommt Draghi bei dieser Aufgabe sein strukturiertes Vorgehen. Ein europäischer Zentralbanker bezeichnete ihn deswegen als ausgesprochen „unitalienisch“. „Er hat die Fähigkeit, Probleme analytisch anzugehen, die Probleme selbst anzusehen und nicht die Leute um die Probleme, eine Fähigkeit, die viele Politiker nicht haben.“

Als einziges Manko gilt seine Tätigkeit bei Goldman Sachs: Dem US-Geldhaus wird vorgeworfen, dem EU-Defizitsünder Griechenland beim Schönen seiner Haushaltszahlen geholfen zu haben. Draghi hat mehrfach betont, mit den Vorgängen um Griechenland nicht betraut gewesen zu sein. Der zweifache Familienvater hat das Geldhaus 2005 verlassen, um den Spitzenposten der italienischen Notenbank zu übernehmen. Ab November kann er seine Karriere auf dem Chefsessel der EZB krönen.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

25.06.2011, 00:12 Uhr

Ist schon erstaunlich das sie gerade Mario Draghi zum neuem EZB-Chef bestimmt haben wo doch Pascal Canfin (MEP) gerade hat durchschimmern lassen das Draghi bei seiner Zeit in Goldman Sachs mitverantwortlich war für die vertsteckten Derivategeschäfte (swaps) um Griechenland in den Euro zu schummeln.

Sag einfach nein zum ESM jetzt!

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