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03.08.2011

11:45 Uhr

Porträt

Wer ist Husni Mubarak?

Mubarak und Ägypten, das war jahrzehntelang fast ein und dasselbe. Der Westen baute auf ihn. Die Islamisten fürchteten ihn. Doch er widersetzte sich Reformen. Jetzt wird ihm der Prozess gemacht.

Husni Mubarak. Quelle: dapd

Husni Mubarak.

Fast 30 Jahre regierte Husni Mubarak Ägypten mit eiserner Hand. Noch wenige Wochen vor seinem Sturz schien er fest im Sattel zu sitzen. Dann schwappte unerwartet eine Protestwelle durch die arabische Welt. Nach wochenlangen Massenprotesten beugte sich der „ewige Präsident“ dem Druck der Straße und das Militär übernahm die Macht. Mubarak zog sich am 11. Februar 2011 in den Badeort Scharm el Scheich zurück und ließ sich dort medizinisch betreuen.

Mubarak wurde am 4. Mai 1928 als Sohn eines Gerichtssekretärs im ländlichen Unterägypten geboren. 1947 bis 1949 absolvierte er die Militärakademie; 20 Jahre später war er Stabschef der Luftwaffe. Im Nahost-Krieg 1973 wurde der Kampfpilot als Oberbefehlshaber der Luftwaffe wegen seiner strategischen Kompetenz zum „Helden des Oktoberkriegs“ erklärt. Zwei Jahre danach stieg er zum Vizepräsidenten unter Anwar el Sadat auf. Nach Sadats Ermordung am 6. Oktober 1981 durch Islamisten wurde Mubarak Staatschef.

Er führte Ägypten wieder in die Islamische Konferenz und schmiedete enge Bande zum Westen. 1991 half Mubaraks Ägypten den USA im Irakkrieg bei der Befreiung Kuwaits. Allerdings versuchte er 2003 vergeblich, die USA von einem erneuten Irakkrieg abzubringen. Unter Arabiens Führern hatte Mubarak eine Sonderstellung. Trotz guter Beziehungen zu Israel, mit dem Kairo mit einem umstrittenen Friedensvertrag verbunden ist, behielt Ägypten eine Führungsrolle in der arabischen Welt. Der Westen sah Mubarak als Verbündeten, Bollwerk gegen Islamisten und Garanten für Stabilität im Nahen Osten. Dafür schaute man über Menschenrechtsverletzungen hinweg und gewährte dem bevölkerungsreichsten arabischen Land breite Unterstützung.

Frankreich sah in Mubarak den strategischen Partner für den Aufbau einer europäisch-arabischen Mittelmeerunion. Innenpolitisch ließ Mubarak keine mächtige Opposition aufkommen. Er verbot die islamistischen Muslimbrüder, ließ aber die Wahl von Muslimbrüdern als „Unabhängige“ ins Parlament zu. Tiefgreifenden politischen und wirtschaftlichen Reformen verweigerte er sich. 1995 überlebte er einen Mordanschlag während eines Besuchs in Addis Abeba nur dank der Panzerung seiner Limousine.

Für viele Bürger blieb Mubarak der angesehene Kriegsheld; allerdings machte sich zunehmend sozialer und politischer Unmut breit. Die Verteuerung von Öl und Lebensmitteln führte in den vergangenen Jahren sogar zu Hungerrevolten. Ende 2010 wurde die Parlamentswahl vom Großteil der Opposition boykottiert. Mubaraks Partei NDP holte 420 von 518 Sitzen, verlor aber ihre Legitimität.

Nach dem Umsturz in Tunesien wurden Anfang 2011 die Rufe nach Demokratie und Reformen lauter. Mubarak tauschte am 29. Januar die Regierung aus, reagierte aber insgesamt zu langsam und unglaubwürdig, um die Protestbewegung ersticken zu können. Am Ende zwang das Militär Mubarak zum Rücktritt.

Von

dpa

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