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29.02.2012

20:23 Uhr

Portugal

Die langwierige Aufholjagd im Industriesektor

Dank sinkender Löhne wird Portugal als Exportstandort attraktiver. Die Aufholjagd wird aber noch lange dauern. Denn nicht nur bei Lebensmitteln wird immer noch mehr importiert als exportiert.

Der portugiesische Textilsektor ist vor allem bei den Heimtextilien stark. dapd

Der portugiesische Textilsektor ist vor allem bei den Heimtextilien stark.

Portugals Wirtschaft hat einiges mehr zu bieten als Tourismus. Ausländische Investoren, die von dort aus in die ganze Welt exportieren, loben vor allem die günstigen Lohnkosten des Landes, die mittlerweile dem Vergleich mit osteuropäischen Ländern wie Tschechien oder Polen standhalten.

Firmen wie Bosch, der Strumpfhersteller Falke, der schwäbische Weltmarktführer für Industrienadeln für Textilmaschinen Groz-Beckert oder der Autozulieferer Kirchhoff haben große Werke in Portugal und liefern von dort teils in die ganze Welt. Für Portugal spricht zudem eine gute Infrastruktur: Das Land hat ein gutes Straßen- und Autobahnnetz, moderne Flughäfen sowie den einzigen europäischen Tiefseehafen neben Rotterdam.

Schwerer tun sich die Firmen mit der Suche nach hochqualifizierten Arbeitern. Zwar bilden portugiesische Universitäten gute Ökonomen, Informatiker oder Ingenieure aus. Eine praxisorientierte Berufsausbildung gibt es aber kaum. Die Arbeiter werden meist von den Betrieben selbst ausgebildet, ihre Fähigkeiten variieren dementsprechend.

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Erfolgreiche Exporteure gibt es auch unter den portugiesischen Unternehmen, etwa in der Metallverarbeitung. So hat sich im Norden des Landes ein hocheffizientes Cluster von mehr als 500 Unternehmen auf den Bereich Formenbau für die Kunststoffherstellung spezialisiert - und erfreut sich stets voller Auftragsbücher. Auch bei der Herstellung hochpräziser Plastikteile für die Auto- oder Elektronikindustrie gehören portugiesische Firmen zu Europas Spitzenreitern.

Im Textilsektor sind die Firmen vor allem bei den Heimtextilien stark. Einige internationale Modenamen wie Replay, Max Mara, S. Oliver, Marlboro Classics oder Helly Hansen wanderten in den 80er- und 90er-Jahren nach China ab, kehrten aber wegen der deutlich gestiegenen Produktionskosten wieder nach Portugal zurück.

Diese Erfolge schlagen sich in der Handelsbilanz nieder: Portugals Ausfuhren stiegen im vierten Quartal um 12,4 Prozent, während die Importe um 10,5 Prozent sanken. Damit hat sich das Handelsbilanzdefizit gegenüber dem Vorjahr auf 2,8 Milliarden Euro halbiert.

Die Exportstatistiken zeigen aber auch die Schwächen des kleinen Landes: Portugal ist nicht in der Lage, seinen Lebensmittelbedarf selbst zu decken. Selbst bei landwirtschaftlichen Primärprodukten führte das Land im vierten Quartal weniger als die Hälfte dessen aus, was es importierte. Ähnlich sieht die Relation bei Maschinen und anderen Kapitalgütern aus: „Wir haben den Industriesektor, selbst die Land- und Fischwirtschaft, viele Jahre ignoriert“, sagt der Ökonom Rui Marinho. „Jetzt wird es mühsam und langwierig sein, das Land zu reindustrialisieren.“

Von

ang

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