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07.04.2011

23:15 Uhr

Portugal

Offizieller Antrag auf Finanzhilfe

Viele Experten hatten diesen Schritt erwartet, nun ist es amtlich: Als drittes EU-Land bittet Portugal in Brüssel formell um finanzielle Hilfe. Spanien weist einen solchen Schritt weiter von sich.

Portugal bittet um internationale Hilfe. Quelle: dapd

Portugal bittet um internationale Hilfe.

LissabonPortugal hat am Donnerstag offiziell Finanzhilfen der Europäischen Union beantragt. Eine entsprechende formelle Bitte sei in Brüssel eingegangen, teilte die EU-Kommission am Abend mit.

Zuvor erzielte die Börse in Lissabon eines ihrer besten Ergebnisse seit Monaten. Die politischen und wirtschaftlichen Unwägbarkeiten hielten die Zinsen für portugiesische Staatsanleihen jedoch weiterhin hoch.

Der Minister für Präsidialangelegenheiten, Pedro Silva Pereira, erklärte vor dem offiziellen Antrag, die Regierung werde „sehr bald“ mit Delegationen der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank in Lissabon über die Voraussetzungen für das Rettungspaket verhandeln. Zuvor hieß es aus Regierungskreisen, das Kabinett wolle zunächst mit der Opposition über die möglichen Bedingungen für die Finanzhilfe beraten.

Portugal ist nach Griechenland und Irland das dritte Euro-Land, das internationale Finanzhilfe beantragt. Die Märkte hatten diesen Schritt seit längerem erwartet. Experten schätzen Portugals Finanzierungsbedarf auf bis zu 80 Milliarden Euro.

Die Verhandlungen dürften durch die Tatsache erschwert werden, dass sich Portugal in einer Regierungskrise befindet. Die sozialistische Minderheitsregierung von Ministerpräsident José Sócrates trat Ende März zurück, weil die Opposition ihr die Zustimmung zu weiteren Haushaltskürzungen verweigerte.

Die spanische Finanzministerin Elena Salgado erklärte unterdessen dass Madrid - anders als Portugal - keinesfalls um Finanzhilfe der EU bitten werde. Die spanische Wirtschaft sei diversifizierter und mächtiger, stehe auf einer gesunden Grundlage und sei wettbewerbsfähiger, sagte Salgado. Die Zinsen für dreijährige spanische Staatsanleihen sanken leicht.

Nach Angaben des Finanzministeriums in Madrid vom Donnerstag nahm das hoch verschuldete Land bei einer Versteigerung von Staatsanleihen 4,13 Milliarden Euro ein, der Zinssatz betrug 3,57 Prozent. Bei der letzten derartigen Versteigerung am 3. März betrug der Zinssatz 3,59 Prozent. Die Anleihen waren fast zweifach überzeichnet. Die Zinsen für Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit stiegen am Donnerstag leicht von 5,21 auf 5,27 Prozent.

Der Abstand zu vergleichbaren deutschen Anleihen, die als Referenzpapiere gelten, betrug nur noch 1,82 Prozent. Experten werteten dies als Zeichen für ein neues Vertrauen der Investoren in die spanische Wirtschaft.

Portugals Politik der Schuldenreduzierung hatte in jüngster Zeit zu einer Reihe von Protesten und Streiks geführt. Die Gewerkschaft der Beamten kündigte an, dass ihre Mitglieder am 6. Mai die Arbeit niederlegen werden.

Von

dapd

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