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07.03.2014

16:23 Uhr

Posse im Nahen Osten

Jet hebt ohne Ministersohn ab – und muss umkehren

VonMartin Gehlen

Luftfahrtposse in Nahost: Weil ein irakischer Ministersohn in Beirut seinen Flieger verpasst, zwingt der Vater offenbar die Passagiermaschine zur Umkehr. Die Folge sind gegenseitige Beschuldigungen – und eine Verhaftung.

Ein Flugzeug der libanesischen Staatslinie „Middle East Airlines“ bekam in Bagdad keine Landerlaubnis und flog nach Beirut zurück. EPA/ASSAAD AHMAD

Ein Flugzeug der libanesischen Staatslinie „Middle East Airlines“ bekam in Bagdad keine Landerlaubnis und flog nach Beirut zurück.

BeirutSie haben ihn überall gesucht – in der VIP-Lounge und auf den Gängen des Terminals. Mehrmals haben sie über sämtliche Lautsprecher des Beiruter Rafik-Hairi-Flughafens per „dringendem Aufruf“ nach ihm gefahndet. Doch Mahdi al-Ameri, Sohn des irakischen Transportministers Hadi al-Ameri, blieb wie vom Erdboden verschluckt. Erst nachdem der Airbus 320 der libanesischen Staatslinie „Middle East Airlines“ (MEA) am Donnerstag um 12.52 Uhr in Richtung Bagdad abgehoben hatte, tauchte der Gesuchte wutschnaubend am Gate auf.

„Ich werde dafür sorgen, dass das Flugzeug nicht in Bagdad landen darf“, tobte er. Zwanzig Minuten später, so gab das MEA-Management später in einer Presseerklärung bekannt, erhielt der Kapitän im Cockpit die Nachricht, ohne den Ministersprössling an Bord erhalte das Flugzeug keine Landeerlaubnis in der irakischen Hauptstadt.

Also machte Flug ME 322 kehrt, jettete zurück nach Beirut, wo der Flug dann gestrichen wurde – auf ausdrückliche Anordnung des libanesischen Transportministers Ghazi Zeaiter, der in Bagdad Protest einlegte und eine offizielle Entschuldigung verlangte. Der MEA-Vorstand geißelte das Benehmen der irakischen Seite als „puren Nepotismus“ und erklärte, durch diesen „verstörenden Vorfall“ sei dem Unternehmen ein finanzieller Schaden entstanden.


Um die diplomatischen Wogen zu glätten, ließ Iraks Ministerpräsident Nuri al-Maliki verkünden, alle in diese Affäre Verwickelten würden gefeuert und bestraft. Am Freitagfrüh drangen seine Spezialkräfte in die Flughafenverwaltung ein und verhafteten den Vizemanager Samer Kibbeh, der angeblich die Landeblockade verfügt haben soll. „So ein Verhalten ist falsch und schadet dem Prestige des Irak“, ließ Maliki erklären, ohne die genaue Rolle Kibbehs in der Luftfahrtposse aufzuklären. Denn Ministervater Hadi al-Ameri gehört zu den engsten politischen Verbündeten des umstrittenen Regierungschefs, auch weil er lange Jahre Chef der vom Iran finanzierten Badr-Milizen war.

Das Ganze sei eine Lüge, sein Sohn sei gar nicht auf dem genannten Flug gebucht gewesen, ließ der schiitische Hardliner durch seinen Sprecher behaupten. Vielmehr seien alle Fluggesellschaften rechtzeitig informiert worden, dass am Donnerstag ab 9 Uhr früh „Reinigungsoperationen durchgeführt würden“ und der Airport gesperrt werden müsse. Der MEA-Airbus sei dennoch losgeflogen, so dass man den Piloten habe bitten müssen umzukehren. Mitarbeiter des Flughafens dagegen versicherten gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, der Betrieb sei den ganzen Tag über mit 30 Landungen normal gewesen, abgesehen von der Maschine aus Beirut.

Und so löste das Herrenreiter-Benehmen des Ministersohnes auf Twitter und Facebook eine regelrechte Springflut an beißenden Kommentaren aus. Viele fühlen sich sogar an die Eskapaden von Saddam Husseins Söhnen Udei und Qusei erinnert. „Es kommt mir vor, als seien Udei und sein Vater wieder von den Toten auferstanden“, twitterte eine junge Irakerin.

Kommentare (1)

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07.03.2014, 18:42 Uhr

Kaum zu glauben aber Sie sehen den gewaltigen Unterschied der Kulturen. Soehnchen ist hoffentlich gut angekommen.

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