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07.07.2012

02:51 Uhr

Post-Gaddafi

Euphorie vor erster Wahl in Libyen

Nach Jahren der Repression dürfen die Libyer nun das erste Mal selbst über ihre politischen Vertreter bestimmen. Islamisten und Nationalisten hoffen auf viele Mandate. Doch auch eine Boykottbewegung sammelt Anhänger.

Anhänger der libyschen Muslimbrüder auf einer Wahlveranstaltung. dpa

Anhänger der libyschen Muslimbrüder auf einer Wahlveranstaltung.

TripolisWahlen gab es unter Libyens Langzeitdiktator Muammar al-Gaddafi nicht, Parteien waren verboten. Trotzdem trauen sich die Libyer zu, neun Monate nach Kriegsende eine landesweite Wahl zu organisieren. An diesem Samstag ist es so weit. Internationale Beobachter sind beeindruckt von der Zielstrebigkeit, mit der die Verantwortlichen in Tripolis auf die Wahl zum Allgemeinen Nationalkongress zusteuern. Gleichzeitig warnen sie vor überzogenen Erwartungen. Denn die libysche Demokratie lernt gerade erst laufen.

Schon jetzt steht fest, dass Islamisten und Kandidaten, die von den großen Stämmen unterstützt werden, einen großen Teil der 200 Mandate abräumen werden. Gute Chancen rechnet sich auch eine nationalistische Allianz unter der Führung von Mahmud Dschibril aus. Dschibril war während des Krieges im vergangenen Jahr Mitglied des Übergangsrates und weckte mit seiner weltläufigen Art bei westlichen Diplomaten viel Sympathie für die libysche Revolution.

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Bis zuletzt wies der krebskranke Libyer die Verantwortung für das Attentat zurück.

Abgesehen von der Frage, wie wichtig die Rolle der Religion im neuen Staat sein soll, blieb der Wahlkampf weitgehend ideologiefrei. Das liegt daran, dass die meisten Libyer Ideologien skeptisch gegenüberstehen. Denn Gaddafi war ein Ideologe par excellence. Vier Jahrzehnte lang quälte er das Volk mit einem kruden Mix aus Radikalsozialismus, Islam und philosophischem Gefasel.

„Die Jugend hat zwar der Revolution zum Erfolg verholfen, aber eine Vision hat sie leider nicht“, seufzt Ali al-Hamruni. „Diese ideologische Leere ist das Erbe des alten Regimes, das die Menschen dazu gebracht hat, nur an sich selbst zu denken.“ Al-Hamruni ist 48 Jahre alt, ehemaliger politischer Gefangener und Gründungsmitglied der Nationalen Partei für Entwicklung und Wohlfahrt. Von 1989 bis 2001 saß er ohne Urteil im berüchtigten Gefängnis Abu Slim in Tripolis. Die Zelle teilte er damals mit Nuri al-Abbar, der heute die Wahlkommission leitet.

Kommentare (1)

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07.07.2012, 12:08 Uhr

Ach, klingt das nicht alles schön ...

http://die-rote-pille.blogspot.ch/2012/06/eine-freie-presse-gibt-es-nicht-die.html

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