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11.08.2015

18:52 Uhr

PR-Aktion von Kommunistischer Partei

Auf ein Selfie mit Lenin

VonSteffen Daniel Meyer

Die Kommunistische Partei Russlands will Lenin zum Selfie-Star machen: Unter dem Hashtag #LeninLives sollen Fans des Revolutionärs neben Statuen posieren und die Bilder im Netz hochladen. Es gibt auch etwas zu gewinnen.

Der User Anton Evdokimov lud dieses Bild von sich und einer großen Lenin-Büste auf der VKontakte-Seite der kommunistischen Jugendgruppe YCL hoch. Screenshot von VKontakte

Goldener Lenin

Der User Anton Evdokimov lud dieses Bild von sich und einer großen Lenin-Büste auf der VKontakte-Seite der kommunistischen Jugendgruppe YCL hoch.

MoskauUnter dem Hashtag #LeninLives tauchen auf Twitter und Instagram immer mehr Fotos von jungen Menschen auf, die sich mit einem Konterfei des Sowjetunion-Gründers Vladimir Iljitsch Lenin fotografieren lassen: Ein Nutzer umarmt den Fuß einer riesigen Statue, ein anderer küsst eine Büste und eine Nutzerin sitzt auf dem Schoß des Revolutionärs. Dahinter steckt eine PR-Aktion einer Jugendorganisation der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation (KPRF), mit 92 Sitzen die zweitgrößte Partei in der russischen Duma. Die Regierungspartei von Präsident Wladimir Putin, Einiges Russland, kommt auf 238 von insgesamt 450 Sitzen.

Wie die britische Zeitung „The Guardian“ berichtet, haben Mitglieder eines örtlichen Jugendverbandes der Partei im Norden Russlands die Aktion initiiert: Die Gruppe erklärt, das Projekt sei eine „günstige und effektive Möglichkeit, um unter den Jugendlichen das Bild des Anführers aller Proletarier bekannt zu machen.“ Zudem zeige es, in welchem Zustand sich die Lenin-Statuen im Land befänden.

Die Jugendorganisation rief auf Russlands sozialem Netzwerk VKontakte zum Mitmachen auf. Für das schönste Lenin-Selfie gibt es Tablets zu gewinnen. Laut „Guardian“ soll auf diesen das 45 Bände umfassende Gesamtwerk von Lenin gespeichert sein. Bis zum 1. Januar 2016 läuft die Aktion, die nicht nur auf VKontakte, sondern auch auf Twitter und Instagram zu Reaktionen geführt hat.

Gennady Zyuganov, Vorsitzender der Mutterpartei, zeigte sich laut der russischen Online-Seite Izvestia begeistert von dem Vorschlag und erklärte, dass die KPRF diesen Vorstoß unterstützen werde. „Ich glaube, Vladimir Ilych [Lenin] wäre dankbar dafür.“

Gegenwind kommt von Nikita Petrov von Memorial, einer russischen Non-Profit-Organisation für Geschichte und Bürgerrechte. Die Aktion diene der „Domestizierung eines Tyrannen“ und „ist ein Versuch, Lenin in den Mainstream gleiten zu lassen“, sagte Petrov gegenüber dem Online-Portal.

Lenin hatte 1903 die Bolschewiki gegründet, aus der später die Kommunistische Partei Russlands hervorging. Als Anführer der Bolschewiki ergriff er in der Oktoberrevolution 1917 die Macht und wurde der erste Regierungschefs Sowjetrusslands. Auch nach der Gründung der Sowjetunion 1922 stand er an der Spitze der Hierarchie. Er starb am 21. Januar 1924.

In Russland gibt es etwa 6000 Lenin-Statuen, davon seien aber nicht alle öffentlich zugänglich. „40 Prozent der seltensten und interessantesten Denkmäler Lenins stehen in geschlossen Fabriken oder Militäranlagen“, erklärte Dimitri Kudinov, Historiker und Betreiber der Seite Leninstatues.ru, gegenüber Izvestia. Die größte Statue steht am Eingang des Wolga-Don-Kanals, der nach Lenin benannt ist. Das Denkmal ist 57 Meter hoch.

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