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15.05.2014

08:27 Uhr

Präsident Anastasiadis

Zypern leidet unter Russland-Sanktionen

ExklusivDas Rettungsprogramm für Zypern ist in Gefahr: Der Präsident des Krisenstaats, Nikos Anastasiadis, warnt vor einer Schwächung russischer Unternehmen – schließlich bunkern diese hohe Summen auf der Insel.

Nikos Anastasiadis warnt – aber kann der EU auch etwas versprechen: „Wir verfügen über Ressourcen, welche die EU unabhängiger von russischen Gaslieferungen machen“. ap

Nikos Anastasiadis warnt – aber kann der EU auch etwas versprechen: „Wir verfügen über Ressourcen, welche die EU unabhängiger von russischen Gaslieferungen machen“.

BerlinZyperns Staatspräsident Nikos Anastasiadis hat davor gewarnt, dass mögliche Wirtschaftssanktionen gegen Russland das Rettungsprogramm für das Euro-Land gefährden könnten. „Wenn Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt würden, hätte das äußerst negative Auswirkungen auf unser Anpassungsprogramm, das wir mit der Troika vereinbart haben“, sagte Anastasiadis in einem Interview mit dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe). „Es würde all die Fortschritte gefährden, die wir seit einem Jahr mühsam erreicht haben.“ Der Präsident forderte, diese Auswirkungen bei einer Entscheidung zu berücksichtigen. Die EU und auch jeder einzelne Mitgliedstaat für sich sollten „den Schaden berücksichtigen, den sowohl die EU selbst als auch die Wirtschaft unserer Länder aufgrund solcher Sanktionen erleiden würden“.

Der Präsident betonte, dass es neben Risiken auch eine Chance für Zypern gebe. „Wir verfügen über Ressourcen, welche die EU unabhängiger von russischen Gaslieferungen machen“, sagte Anastasiadis. Vor Zyperns Küste sind Gasvorkommen entdeckt worden. Zypern werde innerhalb Europas ein wichtiger Energielieferant, sagt er. Generell sieht Zyperns Präsident das Land auf dem Weg der Besserung. Eine Beleg ist für ihn auch, dass sich der Staat kürzlich wieder Geld bei Investoren leihen konnte. Das sei die erste Emission von Staatsanleihen seit dem Jahr 2010 gewesen, so Anastasiadis. „Die Reaktionen waren positiv.“ Zypern hatte an private Personen Anleihen für 100 Millionen Euro verkauft. „Es wird weitere Emissionen geben“, kündigte Anastasiadis an. „Wir wollen das auf monatlicher Basis wiederholen. Wir gehen vorsichtig vor. Aber das Ziel ist klar: Wir wollen wieder an die Märkte.“

Eckpunkte des Zypern-Hilfspakets

Finanzbedarf

Hier gab es zuletzt Irritationen. Im Juni vergangenen Jahres hatte Zypern Hilfen von gut 17 Milliarden Euro beantragt. Nach langen Verhandlungen steht nun fest, dass die internationalen Geldgeber „nur“ bis zu zehn Milliarden Euro Hilfskredite bereitstellen werden bis zum ersten Quartal 2016. Bis zu neun Milliarden kommen aus dem Euro-Rettungsfonds ESM, eine Milliarde will der Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Verfügung stellen.

Beitrag der Banken

Eigentümer und andere Gläubiger zyprischer Banken und deren Anleger mit Guthaben über 100.000 Euro werden zur Kasse gebeten. Die Laiki Bank wird abgewickelt, die Bank of Cyprus saniert. Allein über die Beteiligung ungesicherter Einlagen beider Banken sollen zur Rekapitalisierung schätzungsweise 8,3 Milliarden zusammenkommen. Der endgültige Betrag ist aber noch offen.

Weitere Einnahmen und Reformen

Die Unternehmens- und Zinsertragsteuer in Zypern steigen, Betriebe sollen privatisiert und Gold verkauft werden. Inländische Anleger sollen zu längeren Laufzeiten bei den von ihnen gehaltenen Staatsanleihen bewegt werden. Gefordert sind ferner auch eine Rentenreform, ein höheres Pensionsalter, Einschnitte beim Renteneintrittsalter und Kürzungen im Gesundheitssystem. Zypern soll zudem den Kampf gegen Geldwäsche verstärken.

Wirtschaftswachstum

Unterstellt wird, dass die zyprische Wirtschaft ab 2015 wieder mit positiven Wachstumsraten anzieht – nach einem Einbruch beim Bruttoinlandsprodukt um 8,7 Prozent in diesem und 3,9 Prozent im nächsten Jahr.

Schuldenabbau und Etatsanierung

Der Schuldenstand wird nach fast 87 Prozent der Wirtschaftsleistung nach der Projektion bis zum Jahr 2015 auf den Spitzenwert von 126 Prozent klettern. Danach soll er sinken – auf 122 Prozent bis Ende 2016 und 2020 auf 104 Prozent.

Haftungsanpassung

Deutschland muss etwas mehr beim auslaufenden Rettungsfonds EFSF absichern. Zypern hatte beantragt, bei den Garantieleistungen für den EFSF entlastet zu werden. So ein „Stepping Out“ wurde auch anderen Ländern gewährt. Der deutsche Haftungsanteil erhöht sich damit von 29,07 auf 29,13 Prozent.

Portugal und Irland

Die Laufzeiten der Hilfskredite an beide Länder sollen um sieben Jahre verlängert werden. Das mindert Ansteckungsgefahren. Volumen und Auflagen ändern sich nicht.

Die Notwendigkeit für ein weiteres Rettungsprogramm sieht Anastasiadis nicht. „Wir wollen das Programm mit allen Auflagen umsetzen, um es schnell wieder zu beenden und die Wirtschaftskrise hinter uns zu lassen. Das ist unser Ziel. Und wir haben nach heutigem Stand keinen Zweifel, es zu erreichen.“ Der Präsident kündigte an, dass Zypern eine Förderinstitution für kleine und mittlere Unternehmen gründen will, bei der sich auch Deutschland beteiligen werde. „Dazu wird neben Zypern auch die Europäische Investitionsbank Kapital beitragen und die deutsche KfW-Bank“, sagte Anastasiadis. Das habe ihm Bundeskanzlerin Angela Merkel angeboten. „Die Details werden jetzt die Finanzminister besprechen“, sagte Anastasiadis.

Kommentare (5)

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15.05.2014, 09:36 Uhr

Herr Anastasiadis die Kapitalverkehrskontrollen sollten
bald wieder eingestellt werden. Vermutlich noch zum Ende
diesen Jahres.

Das die Anderen das so einfach zulassen werden das Gas vor
Zypern zufördern würde ich mal anzweifeln. Dazu ist sicher
noch so Einiges an diplomatischem Geschick notwendig.

Account gelöscht!

15.05.2014, 09:38 Uhr

Zitat : Zypern leidet unter Russland-Sanktionen

- eher leidet Zypern unter EU Sanktionen, die ich die EU ueber Russland auferlegt hat !

Account gelöscht!

15.05.2014, 10:39 Uhr

Die EU ein Verein bzw. Seilschaft aus Alten, gescheiterten Kriminellen und wirtschaftlich Schwindsüchtigen legen anderen Staaten Sanktionen auf und bangen darum, dass der Bestrafte nicht mit gleicher Münze heimzahlt. Schon die eigenen verhängten lächerlichen Sanktionen, die jeden Tag einen “Schenkelklopfer“ im Kreml auslösen, könnten diese geistig verwirrten Lakaien der angloamerikanischen Machtkrake in schwerste Turbulenzen bringen. Sollte Zypern wieder stürzen, fällt das todkranke Griechenland direkt hinterher und zöge die schwachen Länder Frankreich, Italien, Spanien und Portugal direkt über den Abgrund. Dann läge es an Putins Russland dieser asozialen und lebensunfähigen Seilschaft endlich den verdienten leichten Tritt mittels eigenen empfindlichen Sanktionen zu verpassen.
Seit Wochen lesen wir stattdessen wie sehr Russland leidet und durch Putin geschädigt wird, tatsächlich begeht die EU aber gerade den von den atlantischen Kräften gewollten Suizid und ca. 50 % der Wahlberechtigten (Wähler etablierter Parteien und Nichtwähler) in Deutschland wollen den Schwachsinn nicht zur Kenntnis nehmen und sie werden weiterhin tun was sie immer getan haben. Es wird und es muss erst richtig weh tun, bevor dieses dämliche Mitbürger-Gesockse aufwacht!

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