Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.02.2017

16:27 Uhr

Präsident Bouteflika erkrankt

Merkels Algerien-Reise überraschend abgesagt

Algerien ist strategisch wichtig, auch für eine stärkere Kontrolle der Migration über das Mittelmeer. Kanzlerin Merkel wollte deswegen in das nordafrikanische Land reisen – und blieb dann doch in Berlin.

Der algerische Präsident Abdelaziz Bouteflika war zuletzt im Jahr 2010 zu Besuch in Deutschland – nun wurde der Staatsbesuch von Bundeskanzlerin Merkel in Algerien überraschend abgesagt. Grund ist eine Erkrankung Bouteflikas, die es ihm unmöglich mache, die Kanzlerin zu empfangen. dpa

Wichtiger Partner

Der algerische Präsident Abdelaziz Bouteflika war zuletzt im Jahr 2010 zu Besuch in Deutschland – nun wurde der Staatsbesuch von Bundeskanzlerin Merkel in Algerien überraschend abgesagt. Grund ist eine Erkrankung Bouteflikas, die es ihm unmöglich mache, die Kanzlerin zu empfangen.

Algier/BerlinDie geplante Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Algerien ist kurz vor dem Start abgesagt worden. Der Besuch soll wegen des Gesundheitszustandes des algerischen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika auf einen späteren Termin verschoben werden, wie das algerische Präsidentenamt am Montag mitteilte.

Der 79-Jährige, der öffentlich kaum noch auftritt, leide unter einer Entzündung der Bronchien. Merkel wollte am Nachmittag von Berlin nach Algerien fliegen und in dem nordafrikanischen Land unter anderem über eine Eindämmung der Fluchtbewegung über das Mittelmeer sprechen.

Algerien: Gas, Erdöl, Wüste

Größter Flächenstaat Afrikas

Die frühere französische Kolonie Algerien ist der größte Flächenstaat in Afrika. Wirtschaftlich profitiert das Land vor allem von seinen enormen Öl- und Gasvorkommen, die Exporterlöse machen rund 98 Prozent der Deviseneinnahmen aus. Mit einer Fläche von knapp 2,4 Millionen Quadratkilometern ist Algerien fast siebenmal so groß wie Deutschland.

Käufer deutscher Rüstungsgüter

Der Wüstenstaat zählt zu den wichtigsten Abnehmern deutscher Rüstungsgüter außerhalb der Nato. Der Tourismus ist im Vergleich zum Nachbarn Tunesien nur dürftig entwickelt.

Umsturz im arabischen Frühling verhindert

Im Sog des Arabischen Frühlings kam es auch in Algerien zu Streiks und Protesten gegen steigende Preise und Perspektivlosigkeit. Doch der seit 1999 amtierende Präsident Abdelaziz Bouteflika konnte einen Umsturz wie in anderen arabischen Staaten verhindern.

Islamisten bekämpfen die Regierung

Blutige Auseinandersetzungen zwischen Islamisten und Regierung lassen den Staat seit Jahren nicht zur Ruhe kommen. Algerien ist das Stammland der Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQMI).

Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte, die Kanzlerin sei dem kurzfristigen Wunsch der algerischen Seite um eine Verschiebung des Besuchs nachgekommen. Ein neuer Termin wurde vorerst nicht genannt.

Ein Gespräch mit Bouteflika war zum Abschluss von Merkels zweitägiger Reise an diesem Dienstag geplant. Über den Gesundheitszustand des Präsidenten wird seit längerem spekuliert. Nach mehreren Schlaganfällen in den vergangenen Jahren sitzt er im Rollstuhl und soll große Probleme mit dem Sprechen haben.

Zum Auftakt von Merkels Besuch in der Hauptstadt Algier war für Montagabend ein Treffen mit Ministerpräsident Abdelmalek Sellal vorgesehen. Die Kanzlerin wollte am Dienstag unter anderem auch an einer deutsch-algerischen Wirtschaftskonferenz teilnehmen und sich mit Vertretern gesellschaftlicher Gruppe treffen.

Abkommen mit Herkunftsländern: Wie Spanien des Flüchtlingsstroms Herr wird

Abkommen mit Herkunftsländern

Premium Wie Spanien des Flüchtlingsstroms Herr wird

Madrid hat den Flüchtlingsstrom ins eigene Land eingedämmt – durch Abkommen mit den Herkunftsstaaten. Diese könnten nun die Blaupause für ähnliche Pläne der EU sein. Doch beim Kopieren ist Vorsicht angebracht.

Die Bundesregierung sieht Algerien als wichtigen Akteur für Stabilität und Sicherheit in der Region. Das flächenmäßig größte Land des Kontinents grenzt an die wichtigen Transitländer für afrikanische Flüchtlinge, Mali und Niger. Außerdem engagiert sich die Regierung in Algier für eine Stabilisierung des benachbarten Bürgerkriegslandes Libyen, von wo aus die meisten Flüchtlinge nach Europa übersetzen.

In den vergangenen Monaten ist Algerien verstärkt gegen Islamisten vorgegangen. Stark im Blick stünden auch effektive Grenzkontrollen im Kampf gegen Schmuggel und Menschenschleusungen, hieß es in Berlin. Merkel wirbt dafür, Algerien, Tunesien und Marokko im deutschen Asylrecht als sichere Herkunftsländer einzustufen, um Abschiebungen abgelehnter Bewerber zu beschleunigen.

Von

rtr

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

20.02.2017, 15:14 Uhr

Afrika ist groß und hat noch viele Länder, die Merkel als Schleusserbeauftragte bereisen kann.

Herr Tomas Maidan

20.02.2017, 15:41 Uhr

Ja, ausser Russland. Da will wirklich niemand hin.

Account gelöscht!

20.02.2017, 16:07 Uhr

Frau Merkel sollte unbedingt nach Afrika reisen und dort den "Arabischen Frühling"
genießen, immerhin hat die EU mitgewirkt und es stehen noch noch Einladungen
an die so sehr ersehnten Gäste aus. Alternativ könnte die Hochgelobte auch ganz dort bleiben, mit Schulz hätte sie einen würdigen Nachfolger in der Einheitspartei.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×