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15.03.2012

21:57 Uhr

Präsident Karsai

Nato soll aus afghanischen Dörfern abziehen

Der Amoklauf eines US-Soldaten und die Koranverbrennung haben die Beziehungen zwischen Afghanistan und den USA stark beeinträchtigt. Präsident Karsai forderte nun, die Nato-Soldaten aus den Dörfern abzuziehen.

Nato soll sich zurückziehen

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KabulNach dem Amoklauf eines US-Soldaten mit 16 Toten in Afghanistan hat Präsident Hamid Karsai die Nato aufgefordert, ihre Soldaten von Außenposten in den Dörfern abzuziehen. Die ausländischen Truppen müssten in die Haupt-Stützpunkte zurückbeordert werden, erklärte Karsai nach einem Treffen mit US-Verteidigungsminister Leon Panetta am Donnerstag in Kabul. Nahezu zeitgleich sagten die radikal-islamischen Taliban ihre Friedensgespräche mit den USA ab. Der Amoklauf am Wochenende und die Verbrennung von Koranexemplaren durch US-Soldaten haben den Bemühungen um eine Verhandlungslösung einen Rückschlag versetzt und Rufe nach einem sofortigen Truppenabzug lauter werden lassen.

Karsai erklärte, er hätte sich mit Panetta geeinigt, auf eine Übergabe der Sicherheitsverantwortung für 2013 und damit ein Jahr früher als geplant hinzuarbeiten. Allerdings schloss der Staatschef nicht aus, eine kleine Anzahl an amerikanischen Beratern und möglicherweise auch Sondereinsatzkräften über 2014 hinaus im Land zu belassen.

Afghanistans Präsident Hamid Karsai. dpa

Afghanistans Präsident Hamid Karsai.

Die USA reagierten zurückhaltend auf Karsais Forderung, die Nato-Soldaten aus den Dörfern abzuziehen. Die USA gingen davon aus, dass dies nicht sofort umgesetzt werden solle, hieß es aus dem Verteidigungsministerium. Das Außenministerium in Berlin betonte, Deutschland werde die Übergabe der Sicherheitsverantwortung synchron zu den internationalen und afghanischen Partner gestalten.

Der Amokschütze war in einem kleineren Außenposten von Sondereinsatzkräften stationiert. Solche Stützpunkte sind vor dem geplanten vollständigen Abzug 2014 ein Kernelement der Nato-Strategie im Kampf gegen Aufständische. Der Amoklauf habe das vorhandene Vertrauen der Afghanen in die ausländischen Truppen beschädigt, sagte Karsai. „Es müssen alle Anstrengungen unternommen werden, damit sich so ein Vorfall in der Zukunft nicht wiederholt.“

Panetta sagte Karsai eine vollständige Untersuchung zu. Der Verantwortliche werde von den USA zur Rechenschaft gezogen. Viele Afghanen fordern, dem Soldaten im Inland den Prozess zu machen. So sagte die Abgeordnete Schekiba Haschimi: „Wenn er nicht hier angeklagt und bestraft wird, werden sich die Menschen gegen die Amerikaner erheben.“ Einem US-Kommandeur zufolge wurde der Soldat aber bereits außer Landes in ein Militärgefängnis nach Kuwait gebracht. So könne es ein faires und angemessenes Verfahren geben, sagte er.

Kommentare (4)

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MaWo

16.03.2012, 10:15 Uhr

Hallo,
warum nicht einfach der "Bitte" des Staatsoberhauptes zügig entsprechen!

Account gelöscht!

16.03.2012, 10:51 Uhr

Das gelbe vom ei ?
Dann sollte ihm auch klar gemacht werden, dass auch die harte Währung abzieht .

MaWo

16.03.2012, 14:17 Uhr

@ Energieelite,
das wird er wissen - oder er wäre kein Staatsmann.

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